30 Arbeit&Wirtschaft 10/2018 auch sozialpartnerschaftlich ein hervor- ragendes Klima auf Augenhöhe. Das sind sehr gute Voraussetzungen für die Vorbereitungsarbeiten und die Durch- führung der AK-Wahl.“ In der Regel gibt es bei Betrieben mit Betriebsrat kei- ne Probleme, eine eigene Wahlkommis- sion im Unternehmen zu bilden – sie besteht grundsätzlich aus Mitgliedern des Betriebsrates. Die Beschäftigten ha- ben dadurch die Möglichkeit, sozusagen im eigenen Wahllokal von ihrem Wahl- recht Gebrauch zu machen. Im Jahr 2014 war das bei rund 35 Betrieben im Bezirk Korneuburg der Fall. Betriebliche Wahlkommissionen Wie viele Betriebswahlkommissionen es bei den kommenden AK-Wahlen geben wird, weiß Alfred Jordan bei unserem Treffen Mitte November noch nicht. Auch wie viele Unternehmen von den mobilen Wahlkommissionen besucht werden, wird erst geplant. Es handelt sich u. a. um Firmen ohne Betriebsrat – so können auch deren Beschäftigte direkt am Arbeitsplatz wählen. Bezirksstellen- leiter Jordan: „Der Besuch einer mobilen Wahlkommission wird von den Ge- schäftsleitungen auch problemlos geneh- migt.“ Und er findet ohne wesentliche Störungen der Betriebsabläufe statt. Die WahlorganisatorInnen orientieren sich an der letzten AK-Wahl und den Er- fahrungswerten. Zu recherchieren gilt es Folgendes: „Welche Betriebe waren es beim letzten Mal und gibt es die alle noch? Haben sich Betriebe in Größe und Struktur verändert? Sind die damaligen Wahlzeiten noch aktuell oder diesmal an- ders zu organisieren?“ Alfred Jordan erzählt, dass er im Zuge der Wahlvorbereitungen alle Be- triebsrätInnen persönlich in den jeweili- gen Unternehmen besucht, um mit ih- nen sämtliche Einzelheiten zu bespre- chen und eventuelle Fragen zu klären. Einer der organisierten Betriebe mit eigener Wahlkommission ist die Firma Liebherr-Transportation Systems GmbH & Co KG im Korneuburger Industrie- gebiet. Arbeiterbetriebsrat Reinhard Handler treen wir während eines spon- tan organisierten Betriebsrundgangs: „Bei den AK-Wahlen im Frühjahr wird unser freigestellter Angestellten-Be- triebsrat als Vorsitzender der Wahlkom- mission im Einsatz sein, und ich bin sein Stellvertreter.“ Unter den rund 220 Be- schäftigten gibt es 50 Arbeiter, der Rest sind Angestellte, der Betrieb hat insge- samt fünf Lehrlinge, berichtet Handler. BetriebsrätInnen vor Ort Inmitten der riesigen Werkshalle, wo Heizungs-, Lüftungs- und Klimasysteme für Schienenfahrzeuge aller Art repariert und gewartet werden, ist der Geräusch- pegel erstaunlich niedrig. Aus einem Ra- dio tönt Unterhaltungsmusik. „Dani!“ Der Arbeiterbetriebsrat winkt einen jun- gen Mann mit – derzeit sehr beliebtem – Vollbart zu uns. „Das ist Daniel Graser, unser Jugendvertrauensrat. Er ist im letz- ten Lehrjahr, und ich setze große Hoff- nungen für die Zukunft in ihn, schließ- lich gehe ich bald in Pension.“ Reinhard Handler arbeitet seit 28 Jahren im Un- ternehmen, er war bei den AK-Wahlen 2014 erstmals Mitglied der Wahlkom- mission. „Die Zusammenarbeit mit Fre- di Jordan hat immer sehr gut geklappt“, erinnert sich Handler. Im Vorfeld gab es für alle BetriebsrätInnen im Bezirk eine Informationsveranstaltung, bei der die gesetzlichen Grundlagen erklärt wurden: „Wir konnten Fragen stellen und haben auch gleich das Wahlmaterial, also Stimmzettel, Wählerlisten, Urnen etc. bekommen.“ Auch mit der Geschäftslei- tung lief alles reibungslos. „Unsere Un- ternehmensführung ist sehr kooperativ. Wir haben ein wirklich gutes Gesprächs- klima und erhalten noch viele Sozialleis- tungen, die es anderswo längst nicht mehr gibt – wie etwa eine Betriebskantine.“ Inzwischen sind wir im Zimmer des Arbeiterbetriebsrats direkt über der Werkshalle angekommen. Im kommen- den Frühjahr wird es auch als Wahllokal fungieren und die Wahlurne beherbergen. Die Dauer von zwei Wochen ermög- licht es, die tatsächlichen Wahlzeiten im Betrieb exibel an die betrieblichen Er- fordernisse und Bedürfnisse der Wahl- berechtigten anzupassen. Jedes Unter- nehmen, in dem vor Ort eine Wahl- kommission eingerichtet wird, legt selbst fest, an welchen Tagen dann tat- Blick aus dem Betriebsratszimmer auf die Werkshalle. Bild rechts unten: Jugend- vertrauensrat Daniel Graser in Aktion.