Arbeit&Wirtschaft 1/201642 Schwerpunkt O rganisation ist ein Mittel, die Kräf- te des Einzelnen zu vervielfältigen“, sagte bereits der österreichstämmige amerikanische Managementlehrer Peter Drucker. Dies haben sich die angel- sächsischen Gewerkschaftsbewegungen zu Herzen genommen und das Prinzip des „Organizing“ geschaffen. Mit diesem Aus- druck ist die Beteiligung und Mobilisierung von ArbeitnehmerInnen gemeint, um be- triebsrätliche und gewerkschaftliche Struk- turen zu stärken und infolgedessen neue Mitglieder zu gewinnen. Der Aufbau der Struktur ist dabei mit der Entwicklung ei- ner Handlungsstrategie, einer detaillierten Kampagne, eng verflochten. Die im Orga- nizing entwickelten Methoden werden in aufeinander abgestimmten Schritten zu ei- ner Kampagne mit einer strategischen Ziel- setzung zusammengefasst. Erfolgreich erprobt Ein weiteres Ziel ist auch, Belegschaftsver- tretungen in Unternehmen zu gründen, in denen bisher keine ArbeitnehmerInnen- vertretung installiert war, sowie neue Kol- lektiv- bzw. Tarifverträge zu verhandeln. In den USA und Großbritannien, aus denen das Organizing hervorgeht, konnten Ge- werkschaften mit diesem Prinzip vor allem im Dienstleistungssektor Erfolge feiern und unter schwierigen Bedingungen neue Mitglieder gewinnen. Deutsche Gewerk- schaften, allen voran die Dienstleistungs- gewerkschaft ver.di, setzten das Organi- zing-Konzept erstmals 2005 ein und ge- wannen beispielsweise in Hamburg Hunderte neue Mitglieder im Sicherheits- gewerbe. In jüngster Zeit wurden Kampa- gnen gegen Lidl und Schlecker geführt, auch in Österreich. Zur bisher am erfolg- reichsten geführten Kampagne in Deutsch- land zählt das Organizing in zwei Lager- häusern eines großen Online-Versand- händlers. Dort gelang es ver.di nicht nur, einen erfolgreichen Arbeitskampf zu füh- ren und eine Belegschaftsvertretung zu in- stallieren, sondern gleichzeitig auch, den Organisationgrad der rund 4.000 Mitar- beiterInnen um 50 Prozent zu steigern. Auch im Rahmen der SOZAK wurde das Prinzip des Organizing im Rahmen einer Projektgruppe behandelt. Dem The- ma widmeten sich Mona Badran, Martin Bramato, Petra Gege und Michael Huber ausführlich und kreierten eine eigene Homepage zu diesem Thema. Auf www. letsorganize.at erläutern die Teilneh- merInnen die Wichtigkeit des Organi- zing, stellen die verschiedensten Möglich- keiten vor, Kampagnen umzusetzen, und erklären die Vorteile von organisierten Betrieben. Das Ziel des Organizing ist eine Belegschaft in Betrieben, die sich dem Organizing anschließt und letztend- lich dem Betriebsrat im Unternehmen den Rücken stärkt, da sie selbst eine starke Kraft geworden ist. Da das Organizing Das Mach-mit-Prinzip Der Begriff des „Organizing“ ist aus dem Gewerkschaftsjargon nicht mehr wegzudenken. Was ist „Organizing“ jedoch genau und was bringt es den Betrieben? Maja Nizamov Freie Journalistin Neues aus der SOZAK © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l B U C H T I P P Brigitte Daumen (Hrsg.): Organisationsformen der Arbeit Theorie und Praxis eines Aktionsforschungs - modells am Beispiel der Sozialakademie ÖGB-Verlag, 164 Seiten, 2016, € 29,90 ISBN: 978-3-99046-190-7 Bestellung: www.arbeit-recht-soziales.at