36 Arbeit&Wirtschaft 6/2017 D ie österreichische Sozialversiche­ rung bildet den Kern des Sozial­ staats. Nicht nur das: Nahezu jeder Mensch in Österreich profitiert an dem einen oder anderen Punkt von ihren Leistungen. Im Grunde wirkt der Sozial­ staat sogar schon vor der eigenen Geburt, so diese denn hierzulande stattfindet: Schon die werdende Mutter kommt in den Genuss von Vorsorgeleistungen. Wird man krank, hat einen Arbeitsunfall oder bekommt eine Berufskrankheit, stirbt gar ein Angehöriger oder eine Angehörige – alle diese Risken und viele mehr sind abgesichert. All das kostet natürlich viel Geld. In konkreten Zahlen ausgedrückt: Pro Jahr finanziert die Sozialversicherung Sach­ und Geldleistungen in einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro. Das ent­ spricht 78 Prozent des Bundesbudgets bzw. 17 Prozent des BIP (jährliche öster­ reichische Wertschöpfung). Das ist viel Geld, keine Frage. Und natürlich ein Auf­ trag, sorgsam mit den Mitteln umzuge­ hen, die letztlich von der Allgemeinheit aufgebracht werden. Zu einfache Annahme Oft wird behauptet, die Sozialversicherung sei ineffizient, weil es in Österreich 21 ver­ schiedene Sozialversicherungsträger gibt. Damit sind die Gebietskrankenkassen und die Kranken­, Pensions­ und Unfallversi­ cherungen gemeint. Aber die dahinterste­ hende Annahme, dass ein System umso ef­ fizienter ist, je weniger Träger es hat, ist doch etwas zu einfach. Betrachtet man etwa den viel bemühten Verwaltungsaufwand, so ist dieser in der Sozialversicherung gering: Von den Einnahmen werden nur 2 Prozent dafür benötigt. Dieser Anteil ist sogar zurückgegangen, im Jahr 1995 lag er noch bei 2,9 Prozent. Im internationalen Vergleich sind die Verwaltungskosten im unteren Bereich angesiedelt, und zwar selbst dann, wenn man berücksichtigt, dass die Verwaltungskosten nicht überall gleich be­ rechnet werden. Vergleiche mit anderen Ländern zeigen: Die Reduktion der Zahl der Krankenkassen allein brachte keinen Rückgang des Verwaltungsaufwandes. In Deutschland und der Schweiz etwa sind die Verwaltungskosten trotz zahlreicher Fusionen nicht gesunken. Was auf den ersten Blick erstaunlich wirkt, wird bei genauerer Überlegung nachvollziehbar: Größere Einheiten sind nicht automatisch günstiger. So machten die Verwaltungskosten in der verpflichten­ den Krankenversicherung in Österreich David Mum Im Kabinett des Bundesministers für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz für den Bereich „Soziales“ zuständig Weil sie Zukunft hat Zentrale Fragen in der Sozialversicherung sind der gleiche Zugang zu Leistungen und eine Sicherung der Versorgungsqualität – und nicht die Anzahl der Krankenkassen. © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l Die verschiedenen Sozialversicherungs- träger werden gerne zum Problem gemacht. Dabei sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, liegen doch die wahren Probleme woanders.