Arbeit&Wirtschaft 1/2016 29Schwerpunkt schäftigten (und diesen Druck natürlich an die Leiharbeitsfirmen weitergaben): Nach knapp zwei Jahren hatten wir den Kollektivvertrag, der immer noch euro- paweit als musterhaft gilt. Und 1.500 Euro Mindestlohn haben wir in dieser schwierigen Branche inzwischen auch erreicht. Wenige Jahre später forderte die damalige Regierung die Eisenbahner heraus. Es war der vorerst längste und härteste Streik dieses jungen Jahrhun- derts. Als die Metallindustrie jüngst den großen Leit-Kollektivvertrag zerschla- gen wollte, genügten Protestversamm- lungen … Geben und nehmen Aber welche Aktionsform auch immer „zieht“: Immer ist es ein Geben und Nehmen! Die KollegInnen, die gerade kämpfen müssen, sind auf die Unter- stützung der anderen angewiesen, bei denen es aktuell keine so großen Pro- bleme gibt. Das kann eine ganz einfache Hilfe sein, die Streikunterstützung zum Bei- spiel: Auch wenn wir meistens nicht sehr lange streiken, muss doch gesi- chert sein, dass wir das können. Dar- um erhalten alle Streikenden den Lohnausfall pauschal von ihrer Ge- werkschaft ersetzt – wenn sie Gewerk- schaftsmitglied sind. Das ist gelebte Solidarität: mit dem Mitgliedsbeitrag denen helfen, die aktuell streiken, da- mit mir auch geholfen werden kann, wenn ich das tun muss. Oft braucht es mehr! Bei jedem Streik gibt es die Versuchung, selbst „in Deckung“ zu bleiben: Wenn die ande- ren Betriebe streiken, wird das schon genügen. Nur bricht dann jeder Streik nieder, denn so kommen die engagier- ten KollegInnen unter Druck. Wenn alle zusammenhalten, riskiert niemand etwas. Gemeinsam geht es! Auch wer nur Unterschriften sam- melt, weiß: 10.000 bekommt man leicht, das geht meist schon über Face- book. Aber gerade deshalb zählen sie auch wenig. Nur wenn es gelingt, viele engagierte Menschen zu einem Zeit- punkt für ein Ziel zu begeistern, hat man Erfolg. Dafür braucht es die Strukturen ei- ner starken Organisation. Intern de- mokratisch, aber verlässlich und gut organisiert, wenn es um das Umsetzen der Beschlüsse geht: Dann heißt es zu- sammenhalten, auch wenn mir irgend- ein Detail nicht passt. Individualismus hat seinen Platz beim Kleiderkaufen … Stark durch viele Mitglieder Dieser Tage spürt es jeder von uns im Geldbörsel: Zusammenhalten, gemein- sam ein Ding durchziehen, das hilft nach wie vor. Das können Kampforga- nisationen, die stark sind. Stark, weil sie viele Mitglieder haben, die bereit sind, mitzumachen, wenn es darauf an- kommt. Die im Freundeskreis Stim- mung für die gemeinsame Aktion ma- chen, aber auch Mitglieder werben. Stark vor allem auch, weil engagier- te Betriebsrätinnen und Betriebsräte mächtig Druck machen, wenn es wirk- lich darauf ankommt: letztes Jahr beim Sammeln der Unterschriften für die Steuerreform, jetzt beim Sammeln der Unterschriften unter die Beitrittser- klärung. Solidarität ist momentan ganz einfach – eine Unterschrift. Dem- nächst werden wir alle wieder mehr machen müssen, denn der nächste Konflikt kommt bestimmt, es ist noch viel zu tun. Viele Erfolge Aber wir haben auch viel erreicht! Ob- wohl die Medien wieder einmal miese Stimmung verbreiten: Gemeinsam ha- ben wir letztes Jahr fiese Vertragsklau- seln eingegrenzt, seit Langem erstmals echte Schritte gegen Steuerhinterziehe- rInnen durchgesetzt, und zwar auch gegen die Millionäre (Kontenregister); Strafen für Arbeitgeber, die weniger zah- len, als sie müssen, nicht nur beim Grundlohn/Gehalt, sondern auch bei Zulagen und Überstunden; und nicht zuletzt: Endlich ist die erwähnte Klar- stellung erreicht, dass wir streiken dür- fen und niemand deswegen in irgend- einer Form benachteiligt werden darf. Jetzt müssen wir die Stunde nützen: Mitglieder werben und dadurch dafür sorgen, dass wir GewerkschafterInnen in der Offensive bleiben! Nachlese: „Streik: Ja dürfen die das denn?“: tinyurl.com/zebzpdz Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor rene.schindler@proge.at oder die Redaktion aw@oegb.at © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l Die Wirtschaft ist sich schon bewusst, dass die Gewerkschaften hierzulande immer noch recht stark sind. Wenn es um wirklich entschei- dende Fortschritte geht, ist die Grenze der Sozial„partnerschaft“ aber schnell erreicht und es heißt: kämpfen.