Schulreferent der Metallarbeiter-Jugend, er hatte schwer krank und auf einem Auge blind die Gestapo-Haft überlebt. Der spätere Wiener Bürgermeister leitete von 1945 bis 1946 das Wohnbauressort. Der aus dem Exil zurück- gekehrte ehemalige Vorsitzende der Bau ar- beitergewerkschaft Franz Novy wiederum war 1946 bis zu seinem Tod 1949 Stadtrat für Bauangelegenheiten. Parallel zum Wegräumen der Schuttmassen erreichte die Stadtverwaltung, dass 2.379 unbenutzte Wohnungen bis zum Winter 1945/46 wieder nutzbar waren und 7.380 Wohnungen stabilisiert werden konnten. 1946 begann dann die Neubautätigkeit, zunächst mit der Fertigstellung von vor dem Krieg be- gonnenen Bauten, zumeist von Siedlungs- häusern, dann aber schon mit dem Bau kleiner Wohnanlagen in mehreren Bezirken. In grö- ßerem Maßstab setzte die Bautätigkeit erst 1947 ein, weil erst da das Problem des Materialmangels entschärft werden konnte: Schweden entwickelte für Wien eigene Ma- schinenkombinationen, die aus Schutt Ziegel pressen konnten. Als Dank für diese Hilfe wurde die erste, 1951 fertiggestellte große Wohnhausanlage der Nachkriegszeit nach dem Leiter der Schwe- den hilfe „Per-Albin-Hansson-Siedlung“ ge- nannt. Sie um fasste mehr als 1.000 Klein- wohnungen und Gemeinschafts ein richtungen wie Kin der garten, Schule, Volks heim und Ge- schäfte und knüpfte damit an das Wohn- baukonzept des roten Wien an. Man wollte aber dabei nicht stehen bleiben, sondern den sozialen Wohn bau entsprechend neuen Be- dürfnissen wei ter entwickeln. Das gelang spä- ter immer wieder, aber nicht immer. Am Ende des Zweiten Weltkriegs lagen viele Städte Europas in Trümmern. Österreichs Städte bildeten keine Ausnahme, besonders betroffen waren neben Wien zum Beispiel Wiener Neustadt, Villach und Linz. In Wien waren 36.851 Wohnungen ganz und 50.024 teilweise zerstört. Es gab keine brauchbaren Verkehrswege und Verkehrsmittel mehr, und auch das Telefon funktionierte kaum. Die ersten demokratischen Stadtverwaltungen der Republik standen vor gigantischen Auf- gaben. Vor allem brauchten die Menschen ein Dach über dem Kopf, Straßen mussten vom Schutt befreit werden, um ein normales Leben wieder in Gang zu bringen. In Wien wurde am 18. April 1945 die erste provisorische Stadtverwaltung nach der Niederlage des Faschismus bestellt. Schon am 19. April unterzeichnete Bürgermeister Theodor Körner eine Verordnung über Wohn- raumbewirtschaftung, die vor allem auch festlegte, dass nur das Wohnungsamt Wohnungen vergeben dürfte. Es war die erste amtliche Verordnung der Zweiten Republik, und sie wurde dringend gebraucht. Denn einerseits suchten Zehntausende eine Un- ter kunft, andererseits standen Tausende Woh nun gen leer. Ihre ehemaligen Be woh- nerInnen waren als AnhängerInnen des National sozialismus oder einfach aus Angst vor den Bomben nach Westen geflohen – und es wäre unverantwortlich gewesen, ihre Ver- gabe dem „freien Spiel der Kräfte“ zu über- lassen. Zwei Gewerkschafter spielten als Mitglieder der Stadtregierung in der ersten Phase des Wiener Wiederaufbaus eine entscheidende Rolle. Felix Slavik war in der Ersten Republik Aufbauen heißt Bessermachen Wiens Bürgermeister Theodor Körner betonte 1946, dass die Wohnraumbeschaffung nach dem Krieg mehr sein musste als eine Notlösung. Ausgewählt und kommentiert von Brigitte Pellar brigitte.pellar@aon.at 4 Arbeit&Wirtschaft 4/2017 HI ST OR IE M ic ha el K ra ne wi tte r, W ik im ed ia C om m on s, C C- by -s a 4. 0 An der Fassade des Franz-Novy-Hofs in Wien verweist ein Mosaik des Künstlers Otto Rudolf Schatz darauf, dass hier die hundert tau- sendste Gemeindewohnung errichtet wurde. Es zeigt viele der beteiligten ArchitektInnen mit Modellen der von ihnen geplanten Wohnhausanlagen.