46 Arbeit&Wirtschaft 4/2018 Man kann nicht alles wissen ... Andor, László: Ungarischer Ökonom und Politiker der Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP), geb. 1966; 2010 bis 2014 EU-Kommissar für Be- schäftigung, Soziales und Integration. (Seite 21) Beyond GDP: 2007 gestartete Initiative der Euro- päischen Kommission, um herauszufinden, wel- che Indikatoren ergänzend zum BIP (Gross Dome- stic Product) am ehesten geeignet sind, Fortschritt und Wohlstand zu messen. 2009 wurde die Mit- teilung „Das BIP und mehr – Die Messung des Fortschritts in einer Welt im Wandel“ herausgege- ben. Seit 2012 arbeitet die Kommission daran, diese Indikatoren in Entscheidungsfindungspro- zesse und Debatten zu integrieren. (Seite 19) Biodiversität: biologische Vielfalt. (Seite 39) CETA (Comprehensive Economic and Trade Ag- reement): auch Canada-EU Trade Agreement; Wirtschafts- und Investitionsabkommen zwi- schen der EU und Kanada, das seit Herbst 2017 vorläufig in Kraft ist, da es nach wie vor nicht von allen EU-Staaten, darunter auch Österreich, rati- fiziert ist. Die Bedenken: Öffnung für Gentechnik, Deregulierung, d. h. Reduzierung von „Handels- hemmnissen“ wie ArbeitnehmerInnenrechten, KonsumentInnenschutz, Kennzeichnungspflicht, Gesundheitsschutz etc. (Seite 42) Country-by-Country-Reporting: länderbezoge- ner Bericht, der Informationen zur weltweiten Verteilung von Erträgen, Steuern und Geschäfts- tätigkeit multinationaler Unternehmensgruppen enthält. (Seite 17) degressiv: abfallend, sich kontinuierlich vermin- dernd. (Seite 23) Dotcom-Blase: von den Medien kreierter Begriff für die im Jahr 2000 geplatzte Spekulationsblase, wovon vor allem die sogenannten Dotcom-Unter- nehmen der New Economy betroffen waren. Die Dotcom-Blase war durch zahllose Firmengrün- dungen und einen wahren Boom infolge der star- ken Verbreitung von Computern, Internet und Handys Mitte der 1990er-Jahre entstanden. (Sei- te 33) General Agreement on Trade in Services (GATS): internationales Abkommen der Welthandelsorga- nisation (WTO) zur Liberalisierung des Dienstleis- tungssektors. (Seite 42) Global Competitiveness Report (GCR): Rangliste von (derzeit) 144 Volkswirtschaften mit den höchsten Wachstumschancen, die jährlich vom Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum) erstellt wird. Basis dafür ist der Global Competi- tiveness Index mit zahlreichen Indikatoren zur Beurteilung von Wettbewerbsfähigkeit. (Seite 19) Hayek, Friedrich August von: österreichischer Ökonom und Sozialphilosoph (1899–1992; wich- tigster Vertreter des Neoliberalismus. 1974 erhielt er gemeinsam mit Gunnar Myrdal den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. (Seite 31) Horizontal Monitoring (HM): in den Niederlanden seit 2005 angewandtes Modell der zeitnahen Ko- operation zwischen Unternehmen und Steuerbe- hörden. Durch begleitende Kontrolle statt nach- träglicher Betriebsprüfungen soll für Unterneh- men mehr Rechtssicherheit möglich sein und die Compliance (Einhalten von Regeln und Vorschrif- ten) verbessert werden. 2011 bis 2016 lief dazu ein – laut Evaluierung positiv beurteiltes – Pilot- projekt in Österreich. Mit HM wird allerdings in Zukunft auch weiterhin nur Großunternehmen steuerlich „unter die Arme gegriffen“. (Seite 17) induzieren: vom Einzelfall auf das Allgemeine schließen. (Seite 36) Investitionsschutz: Schutz von ausländischen InvestorInnen vor politischen Risiken (Diskrimi- nierung, kompensationslose Enteignung etc.). Als Bestandteil von TTIP wird unter anderem kritisiert, dass etwa ein ausländischer Energiekonzern ge- gen für ihn nachteilige Veränderungen in der Energiepolitik klagen könnte. (Seite 36) KAB (Katholische ArbeitnehmerInnenbewe- gung): Sozialverbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die österreichische KAB wurde 1951 gegründet. (Seite 42) Lassalle, Ferdinand: deutscher Philosoph, Publi- zist und Politiker (1825 – 1864); gründete mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADVA) die erste sozialdemokratische Parteiorganisation im deutschen Sprachraum. Er verehrte Karl Marx, seine Theorien wurden von diesem aber nicht ernst genommen. Lassalle setzte zur sozialen Besser- stellung der ArbeiterInnenschaft auf vom Staat finanziell geförderte Arbeiter-Produktivgenossen- schaften und auf Bildung als Voraussetzung für politische Demokratisierung. Gewerkschaften lehnte er ab. Wegen der angestrebten Staatsun- terstützung für Produktivgenossenschaften wur- den die Lassalleaner aller Spielarten „Staatshilf- ler“ genannt. (Seite 4) MERCOSUR: südamerikanische Freihandelszone; der Binnenmarkt des 1991 konstitutierten Staa- tenbundes (Gründungsmitglieder: Brasilien, Ar- gentinien, Paraguay, Uruguay) umfasst mit mehr als 260 Millionen Menschen den Großteil Südame- rikas. Mit der EU wurde Ende 1995 als Vorstufe zu einem Freihandelsabkommen ein Assoziationsab- kommen unterzeichnet. (Seite 42) Multilaterales Abkommen über Investitionen (MAI): in den 1990er-Jahren geplantes, aber nie in Kraft getretenes internationales Vertragswerk zwischen den OECD-Staaten. Es hätte in den Un- terzeichnerstaaten direkte Auslandsinvestitionen fördern sollen. (Seite 42) Mural(ismo): Wandmalerei im öffentlichen Raum; die Kunstform entstand in den 1920er-Jahren nach der Mexikanischen Revolution bzw. dem Me- xikanischen Bürgerkrieg. (Seite 4) Partikularinteressen: Einzelinteressen (Seite 37) Proudhon, Pierre-Joseph: französischer Ökonom und Soziologe (1809–1865); gilt als einer der ers- ten Vertreter des solidarischen Anarchismus („Ei- gentum ist Diebstahl“). Er setzte sich für die Abschaffung der Ausbeutung und der Herrschaft des Menschen über den Menschen ein und forder- te die gleichmäßige Verteilung des Produktions- eigentums. Proudhon fasste Sozialismus als die Wissenschaft der Freiheit auf. Seine Schriften beeinflussten zahlreiche Intellektuelle seiner Zeit, vor allem aber die beginnende Gewerkschaftsbe- wegung in Frankreich, die für lange Zeit anarchis- tisch orientiert blieb. (Seite 4) Stiglitz-Sen-Fitoussi-Bericht: 2008 richtete der damalige französische Präsident Sarkozy eine Kommission ein, um herauszufinden, mit welchen Mitteln sich Wohlstand und sozialer Fortschritt messen ließen, ohne sich einseitig auf Einkom- mensgrößen wie das Bruttosozialprodukt zu be- ziehen. Die Kommission bestand aus insgesamt 25 Wirtschafts- und SozialwissenschafterInnen mit den Nobelpreisträgern Joseph Stiglitz, Amar- tya Sen und Jean-Paul Fitoussi an der Spitze. Der so entstandene Bericht enthielt 12 grundsätzliche Empfehlungen für neue Indikatoren. (Seite 21) Sustainable Development Goals (SDGs): politi- sche Zielsetzungen der Vereinten Nationen, die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene dienen sollen. Die Ziele wurden in Anlehnung an die Millenniums-Entwicklungsziele entworfen und traten 2016 mit einer Laufzeit von 15 Jahren in Kraft (Agenda 2030). Im Unterschied zu den MDGs, die insbesondere Entwicklungsländern galten, gelten die SDGs für alle Staaten. (Seite 37) TiSA (Trade in Services Agreement): Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen, mit dem u. a. öffentliche Dienstleistungsbereiche für pro- fitorientierte Unternehmen geöffnet werden sol- len. Die Idee dafür kam von den USA, verhandelt wird seit 2012 zwischen den USA, der EU, Austra- lien, Neuseeland und zahlreichen anderen Staa- ten. (Seite 42) Via Campesina: Internationale Bewegung von Kleinbauern und LandarbeiterInnen, gegründet 1993 in Indonesien. La Via Campesina hat rund 200 Millionen Mitglieder in 73 Ländern, in Öster- reich ist die Österreichischer Berg- und Klein- bäuer_innen Vereinigung dabei. (Seite 42) www.viacampesina.at Weston, John: britisches Mitglied des Generalrats der Internationale; Anhänger des walisischen Frühsozialisten Robert Owen, der gegen Gewerk- schaften argumentierte und den Aufbau von selbstverwalteten Produktivgenossenschaften als Lösung der sozialen Frage betrachtete. Auf Westons Thesen zum „Ehernen Lohngesetz“ ant- wortete Karl Marx 1865 mit der Broschüre „Lohn, Preis und Profit“. (Seite 4)