12 Arbeit&Wirtschaft 1/2018 D ie Betriebsratsarbeit ist geprägt durch eine große Themenvielfalt, was sie komplex und spannend macht. In kleineren Unterneh- men ohne freigestellte KollegInnen kom- men dazu meist noch Zeitdruck und Stress durch die fachliche Tätigkeit. In der Regel erfordert es viel Engagement, Frustrationstoleranz und Durchhaltever- mögen (sowie idealerweise die Unterstüt- zung der KollegInnen), um Forderungen durchzusetzen. Michael Bauer ist Zent- ralbetriebsratsvorsitzender der Wiener Li- nien. Als Reaktion auf Umstrukturierun- gen und Liberalisierungen wurde 2012 ein eigener Verein gegründet, um weiter- hin gemeinsam für die rund 10.000 Be- schäftigten von Wiener Stadtwerke GmbH, Wiener Linien und Bestattung Wien tätig sein zu können. Gesundheitstage Aktuell gibt es zahlreiche Angebote und Vergünstigungen, etwa einen Kleinbus- Verleih für die Beschäftigten, Urlaubszu- schüsse, Einkommenszuschüsse für Lehr- linge oder zu Gesundenuntersuchungen sowie Impfaktionen. Seit 2016 gibt es auch die Gesundheitstage. Diese beste- hen aus drei Modulen mit jeweils zwei Tagen Aufenthalt in einer Therme. „Hier gab es vor allem langwierige Verhandlun- gen zur Finanzierung der erforderlichen Urlaubstage“, erzählt Michael Bauer. „Letztendlich wurde beschlossen, dass die Beschäftigten für ein Modul zwei Tage Urlaub nehmen müssen, zwei Tage wer- den vom Arbeitgeber bezahlt und das dritte Modul wird halbe-halbe finan- ziert.“ Das Angebot der Gesundheitstage wird von ca. 500 Beschäftigten jährlich in Anspruch genommen. Michael Bauers Motto für seine Be- triebsratsarbeit: „Aufmerksam zuhören, was die KollegInnen sich wünschen, um nicht an der Belegschaft vorbei zu ver- handeln. Sobald die Geschäftsführung dann überzeugt werden kann, dass von den geforderten Veränderungen beide Seiten profitieren werden, entsteht eine echte Win-win-Situation.“ Betriebsrats-App Ein großes Thema sind freilich Kommu- nikation mit und die Information der KollegInnen. Andreas Brich ist Betriebs- ratsvorsitzender bei der BMW Motoren GmbH. „An sich nutzen meine Betriebs- ratskollegInnen und ich schon längere Zeit mehrere Kommunikationskanäle wie beispielsweise unsere Betriebsratszei- tung, Facebook und Intranet“, erzählt er. „Doch unseren SMS-Newsletter fanden wir Ende 2016 etwas langweilig bezie- hungsweise altbacken. Wir wollten aber nicht einfach nur eine WhatsApp-Grup- pe gründen.“ So ist relativ bald die Idee entstanden, gleich eine App für den Ar- beiterbetriebsrat erstellen zu lassen. Für die Partnersuche vor der Umset- zung hat sich das Team rund sechs Mo- nate Zeit genommen. Denn es sollte nicht nur kostengünstig sein, der Be- triebsrat wollte auch vermeiden, wo- möglich ein Unternehmen zu wählen, das nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwunden ist. Schließlich entschied man sich für das Baukasten-System von AppYourself. Die App „BMW – Be- triebsrat Steyr“ wurde sehr gut ange- nommen, von den insgesamt 4.500 Be- schäftigten haben sie bisher rund 1.600 heruntergeladen. Die Inhalte werden laufend erweitert: News – von Betriebs- vereinbarungen bis zur Schimeister- schaft, Kontaktmöglichkeiten zu den BetriebsrätInnen, aber auch allgemeine Infos von AK und ÖGB. Die App ist frei zugänglich, kann also nicht nur von BMW-MitarbeiterIn- nen genutzt werden. „Das bedeutet na- türlich, dass wir aufpassen müssen, was wir dort kommunizieren. Aber das wur- de so gelöst, dass wir etwa bei einer neu- en Betriebsvereinbarung im dazugehöri- gen Newsfeed nur Basisinfos bringen, ergänzt mit dem Hinweis ‚Nähere Infos bei deinem BR‘.“ Andreas Brichs Tipp für alle, die jetzt auf den Geschmack ge- kommen sind: „Für eine App muss man kein EDV-Profi sein. Wichtig ist, dass man sich über die Inhalte klar ist.“ Datenschutz Kommunikation ist zentral, damit eng verbunden ist heutzutage der Daten- schutz. Bewusstsein für die Notwendig- keit, auch die Daten in der Betriebsrats- arbeit entsprechend der Datenschutz- Grundverordnung (DSGVO) zu regeln, ist im Betriebsrat der BAWAG P.S.K. schon Anfang 2017 entstanden, erzählt Verena Spitz, stellvertretende Vorsitzende des Zentralbetriebsrats BAWAG P.S.K. Denn die GPA-djp, besonders die Abteilung Arbeit und Technik, hatte im Vorfeld be- Astrid Fadler Freie Journalistin Geschafft! Zuhören, diskutieren, verhandeln, organisieren, Reden halten und wieder zuhören, diskutieren: Das ist der Alltag von BetriebsrätInnen.