Arbeit&Wirtschaft 10/2018 5 Auf, auf zur Wahl! N och kaum eine österreichische Re- gierung hat so klar erkennen las- sen, dass sie den Wünschen der Wirtschaft uneingeschränkt nach- kommen möchte, wie es bei Türkis-Blau der Fall ist. Auch hat noch keine so klar durchscheinen lassen, dass sie dafür auch bereit ist, eine Politik auf Kosten von Be- schäftigten, sozial Schwachen und Armen zu machen. Ob 12-Stunden-Tag, Kürzungen der Mindestsicherung oder der geplante Umbau der Arbeitslosenversicherung in Richtung Hartz IV: Hier kommen Men- schen in Bedrängnis, die ohnehin schon einen schweren Stand haben. All diese Menschen brauchen umso mehr die Ar- beiterkammer als starke Stimme, damit dieser Politik etwas entgegengehalten wird. Bloß fällt dies nicht vom Himmel. Vielmehr kann die Kammer nur so stark sein, wie ihre Mitglieder sie machen. Insofern sind die bevorstehenden AK-Wahlen umso bedeutender. Denn hier haben die Mitglieder die Möglich- keit, ihrer Vertretung Rückenwind zu verleihen. Dies ist umso wichtiger, als die AK selbst zur Zielscheibe der Regie- rung geworden ist. Dass dem so ist, ist nur wenig überraschend. Denn natür- lich ist es unbequem, wenn die eigene Schönrednerei als solche enttarnt wird. Natürlich ist es unbequem, wenn es eine Institution gibt, die immer wieder ihre Finger in jene Wunden legt, von denen die Regierung so gerne ablenken möchte – allen voran die Ungleichheit in der Gesellschaft in ihren vielfältigen For- men, die von der Regierung nun sogar noch weiter verschärft wird. Interessant ist letztlich auch, dass es immer nur der Arbeiterkammer an den Kragen gehen soll. Immerhin hat Österreich mehr als zehn vergleichbare Interessenvertretun- gen. Bloß ist die AK die einzige, die sich lautstark und vor allem klar auf die Seite der sozial Schwachen stellt. Die AK als starke Partnerin Jene AK-Mitglieder, die schon einmal ei- ne Leistung in Anspruch genommen ha- ben, wissen, welche verlässliche und star- ke Partnerin sie in ihrer Interessenvertre- tung haben. Nicht umsonst hat die AK geradezu unvorstellbar gute Imagewerte, und auch ihre Leistungen werden von den Mitgliedern regelmäßig sehr positiv be- wertet. Denn ob bei Konflikten mit Ar- beitgebern, bei Problemen in der Arbeits- losigkeit, in Fragen von Karenz, in Steu- erfragen oder auch beim Einkauf: Die ExpertInnen der AK setzen sich für die Menschen ein. Auch bei Gesetzesvorhaben der Re- gierung können sich die Mitglieder dar- auf verlassen, dass die AK die Interessen von ArbeitnehmerInnen und sozial Schwachen mit einbringt. Im Übrigen hat die AK das Recht, Gesetze zu begut- achten, es handelt sich um keine Anma- ßung, wie dies bisweilen unterstellt wird. Nicht zuletzt ringen die AK-Mit- arbeiterInnen auch mit den anderen So- zialpartnern um gute Lösungen. Sozialpartnerschaft: Man möge doch bitte diesen Begri aus dem Wortschatz streichen. Mit diesen Worten lässt Poli- tikwissenschafter Ferdinand Karlhofer im „A&W“-Gespräch aufhorchen. Seine Begründung hat sehr viel für sich. Er plädiert dafür, den Begri Verbändebe- ziehungen zu verwenden. Denn das Wort beschreibe letztlich die Beziehun- gen zwischen den Verbänden von Ar- beitnehmerInnen und Arbeitgebern in ihrem Verhältnis zur Regierung. In der Tat behübscht der Begri eher, als dass er eine Realität beschreibt. Denn auch wenn man es Partnerschaft nennt, so geht es in Wahrheit darum, einen Aus- gleich zwischen den Interessen von Ar- beitnehmerInnen und Arbeitgebern zu nden – und hier besteht ein Machtge- fälle zu Ungunsten der Beschäftigten. Denn auch wenn dieser Ausgleich am viel zitierten grünen Tisch verhandelt wird, so ist und bleibt dieser Prozess doch eines: ein Konikt, für den eine Lösung gefunden wird. Und je größer die Unterstützung ist, die die Arbeiterkammer durch ihre Mit- glieder erfährt, desto stärker kann sie hier auch auftreten. Im kommenden Jahr ha- ben die Mitglieder wieder die Möglich- keit, der AK diesen Rückhalt zu geben und sie zu stärken. Von daher: Auf, auf zur Wahl, liebe Leute! Standpunkt Sonja Fercher Chefin vom Dienst Arbeit&Wirtschaft