45Arbeit&Wirtschaft 6/2017 ÖGB-Frauen: Einkommensschere wird zur Pensionsfalle Renate Anderl: Lohntransparenzgesetz und Anrechnung der Elternkarenzen deshalb dringend notwendig. GPA-djp: Mehr für Teilzeitarbeitende Auszahlung des Zuschlages von 50 Prozent bereits ab der ersten Mehrarbeitsstunde. „Frauen bekommen unglaubliche 43 Pro­ zent weniger Pension als Männer. Der Grund dafür ist offensichtlich und allseits bekannt: Frauen verdienen weniger als Männer, arbeiten oft in Teilzeit und er­ ledigen den Großteil der unbezahlten Arbeit, wie Kindererziehung und Pflege von Angehörigen“, sagte Renate Anderl, ÖGB­Vizepräsidentin und Frauenvorsit­ zende, anlässlich des Equal Pension Day am 26. Juli 2017. An diesem Tag haben Männer bereits so viel Pension erhalten, wie Frauen erst bis Jahresende beziehen werden. Im Vergleich zu 2016 hat sich kaum etwas verbessert, in Kärnten, Salz­ burg und Tirol hat sich die Lücke sogar noch ein wenig weiter geöffnet. In der Pension spiegelt sich somit wider, dass es immer noch große Unter­ schiede und Ungleichheiten zwischen männlichen und weiblichen Erwerbs­ leben gibt. So können Männer laut Zah­ len des Österreichischen Städtebunds mit jährlich durchschnittlich 25.901 Euro Pension rechnen, Frauen lediglich mit 14.796 Euro. Das ist ein Unter­ schied von immerhin rund 10.000 Euro, die Frauen durchschnittlich weniger an Pension erhalten als Männer. „Frauen­ pensionen können nur dann steigen, wenn die Arbeitsbedingungen verbessert werden und Frauen die gleichen Chan­ cen am Arbeitsmarkt vorfinden.“ Das Angebot an Kinderbildungsein­ richtungen müsse – besonders am Land – dringend ausgebaut werden, damit Mütter überhaupt die Möglichkeit be­ kommen, ihre Arbeitsstunden aufzusto­ cken oder gar in Vollzeit zu arbeiten. „Niedrige Einkommen führen zu gerin­ gen Pensionen und tragen dazu bei, dass deutlich mehr Frauen von Altersarmut betroffen sind als Männer. Die Einkom­ mensschere wird für Frauen also zur Pensionsfalle.“ Für mehr Gleichstellung wäre aus Sicht der ÖGB­Frauen auch die volle gesetzliche Anrechnung der El­ ternkarenzen, die die ÖGB­Frauen seit Jahren fordern, eine notwendige Maß­ nahme, die rasch umgesetzt werden muss, genauso wie die Einführung eines Lohntransparenzgesetzes. „Die innerbe­ triebliche Offenlegung aller Gehälter würde Arbeitnehmerinnen nicht nur helfen, am Verhandlungstisch besser zu argumentieren, sondern auch die Ein­ kommensunterschiede zu reduzieren“, betont die ÖGB­Vizepräsidentin. Studie „Frauen und Pensionen“: tinyurl.com/y8xczm7s „Jede Statistik beweist es: Immer mehr Vollzeitstellen werden durch Teilzeit­ arbeitsplätze ersetzt, davon sind vor allem Frauen betroffen. Vielleicht nicht alle, aber viele von ihnen würden lieber in Vollzeit arbeiten. Teilzeit bedeutet weniger Gehalt und damit weniger Pension“, erklärt Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GPA­djp. Eine der Optionen, um Altersarmut bei Frauen zu verhindern, die lange in Teilzeit be­ schäftigt waren, sei die Verdoppelung des Mehrstundenzuschlags auf 50 Pro­ zent, wie dies Frauenministerin Pamela Rendi­Wagner in die Diskussion einge­ bracht hat. GPA­djp­Bundesfrauenvorsitzende Ilse Fetik ergänzt: „Wir müssen aber auch der Tatsache ins Auge blicken, dass viele Teilzeitbeschäftigte nicht einmal den derzeit gesetzlich vorgesehenen Zu­ schlag von 25 Prozent erhalten, da es einen Durchrechnungszeitraum von mehreren Monaten gibt und statt des Geldzuschlages oft auch dann Zeit­ ausgleich anfällt, wenn MitarbeiterIn­ nen lieber die Auszahlung haben wol­ len.“ Von der Tatsache, dass rund ein Viertel der geleisteten Überstunden in Österreich nicht bezahlt werden, seien Teilzeitbeschäftigte besonders betroffen. „Daher ist neben einer Erhöhung des Zuschlages auch die Auszahlung ab der ersten geleisteten Überstunde essenzi­ ell“, so Fetik. Für eine Verkäuferin mit einem Ar­ beitsvertrag über 20 Wochenstunden, die tatsächlich aber regelmäßig 30 Wo­ chenstunden arbeitet, würde die An­ gleichung auf den Überstundenzuschlag ein Gehaltsplus von circa 17 Prozent bedeuten, erklärt Katzian: „Dieses reale Beispiel aus einer Branche, in der 63 Prozent der 400.000 Angestellten Frauen sind, beweist die Richtigkeit der Forderung eindrucksvoll. Aber auch abseits des Handels ist der Handlungsbedarf mit einer Teilzeit­ quote von 48 Prozent für alle Branchen in Österreich groß – jede zweite dieser Beschäftigten würde mit der Verdop­ pelung des Überstundenzuschlags ge­ winnen!“ 80 Prozent der knapp 1,1 Millionen Teilzeitbeschäftigten in Österreich sind Frauen. Teilzeitbeschäftigung reduziert das Einkommen und senkt damit auch die Pensionshöhe. Frauen sind somit stärker von Altersarmut bedroht. „Die Erhöhung der Einkommen der Teilzeit­ beschäftigten durch eine Abgeltung der Mehrarbeitsleistung ist ein wichtiger Baustein, um die Einkommenssituation von Frauen zu verbessern“, so Fetik. GPA­djp zu Gleichstellung: tinyurl.com/y8xtbbzz Aus AK und Gewerkschaften