26 Arbeit&Wirtschaft 1/2017 D ie Jagd nach Schnäppchen und Dumpingpreisen als Freizeitspaß? Die „Geiz ist geil“-Mentalität ist vorbei. Die Frage nach Qualität, Nachhaltigkeit und Produktionsbedin- gungen rückt zunehmend in den Mit- telpunkt. Fakt ist: Um ein Produkt billig anbieten zu können, muss der Hersteller irgendwo sparen. Oft passiert dies bei der Qualität – mit dem Ergebnis, dass das neue Elektrogerät schon kurz nach Ablauf der Garantie den Geist aufgibt. Oder sich bei den neuen Schuhen „made in China“ nach kurzer Zeit die Sohle löst. Oder das Billigfleisch vom Dis- counter nach Pappe schmeckt. Nachfrage nach Fairness Gerade bei Nahrung steigt die Nachfrage nach ökologischen, nachhaltigen Pro- dukten. Die Lebensmittelbranche hat in den letzten Jahren große Fortschritte in Richtung „Fairness“ gemacht. Gütesiegel wie etwa „Fairtrade“ geben Konsumen- tInnen die Sicherheit, dass bei unter die- ser Marke verkauften Bananen, Rosen oder Kaffee die beteiligten Kleinbauern- kooperativen, Plantagen und Unterneh- men die vereinbarten Grundregeln ein- halten. Diese umfassen soziale, ökologische und ökonomische Mindestanforderun- gen, um eine nachhaltige Entwicklung der Produzentenorganisationen zu ge- währleisten. Förderung von Gewerk- schaften, geregelte Arbeitszeiten, Kin- derarbeitsverbot, Förderung von Bio- Ausbau sowie Verbot von Pestizid-Ein- sätzen zählen ebenfalls dazu. Der Einfluss der KonsumentInnen ist groß, wie kürzlich die „Fairtrade“- Aktion der „Bananen Challenge – ma- chen wir aus ‚krummen Dingern‘ eine gerechte Sache“ zeigen konnte. Einen Monat lang waren KonsumentInnen aufgerufen, fair produzierte statt her- kömmliche Bananen zu kaufen. Ecua- dor, Peru und die Dominikanische Re- publik zählen zu den wichtigsten Liefe- rantenländern. Die Arbeitsbedingungen auf Bananenplantagen sind katastrophal. Flugzeuge verteilen aus ihren Pesti- zidtanks hochgiftige Chemikalien wie das in der EU verbotene Calixin. Unter- suchungen bestätigen die dramatischen Folgen für die Menschen vor Ort mit enorm hohen Krebsraten sowie Missbil- dungen bei Babys. Die Aktion war er- folgreich: Allein in Österreich wurden im Rahmen der Kampagne 9,9 Millio- nen fair produzierte Bananen verkauft. Ein Argument gegen Bio-Produkte ist oft der höhere Preis, den sich nicht alle leisten können. Doch ein Preisver- gleich zeigt, dass nicht jedes fair gehan- delte Produkt so viel mehr kostet. Bei Kaffee etwa schlägt eine fair gehandelte Marke mit nur wenigen Cent pro Tasse zu Buche. Damit ist allerdings die Le- bensgrundlage der Kaffeebauern und -bäuerinnen gesichert. Über 800.000 LandwirtInnen in 30 Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika profitieren von fairem Handel. „Fairtrade gibt den Bau- ernfamilien Hoffnung, den Kreis aus Unsicherheit und Armut zu durchbre- chen“, betont Lee Byers, Kaffee-Experte von Fairtrade International. Auch aus Umweltgründen ist rasches Handeln notwendig. Der aktuelle Be- richt des „Climate Institute“ warnt vor den Risiken des Klimawandels und des- sen Folgen für die Kaffeebohne: Bis 2050 könnte die bebaute Fläche für Kaf- fee nur noch halb so groß sein wie jetzt. Bis 2080 könnte die wilde Kaffeepflanze sogar komplett ausgestorben sein. Etikettendschungel Als KonsumentIn ist es oft schwierig, sich im Dschungel der als „fair, bio, ökolo- gisch“ etikettierten Labels zu orientieren. Die Arbeiterkammer Wien hat einen Leitfaden zur Kaufentscheidung heraus- gegeben. Mit verschiedenen Gütesiegeln werden Lebensmittel aus biologischer Landwirtschaft, Lebensmittel aus artge- rechter Tierhaltung, Lebensmittel aus fai- rem Handel sowie Produkte mit gehobe- ner Qualität gekennzeichnet. Bekannte Labels sind etwa das AMA-Gütesiegel, das EU-Biosiegel, Landliebe, Gradwohl, Ja! Natürlich, um nur einige Kennzeich- nungen zu nennen. Vor allem die Herkunft der Lebens- mittel spielt bei der Kaufentscheidung eine große Rolle. Verwirrend dabei ist, dass ein Etikett wie „Hergestellt in Ös- terreich“ noch nichts über den Ursprung der Rohstoffe aussagt. Mit Gütezeichen und -siegeln will die AK nun bei den Kaufentscheidungen helfen. Um als Bio- Lebensmittel gekennzeichnet werden zu dürfen, sollten mindestens 95 Prozent der verwendeten Zutaten aus biologi- scher Landwirtschaft stammen, nur fünf Prozent konventionelle Zutaten sind er- laubt. Irene Mayer-Kilani Freie Journalistin © M ar ee n Fi sc hi ng er / W es te nd 61 / pi ct ur ed es k. co m Mit dem Einkauf die Welt verbessern Fairer Handel: Woran erkennt man fair produzierte Angebote? Wo gibt es Mängel? A&W hat sich bei Lebensmitteln und Schuhen umgesehen.