Arbeit&Wirtschaft 1/2016 17Schwerpunkt weise Beschäftigten angeboten, nach Chi- na zu übersiedeln, um die KollegInnen in China bei der – ausgelagerten – Arbeit zu unterstützen. Fragwürdige Druckmittel Auch mit „Standortrankings“ wird ver- sucht, Forderungen der ArbeitnehmerIn- nen in die Schranken zu weisen. Das WEF (World Economic Forum) erstellt jedes Jahr einen Bericht, der vorgibt, die Wettbe- werbsfähigkeit verschiedener Staaten zu analysieren und zu reihen (Global Compe- titiveness Report). Ende September 2015 wurde das neue Standortranking veröffent- licht, bei dem sich Österreichs Position um zwei Plätze auf den 23. Platz verschlechtert hat. Das ist natürlich Wasser auf die Müh- len all jener, die seit Jahren neoliberale Re- formen predigen und in diesen den Ausweg aus der wirtschaftlichen Stagnation sehen. Dabei basieren Rankings auf willkürlichen Annahmen, einer intransparenten Auswahl sowie Gewichtung der Maßzahlen und auf einer mangelhaften statistischen Methodo- logie. So besteht das Ranking beispielswei- se zu 60 Prozent aus Befragungen von Ma- nagerInnen. In seinem aktuellen Ranking bewertet das WEF das System der Lohnverhand- lungen (Kollektivvertrag) selbst als negativ – und zwar nicht, weil das erwiesenerma- ßen zu einer schlechteren wirtschaftlichen Performance führen würde, sondern weil es vorab als negatives Kriterium konstru- iert wurde. Dies wird in den Medien leider nicht hinterfragt, sondern es wird nur über ein Aufholen oder Zurückfallen in der Rangliste berichtet. Die mitgelieferte Ideologie wird oft unhinterfragt übernom- men, womit zumindest unbewusst, wenn nicht gar absichtlich neoliberale Stim- mungsmache gemacht wird. Fazit: Wenn das Ranking den Umsetzungsgrad neoli- beraler Politik ausdrückt, dann sollte ei- nem/einer ein Spitzenplatz nicht wirklich ein Anliegen sein. Nicht nur private Insti- tutionen wie das WEF haben die Wettbe- werbsfähigkeit ganz oben auf die Tages- ordnung gesetzt. Die EU-Kommission etwa will „Wettbewerbsfähigkeitsräte“ ein- setzen. Die brauchen wir so sehr wie Zahnschmerzen, denn diese Räte sollen auch gleich die Entwicklung der Lohn- politik (z. B. in Verbindung mit Kollek- tivvertragsverhandlungen) überwachen. Wichtiger wären da etwa „Räte für soziale Sicherheit und Verteilungsgerechtigkeit“ – als Korrektiv für neoliberale Auswüchse in Politik und Wirtschaft. Flexible Arbeit? „Arbeit, wenn Arbeit da ist!“, meinen Ver- treterInnen der Wirtschaft und versuchen damit, Stimmung für eine weitere Flexibi- lisierung der Arbeit zu machen. Klingt gut, gäbe es da nicht dieses kleine Detail: Für die Arbeitsbeschaffung sind nicht die Be- schäftigten, sondern die Unternehmen ver- antwortlich. Und: Arbeitszeitflexibilisie- rung ist keine Einbahnstraße. Wer in Kol- lektivverträgen dazu Regelungen will, muss mit uns als Gewerkschaften einen fairen Interessenausgleich für die Beschäftigten schaffen. Denn die Beschäftigten „haben nichts zu verschenken“. Kollektivvertragsverhandlungen fol- gen im Übrigen sehr einfachen Regeln: Je mehr Mitglieder Gewerkschaften haben, desto mehr können sie die Interessen ihrer Mitglieder durchsetzen. Jede/r einzelne Beschäftigte hat es daher selbst in der Hand, „ihre/seine“ Gewerkschaft bei Kol- lektivvertragsverhandlungen zu unterstüt- zen: als Gewerkschaftsmitglied! Internet: FALTER Ökonomie: tinyurl.com/hykezql Kollektivvertrags-Plattform: www.kollektivvertrag.at Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor rudolf.wagner@gpa-djp.at oder die Redaktion aw@oegb.at © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l Jeder und jede einzelne Beschäftigte hat es selbst in der Hand, eine bessere Durchsetzung seiner/ihrer Interessen bei den KV-Verhandlun- gen zu erreichen: als Gewerkschaftsmitglied! I N F O & N E W S Kollektivverträge sind überbetriebliche schriftliche Vereinbarungen, die in der Re- gel zwischen Gewerkschaften und Arbeit- geberverbänden abgeschlossen werden. Regelungen in Kollektivverträgen dürfen durch Betriebsvereinbarungen und Ar- beitsverträge nicht verschlechtert werden. Im KV sind alle wichtigen wechselsei- tigen Rechte und Pflichten aus einem Arbeitsverhältnis geregelt. Es geht vor allem um Entlohnung (Mindestgehälter bzw. Mindestlöhne), Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) und Ar- beitszeit. Der Zweck des Kollektivvertrags ist, für eine möglichst große Anzahl von ArbeitnehmerInnen sowie für alle Bran- chen und Regionen sachgerechte Lohn- und Arbeitsbedingungen festzulegen.