Arbeit&Wirtschaft 9/2016 E gal welcher Herkunft, die traditi- onelle Männlichkeit definiert sich meist über wirtschaftlichen Erfolg, Arbeit, Beruf und Selbstständig- keit. „Je traditioneller ein Männlichkeits- bild ist, desto schwieriger wird es, dieses in einer sich diversifizierenden Gesell- schaft zu leben“, resümiert Christian Holzhacker vom Verein Wiener Jugendzen- tren. Fällt die Rolle des „Familienober- hauptes“, des Erfolgreichen und Tüch- tigen weg, bleibt oft nur der eigene Kör- per. Und der Körper hat, so wird überlie- fert, stark und dominant zu sein. „Ich lasse mir nichts gefallen“, will er zeigen. Nicht selten wird Gewalt als Strategie gewählt, um Konflikte zu lösen. Dass die heutigen Zeiten konfliktförderlich sind, ist bekannt. Weniger bekannt ist die Burschen- und Männerarbeit, die in Österreich seit über 30 Jahren erfolg- reich gegen untaugliche Bilder von Männlichkeit ankämpft. „Nahezu alle psychosozialen Probleme können Män- ner und Frauen gleichermaßen betref- fen“, schreibt der in der Männerberatung Wien tätige Psychologe Ulrich Krainz in der Festschrift „Typisch Mann – 30 Jah- re in Bewegung“. Typisch Mann? Nur: Männer gehen anders damit um als Frauen. „Gerade in prekären und kriti- schen Lebenssituationen neigen Männer dazu, geschlechtstypisch zu reagieren.“ Ein Umstand, der in der Soziologie als männliches Bewältigungsmodell einge- gangen ist. In diesem spielt die Anwen- dung von Gewalt seit jeher eine Rolle. So waren etwa im Jahr 2013 gewalttätige Handlungen in der Männerberatungs- stelle Wien mit 41 Prozent prioritäres Thema. Viele Klienten kommen freiwil- lig, manche werden zugewiesen. Dachverband Die Männerarbeit in Österreich bie- tet ein sehr dichtes Hilfsangebot für Männer und Burschen. Am 15. Jänner 2016 wurde der Dachverband Männer- arbeit in Österreich (DMÖ) gegründet. Mitglieder sind alle Männerberatungs- einrichtungen in Österreich, wie etwa die Männerberatung Wien oder der Ver- ein White Ribbon, der sich für öffentli- che Kampagnen gegen Gewalt von Männern engagiert, oder poika, der Ver- ein für gendersensible Bubenarbeit in Erziehung und Unterricht. In jedem Bundesland ist mindestens eine Männerberatung tätig, wie der Ver- ein für Männer- und Geschlechterthe- men Steiermark oder die Männerbera- Gabriele Müller Freie Journalistin Herkömmliche Männerstereotype belasten Frauen und Männer gleichermaßen. Die Burschen- und Männerarbeit vermittelt lebenstauglichere Selbstbilder. Mannsbilder © R ai ne r H ol z / W es te nd 61 / pi ct ur ed es k. co m Die Unterstützung bei der Selbstfindung männlicher Heranwachsender ist heute wich- tiger denn je. Die Bubenarbeit leistet dies und unterstützt letztlich alle Geschlechter.