40 Arbeit&Wirtschaft 3/2017 Warum sollen die Mindestlöhne erhöht werden? Jede Arbeit muss 10 Euro in der Stun- de wert sein! Mindestlöhne sind nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine mo- ralische Frage. Wir finden: Mit Vollzeit- arbeit muss man auch genug zum Leben verdienen. Jede Arbeit muss uns min- destens 10 Euro in der Stunde wert sein. Das bedeutet bei Vollzeitbeschäftigung 1.700 Euro brutto im Monat. Der ÖGB fordert höhere Mindestlöh- ne. Und was ist mit den Gehältern? Mehr für alle ArbeitnehmerInnen! ArbeiterInnen beziehen Löhne, An- gestellte Gehälter. In bestimmten Zu- sammenhängen (Lohnpolitik, Lohn- runden ...) hat sich aber der „Lohn“ als Namensgeber durchgesetzt, zum Bei- spiel eben auch in der politischen Dis- kussion um den Mindestlohn. Wenn der ÖGB also „1.700 Euro Mindest- lohn“ sagt, ist immer auch „1.700 Euro Mindestgehalt“ gemeint. Was bedeutet „Mindestlohn“? Es gibt viele Mindestlöhne Der Begriff „Mindestlohn“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch für ver- schiedene Dinge verwendet. Einerseits ist mit Mindestlohn in der politischen Diskussion jener Betrag gemeint, den jede Vollzeitarbeit mindestens wert sein muss. Es ist also der Lohn, den zu unter- schreiten unmoralisch wäre und der da- her verhindert werden muss. Vor allem in Deutschland wird dafür manchmal auch der Begriff „Lohnuntergrenze“ ver- wendet. Auf der anderen Seite gibt es in den Kollektivverträgen unterschiedliche Mindestlöhne für die Beschäftigten in den unterschiedlichen Verwendungs- gruppen. Was ist mit 1.700 Euro Mindestlohn gemeint? 1.700 Euro brutto pro Monat 14-mal im Jahr für Vollzeitarbeit Mit 1.700 Euro sind 1.700 Euro brutto Monatslohn/-gehalt für Vollzeit- arbeit gemeint, also für die gesetzliche bzw. kollektivvertragliche Normalar- beitszeit. Diese liegt bei 40 Wochen- stunden bzw. darunter, oft sind es 38,5 Stunden. Ausbezahlt wird 14-mal im Jahr, darin enthalten sind also Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Überstunden, Zu- lagen, Zuschläge, Diäten usw. dürfen nicht eingerechnet werden. Und was ist mit den Teilzeit- beschäftigten? Auch Teilzeitbeschäftigte profitieren Von höheren Vollzeit-Mindestlöh- nen profitieren natürlich auch Teilzeit- beschäftigte, die gerade in Niedriglohn- branchen häufig anzutreffen sind. Denn steigende Monatslöhne bedeuten auch steigende Stundenlöhne. Notwendig sind aber auch bessere Rahmenbedin- gungen für den Wechsel auf Voll - zeit-Erwerbstätigkeit, denn prekäre Be- schäftigung und Teilzeit sind Hauptur- sachen für Erwerbsarmut und lang - fristig durch niedrige Pensionen auch für Altersarmut. Was bedeutet das für den Stundenlohn? 1.700 Euro brutto pro Monat entspre- chen etwa 10 Euro pro Stunde Der exakte Stundenlohn, der sich aus 1.700 Euro brutto im Monat ergibt, hängt vom Wochenstundenausmaß laut jeweiligem Kollektivvertrag ab. Bei 40 Wochenstunden macht der Stunden- lohn 9,80 Euro brutto aus, bei 38,5 Stunden 10,18 Euro. Warum verhandelt der ÖGB nicht gleich einen Netto-Mindestlohn? Netto-Mindestlohn brächte Gefahren mit sich Immer wieder heißt es: „Warum for- dert der ÖGB einen Brutto-Mindest- lohn und nicht einen bestimmten Net- to-Betrag? Immerhin wissen die meis- ten ArbeitnehmerInnen ja eher, was sie jeden Monat netto herausbekommen, und nicht, auf welchem Bruttolohn das beruht. Schließlich müssten sie ja auch mit dem Nettolohn Miete zahlen und einkaufen gehen.“ Nun, das hätte zwar tatsächlich praktische Vorteile, würde Florian Kräftner ÖGB Kommunikation Wer fragt, kriegt Antworten Das sind einige der Fragen, die dem ÖGB in letzter Zeit häufig gestellt werden, im echten Leben und in den sozialen Medien.