27Arbeit&Wirtschaft 10/2018 Die Gewerkschaften, in denen im- merhin knapp über 1,2 Millionen Men- schen organisiert sind, führen wie be- reits erwähnt die KV-Verhandlungen. Hier werden, gemeinsam mit Vertre- terInnen aus den Betriebsräten, die Eck- punkte gültiger Arbeitsbedingungen verhandelt. Auch das 13. und 14. Mo- natsgehalt gibt es nicht per Gesetz, son- dern aufgrund des gewerkschaftlichen Einsatzes. Kollektivverträge regeln au- ßerdem Urlaubszeiten, Gehaltstabellen und Gehaltssprünge sowie neben der Normalarbeitszeit auch die Überstun- den und Zuschläge für Nacht- oder Sonntagsarbeit. Die Warnstreiks der MetallerInnen und der SozialarbeiterIn- nen im Jahr 2018 wurden von Fachge- werkschaften des ÖGB organisiert. Im Sommer mobilisierte der ÖGB 100.000 Beschäftigte und deren Familienange- hörige zu einer Großdemonstration gegen den 12-Stunden-Tag. Gewerk- schaften melden sich zu Wort, wenn die Interessen arbeitender Menschen durch die Regierung oder ArbeitgeberInnen angegrien werden. Die Ermöglichung des 12-Stunden-Tages durch die Bun- desregierung dient auch der Untergra- bung der gewerkschaft lichen Position. Dadurch wird der gewerk schaftliche Alltag konfrontativer, als in Österreich bislang üblich. Das spiegelt sich auch quer durch die Branchen in den heuri- gen Lohnrunden wider. Sprachrohr am Arbeitsplatz Der Betriebsrat wiederum ist jene Struk- tur, die diese neue konfrontative Atmo- sphäre am ehesten spürt. Das Arbeits- verfassungsgesetz sieht für jeden Betrieb mit mindestens fünf MitarbeiterInnen einen Betriebsrat vor. Und doch wird dieses Grundrecht von immer mehr Be- trieben umgangen. In vergangenen Jah- ren verhinderten verschiedene Unter- nehmen in Österreich Betriebsratsgrün- dungen – unter anderem der private Fernsehsender Servus TV und die Ein- zelhandelskette Müller. Problem atypische Beschäftigung Auch in anderer Hinsicht sind Betriebs- räte zunehmend gefordert. Immer mehr Unternehmen setzen auf undurchsichti- ge Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit, Befristungen und Werkverträge. Hier müssen die drei Räder der österreichi- schen ArbeiterInnenbewegung ineinan- dergreifen, indem die Arbeiterkammer Aufklärungs- und Recherchearbeit leis- tet, die Gewerkschaften Kampagnen für gute Arbeitsbedingungen starten und Betriebsräte ihre Belegschaften vertre- ten, einbinden und mobilisieren. Nicht zuletzt sitzen BetriebsrätIn- nen auch in den Verhandlungsgremien für Kollektivverträge. Daneben dienen Betriebsratsmitglieder als direkte An- sprechpartnerInnen im Betrieb. Sie werden von der Belegschaft in gehei- mer Abstimmung direkt gewählt. Ab einer gewissen Größe der Betriebe sind die Betriebsratsvorsitzenden von der normalen Lohnarbeit freigestellt. Diese Maßnahme soll Zeit schaen, damit sie die KollegInnen bei ArbeitnehmerIn- nenschutz, Karenz oder drohenden Kündigungen unterstützen können. Damit Betriebsratsmitglieder das dafür nötige Wissen erwerben können, orga- nisieren Gewerkschaften und Arbeiter- kammer Schulungen. Ein sinnvoller Kreislauf also, in dem die drei Räder ineinandergreifen. Wenn nötig, scheuen Arbeiterkam- mer oder Gewerkschaft auch nicht da- vor zurück, vor das Arbeitsgericht zu ziehen, um die Interessen von Beschäf- tigten durchzusetzen. So konnten zwei Reinigungskräfte, die im Technischen Museum auf Werkvertragsbasis be- schäftigt waren, im vergangenen Som- mer hohe Abndungssummen einkla- gen. Das Museum hatte den beiden Kollegen plötzlich die Weiterbeschäfti- gung verweigert. Durch die gemeinsa- me Solidarität kam die Arbeitgebersei- te mit ihrem Handeln nicht einfach durch. Ohne die nanzielle und an- waltliche Unterstützung durch die AK hätte es die Klage vielleicht nicht gege- ben. AK, ÖGB und Betriebsräte sind Zahnräder der Solidarität. Mächtige Interessen wollen, dass sie immer schwerer ineinandergreifen können. Dem gilt es sich zu widersetzen. Weiterführender Link: Die Arbeiterkammer Steiermark hat eine Broschüre über die österreichische Betriebs- verfassung erstellt. Darin finden sich viele nützliche Infos darüber, wie AK, ÖGB und Betriebsrat zusammenwirken sollen: tinyurl.com/yc8kjpep Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor christian@bunke.info oder die Redaktion aw@oegb.at © g ly ph st oc k / A do be S to ck AK, ÖGB und Betriebsräte sind Zahnräder der Solidarität. Sie sind historisch ge- wachsen und ergänzen einander. Auch sie haben einen Anteil daran, dass Österreich ein wirtschaftlich so stabiles Land ist.