Arbeit&Wirtschaft 1/2016 15Schwerpunkt „Ich schaue darauf, dass genügend AusbildnerInnen vor Ort sind, die den Lehrlingen alles beibringen, was sie für ihre Ausbildung brauchen. Ich zeige auf, dass Lehrlinge nicht als billige Arbeits- kraft ausgenutzt werden dürfen“, erzählt er aus seiner Tätigkeit. Unter anderem hat er gemeinsam mit dem Unterneh- men eine Lehrlingsakademie ins Leben gerufen, die die sozialen Kompetenzen schult und fördert. „Ich wache mit Ar- gusaugen darüber, dass Gesetze und Vereinbarungen auf beiden Seiten ein- gehalten werden. Kontrolle und Sank- tionen sind das Um und Auf“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende. Nach Lösungen suchen Vor allem junge ArbeitnehmerInnen ken- nen sich häufig nicht aus oder trauen sich nicht, ihre Rechte beim Arbeitgeber ein- zufordern. Der Betriebsrat kann die In- teressen der ArbeitnehmerInnen gegen- über dem Arbeitgeber besser durchsetzen, als der oder die einzelne ArbeitnehmerIn es könnte. In Betrieben mit Betriebsrat werden Beschäftigte besser in betriebliche Pro- zesse miteinbezogen. Die Mitbestim- mung von BetriebsrätInnen reicht von der Gestaltung der Arbeitsplätze und -zeiten bis zur Einstellung und Verset- zung. „Junge ArbeitnehmerInnen ma- chen oft Fehler, die unnötig sind und sie in Schwierigkeiten bringen können. Sie kommen zum Beispiel zu spät zur Ar- beit, haben Schwierigkeiten in der Be- rufsschule oder vergessen die Kranken- standsbestätigung“, erzählt Tamara Punz, Jugendvertrauensrätin bei der Mediaprint. In solchen Situationen ver- sucht Punz zuerst in Gesprächen mit Betroffenen zu erfahren, was passiert ist und wieso. Danach wird mit den Lehr- ausbildnerInnen und der Personalabtei- lung nach einer gemeinsamen Lösung gesucht. Mit dem Betriebsrat sorgt die Jugendvertrauensrätin dafür, dass bei Problemen immer jemand zur Stelle ist und man die Lehrlinge nicht sich selbst überlässt. Auf der sicheren Seite Nicht nur in der Lehrlingsbetreuung sind BetriebsrätInnen und Jugendvertrauens- rätInnen ein zuverlässiger Partner in der Arbeitswelt. Sie stehen ArbeitnehmerIn- nen immer beratend zur Stelle: sowohl bei Dienstantritt, wenn es um die kor- rekte Einstufung geht, als auch während der Beschäftigung, wenn Seminare für alle MitarbeiterInnen ausgearbeitet wer- den sollen. Und wenn ArbeitnehmerIn- nen wünschen, das Dienstverhältnis auf- zulösen, klären sie über Möglichkeiten, Fristen, offene Abrechnungen und Dienstzeugnis auf. „Als Betriebsrat weiß auch ich nicht alles. Eine gut funktionierende Rechts- abteilung ist für meine Arbeit sehr wich- tig. Meine Kollegen erwarten sich nicht Halbwissen, sondern seriöse Auskünf- te“, so Tusch. „Gewerkschaften und Ar- beiterkammer bieten viele Angebote, wie etwa Informationsmaterial zu Belas- tung am Arbeitsplatz und präventive Maßnahmen, an, die ich meinen Kolle- gInnen im Betrieb zur Verfügung stellen kann.“ Er fügt hinzu, dass Gewerkschaf- ten und Arbeiterkammer ihn dabei un- terstützen, sein Wissen auf dem laufen- den Stand zu halten, ihm die Möglich- keit geben, sich mittels Plattformen mit KollegInnen seiner Branche, aber auch mit anderen auszutauschen und deren Ressourchen zu nutzen. „Wenn ich nicht helfen kann, dann weiß ich, wer es kann. Unsere Lehrlinge wissen, dass sie sich auch an die Gewerkschaftsjugend wenden können. Die ÖGJ bietet diverse Unterstützung an, wie etwa bei der Füh- rerscheinprüfung“, sagt Schnabel. Diese Beispiele verdeutlichen, wie wichtig ein Betriebsrat ist. Debatten um Schichtpläne, Pausenzeiten, Beginn und Ende der Arbeitszeit, Urlaubspläne, Ausbildung, Freizeitgestaltung oder gar umfassende Fragen wie die Einführung von flexibler Arbeitszeit und Altersteil- zeit: Mit BetriebsrätInnen im Rücken sind die ArbeitnehmerInnen in einer deutlich stärkeren Position, um ihre In- teressen gegenüber den Arbeitgebern zu vertreten und unterschiedlichste Proble- me zu lösen. Blogtipp: Österreichischer Gewerkschaftsbund: www.oegb.at Portal der Arbeiterkammern: www.arbeiterkammer.at Österreichische Gewerkschaftsjugend: www.oegj.at Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin amela.muratovic@oegb.at oder die Redaktion aw@oegb.at © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l Mit BetriebsrätInnen im Rücken sind die ArbeitnehmerInnen in einer deutlich stärkeren Position, um ihre Interessen gegenüber den Arbeitgebern zu vertreten und unterschied- lichste Probleme zu lösen.