45Arbeit&Wirtschaft 9/2016 PRO-GE/GPA-djp Verbesserungen für Frauen erreicht KV-Abschluss in der Metallindustrie ist Vorbild für andere Branchen: Elternkarenz wird vollständig angerechnet, höheres Plus für niedrige Löhne und Gehälter. AK: Kinderbetreuung: Richtige Richtung Vizedirektorin Kundtner begrüßt Einigung auf aufgabenorientierten Finanzausgleich. Gute Nachrichten für Frauen: Bei den KV- Verhandlungen der MetallerInnen haben die Gewerkschaften die vollständige An- rechnung von Karenzzeiten für dienst- zeitabhängige Ansprüche wie Urlaubsan- spruch oder Jubiläumsgelder durchge- setzt. Ausgenommen sind lediglich Vorrückungen. „Das ist ein sehr wesent- licher Beitrag zur Verringerung der Ein- kommensschere und ein Vorbild für alle Branchen, die das noch nicht so geregelt haben“, freut sich Ilse Fetik, Frauenvor- sitzende der GPA-djp. „Der Verhand- lungsmarathon hat sich für die Beschäf- tigten gelohnt: Das durchschnittliche Lohn- und Gehaltsplus von 1,68 Prozent kann sich sehen lassen, niedrige Lohn- und Gehaltsgruppen werden sogar mit bis zu zwei Prozent erhöht.“ „Es waren äußerst schwierige und intensive Ver- handlungen. Der Abschluss bedeutet für die Beschäftigten einen deutlichen Real- einkommenszuwachs“, betonen die Ver- handler Rainer Wimmer (PRO-GE) und Rudolf Wagner (GPA-djp). Der neue Mindestlohn beträgt 1.785,03 Euro. Auch für Lehrlinge wurden Verbesserun- gen erzielt: Die Fahrtkosten zum Berufs- schulinternat werden künftig vollständig abgegolten, sofern diese nicht bereits durch öffentliche Förderungen abgedeckt werden. Geltungstermin des neuen Kol- lektivvertrages ist der 1. November 2016. Die Laufzeit beträgt zwölf Monate. Zusätzlich ist es gelungen, auch die- ses Jahr die Freizeitoption wieder für den Bereich Fahrzeugindustrie zu ver- einbaren. Damit wird dem Wunsch der ArbeitnehmerInnen nach mehr Freizeit Rechnung getragen. Grundvorausset- zung ist der Abschluss einer freiwilligen Betriebsvereinbarung. Gibt es eine sol- che, hat grundsätzlich jeder einzelne Ar- beitnehmer bzw. jede einzelne Arbeit- nehmerin die Möglichkeit, durch Ein- zelvereinbarung anstelle der Ist-Erhö- hung zusätzliche Freizeit zu erhalten. Nötig dafür ist die Zustimmung des Arbeitgebers. Wie viel Freizeit den Ar- beitnehmerInnen in diesem Fall gebührt, hängt von der Einstufung in die Be- schäftigungsgruppe ab. Möglich sind zwischen 1 Stunde 48 Minuten und drei Stunden im Monat. Die zusätzliche Frei- zeit kann stundenweise variabel, in gan- zen Tagen oder als ganzwöchiger Zeitaus- gleich verbraucht werden. Infos unter: tinyurl.com/hmv4r6g tinyurl.com/32ec53z Dass sich Bund und Länder bei den Verhand- lungen zum Finanzausgleich darauf geei- nigt haben, im Bereich Kinderbetreuung die Finanzierung aufgabenorientiert zu ge- stalten, ist ein Schritt in die richtige Rich- tung. „Durch einen aufgabenorientierten Finanzausgleich werden nun wirklich jene Gemeinden mehr Geld erhalten, die auch mehr in Kinderbetreuung investieren“, sagt Alice Kundtner, Vizedirektorin und Leite- rin des Bereichs Soziales der AK Wien. Die Kinderbildung und -betreuung wurde in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Aber bei den laufenden Kos- ten werden die Gemeinden allein gelas- sen. Manche Gemeinden scheuen deswe- gen davor zurück, mehr Plätze einzurich- ten. Mit der Aufgabenorientierung wird sichergestellt, dass die laufenden Kosten der Elementarbildung gerecht finanziert werden. Statt die Mittel wie bisher nach Maßgabe der Bevölkerungsanzahl zu ver- teilen, soll das Geld je nach Leistung an die Körperschaft verteilt werden, die die jeweilige Aufgabe auch wahrnimmt. „Dass im Bereich Elementarbildung die Mittel je nach Angebot vergeben wer- den sollen, war eine wichtige Forderung der AK. Wir haben auch das Konzept da- für vorgelegt“, so Kundtner. Bis Septem- ber 2017 sollen die Kriterien, nach denen die Mittel dann an die Gemeinden flie- ßen, festgelegt werden. „Dabei sollen län- gere Öffnungszeiten, wenige Schließtage, das Alter der Kinder und soziale Kriteri- en eine Rolle spielen“, sagt Kundtner. Wichtig ist, dass das Geld direkt an die Gemeinden fließt, um eine transparente Mittelvergabe sicherzustellen. Aus AK- Sicht braucht es neben einem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung und der Schaffung familienfreundlicher Öff- nungszeiten auch mehr Augenmerk auf die Qualität von Kinderbildungseinrich- tungen. Denn nur so können die Verein- barkeit von Beruf und Familie sowie die Frühförderung von Kindern gelingen. Der Finanzausgleich regelt, wie die Gelder aus dem Steuertopf zwischen dem Bund, den Ländern und den Gemeinden verteilt werden. Allerdings ist das derzei- tige System verbesserungswürdig: Exper- tInnen sind sich einig, dass es sehr in- transparent ist und kaum sinnvolle Steu- erung zulässt. Aus Sicht der Gemeinden ist das größte Problem, dass sie Geld vor allem nach der Zahl der EinwohnerInnen erhalten. An der Höhe dieser Mittel än- dert sich nichts, egal, wie gut oder schlecht eine Aufgabe von einer Gemeinde wahr- genommen wird. Infos unter: tinyurl.com/z98yg6y Aus AK und Gewerkschaften