10 Arbeit&Wirtschaft 6/2017 chen Lebenseinkommens. Deshalb ist der Pensionsanspruch nach einer „nor­ malen Arbeitskarriere“ in Österreich noch immer relativ hoch – etwa im Ver­ gleich zu Deutschland –, und zwar ob­ wohl die Reformen vor etwa zehn Jah­ ren die Pensionen de facto gekürzt ha­ ben. Anders aber ist die Situation von Menschen, die eine atypische Arbeits­ karriere hinter sich haben. Finden sich nämlich einige Teilzeitjahre in diesen 45 Versicherungsjahren, kann das zu Prob­ lemen beim Pensionseinkommen füh­ ren. Ebenso sind viele Erwerbskarrieren der Jüngeren oft mit Erwerbsunterbre­ chungen verbunden – entweder, weil jemand seinen Arbeitsplatz verliert, für die Weiterbildung eine Auszeit nimmt oder wegen der Kinder zu Hause bleibt. Unsoziales 4.0 Auch die Zahl der (oft unfreiwilligen) Selbstständigen wächst weiter. Die Ursa­ chen sind allerdings nicht im Sozialver­ sicherungssystem zu finden, sondern in gesellschaftlichen Veränderungen. „In den vergangenen Jahren gab es einen Wandel, etwa das Überhandnehmen von kurzfristigen Praktika, Crowdworking oder Clickworking – prekäre, zum Teil scheinselbstständige Beschäftigungsver­ hältnisse“, erklärt Marc Pointecker. Bei der sogenannten Arbeit 4.0 werden Rech­ te, die anderswo schon längst erkämpft wurden, infrage gestellt. „Wir müssen schauen, wie die Menschen besser abge­ sichert werden können. Ein Beispiel, das in die richtige Richtung zeigt, ist etwa die erfolgte Einbeziehung der freien Dienst­ nehmerInnen in die Sozialversicherung.“ Es ist eine Herausforderung, die sich nicht nur Österreich stellt, sondern viel­ mehr der gesamten EU. Eine andere Herausforderung für den österreichischen Wohlfahrtsstaat sind neoliberale Diskurse. In diesem Ansatz stehen Marktaktivitäten im Vor­ dergrund, nur im Notfall soll es mone­ täre Transfers geben, wobei sehr genau geprüft werden soll, ob die Betroffenen auch wirklich einen Bedarf danach ha­ ben. Ziel ist es, die Menschen eigenver­ antwortlich handeln zu lassen. Was da­ bei aber völlig übersehen wird, ist, ob die Rahmenbedingungen auch tatsäch­ lich ein entsprechendes Handeln er­ möglichen. „Poor services for poor peo­ ple“, fasst Adi Buxbaum die Folge zu­ sammen: „Es kommt häufig zu Bedarfs­ prüfungen, denn der Staat möchte ja nicht zu großzügig sein. Der Markt wird es schon richten, und bloß nicht zu sehr helfen, denn sonst gäbe es Fehlanreize.“ Eine Argumentationslinie laute entspre­ chend: Menschen sollten wenig Arbeits­ losengeld erhalten, damit sie rascher in den Arbeitsmarkt zurückkehren. Ob sie auf dem entsprechenden Arbeitsmarkt überhaupt eine Chance haben, einen Job zu finden – etwa weil die Arbeitslo­ sigkeit hoch ist –, spielt in diesem Zu­ gang keine Rolle. Insbesondere in Großbritannien und Irland hat sich dieser Zugang etab­ liert. Zumindest in der politischen Dis­ kussion hat er auch in Österreich seine Spuren hinterlassen. „Wenn die OECD eine Publikation vorstellt und erwähnt, dass Österreich einen hohen Anteil an Sozialausgaben bei den Staatsausgaben hat, wird es in unserem Diskurs negativ gesehen“, weiß Christine Mayrhuber. „Dabei kann es durchaus positiv und nicht als Belastung gesehen werden, wenn dem Staat die soziale Absiche­ rung etwas wert ist.“ Auch der Zusam­ menhang zwischen Sozialstaat und Wirtschaftsstandort wird meist negativ dargestellt. „Bis jetzt wird das immer als Konkurrenzverhältnis gesehen. Doch wir sehen, dass es massiv komplemen­ tär ist“, berichtigt Adi Buxbaum. „Es braucht den Dreischritt: eine hohe Abgabenquote, die eine hohe Staats­ aktivität ermöglicht und eine hohe Pro­ duktivität bewirkt. Etwa durch Bil­ dungs investitionen, Aufwendungen in die öffentliche Infrastruktur oder durch Technologieförderung.“ Viel Motivation, wenig Möglichkeiten Auf der anderen Seite reicht der soziale Wille allein nur wenig. „In Österreich gibt es den Trend, starke soziale Anreize zu setzen, ohne die reale Grundlage des Arbeitsmarkts mitzugestalten“, kritisiert WIFO­Expertin Mayrhuber. „Man setzt auf finanzielle Motivation, ohne zu schauen, ob die reale Situation gegeben ist, dass diese Anreize überhaupt wahrge­ nommen werden können. Ist denn der Arbeitsmarkt für Ältere vorhanden?“ In anderen Ländern würden Firmen in die Pensionsreform eingebunden. Es werde überlegt, was verändert werden kann, damit die Menschen länger im Staatliche Zurückhaltung: Neoliberale Ansätze verlagern das Risiko immer stärker in das Private. Der Markt wird es schon richten, egal, ob es um Pensionsvorsorge oder Arbeitslosigkeit geht. BürgerInnen sollen wenig Arbeitslosengeld erhalten, damit sie rascher in den Arbeitsmarkt zurückkehren. Ob sie dort überhaupt noch Chancen haben, spielt in neoliberalen Plänen kaum eine Rolle. Eine coole Box: 1. Sozialstaat-Mythen oder sowas, 2. Oder die 10 wichtigsten Zahlen zum Sozialstaat. 3. em quas nossimus est ulla dolupta vo- loreicimus seceped min porro in po 4. rume et es aut opta volorem porisciam incium laut harunt quostru ptaqui in 5. platur? Quias des suntur re veneste di- ate rere, aut fugia adisciet a dios ni- scianditam voluptam lacerferio even 6. diti tem dolupta ssitatur sum id que vo- lutet, occus essimag natur? 7. Ectotatur? Quis ius dolores re lauda voluptates eicaes andae nus. 8. Aperatu ritaerio vellanis a explaborit, sum que quossim et eatemporis re pa- rumquis nesequas doles 9. accabor ad qui nus, nos restiatur adi- tium ut eos voloribusa nihil moluptur? 10. 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