etwas gemacht hätte“, erklärt Kreutzberger seine Reaktion auf den historischen Text. Auf den Bleisatz folgte der Foto- oder Lichtsatz. Dieser funktioniert ganz so wie die analoge Fotografie. Doch statt ei- ner Landschaftsaufnahme oder eines Por- träts kamen Buchstaben auf die Negati- ve, statt eines Fotos wurde anschließend der Text belichtet und so auf Papier ge- bracht. Die neue Art des Setzens war zwar eine technische Weiterentwicklung, allerdings bedeutete diese anfangs auch, dass man den Text zunächst tatsächlich blind setzte. Deshalb musste vorher ge- rechnet werden, was das Zeug hielt, um nachher ein gutes Ergebnis zu bekom- men. „Wir waren eine der ersten Firmen, die mit dem Fotosatz begonnen haben“, erinnert sich Kreutzberger an einen sei- ner früheren Jobs. Für ihn hieß es umler- nen, denn nun waren Fotografiekennt- nisse zusätzlich gefragt. In dieser Zeit begann für Kreutzber- ger der Weg in Richtung Bildschirm: „Da gab es eine kleine Leuchtanzeige, ein winziges Fenster, wo man immer die letz- ten fünf Buchstaben gesehen hat“, er- zählt er und lacht bei diesem Gedanken auf. „Da hast du vorher immer alles ganz Für einen fairen Wandel Welche Berufe laufen eigentlich durch die Digitalisierung Gefahr zu verschwinden? An sich haben jene Berufsbil- der die besten Zukunftschancen, die nur schwer automatisier- bar sind, schreibt AK-Expertin Sylvia Kuba in ihrem Beitrag zum Buch „Überall ist Zukunft“. Damit ist noch lange nicht gesagt, dass es sich nur um hoch qualifizierte Tätigkeiten han- delt. Auch persönliche Dienstleistungen können nicht so ein- fach von Maschinen ersetzt werden, selbst wenn Dinge wie der Pflegeroboter längst nicht mehr der Science-Fiction angehören. Gerade die Pflege ist vielleicht das beste Beispiel dafür, wie Technik eingesetzt werden kann, um Beschäftigte zu entlasten und ihnen mehr Zeit für andere Tätigkeiten zu lassen, etwa für die persönliche Ansprache der PatientInnen. Die Digitalisierung selbst hat nicht automatisch zur Fol- ge, dass die Beschäftigung sinkt. In einer Studie ging die nunmehrige GPA-djp-Geschäftsführerin Agnes Streissler- Führer der Frage nach, inwieweit es einen Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Beschäftigungswachstum gibt. Das Fazit: Der Zusammenhang ist jedenfalls nicht eindeu- tig, denn die Entwicklung am Arbeitsmarkt wird natürlich von vielerlei Faktoren beeinflusst. Stichworte sind etwa der demografische Wandel oder veränderte Konsumgewohnhei- ten, die neue Jobs entstehen lassen. Im Bankbereich wieder- um hatte die Finanzkrise logischerweise einen negativen Ein- fluss. Die Digitalisierung selbst habe insgesamt zu mehr Be- schäftigung geführt (siehe auch Interview S. 18–21). „Kein Grund zur Sorge?“, fragt die Gewerkschafterin, um diese Frage sogleich negativ zu beantworten. „Denn zum einen wissen wir nicht, wie die Qualität der neu entstehen- den Arbeitsplätze ist. Und zum anderen wissen wir, dass in den kommenden Jahren gerade in den mittleren Qualifikati- onen große Umbrüche entstehen.“ Diese Veränderungen machten Um- und Weiterqualifizierungen nötig. Die Ver- antwortung dafür dürfe allerdings keinesfalls nur den Be- schäftigten umgehängt werden. „Im Gegenteil: Die Gewin- ne, die aus der Digitalisierung gezogen werden, müssen ei- nen wesentlichen Beitrag zu diesen Qualifizierungskosten leisten. Sei es, indem die Unternehmen bereits intern proak- tiv und vorausschauend ihre Belegschaft für die Digitalisie- rung fit machen, oder sei es, indem über höhere bzw. effek- tivere Besteuerung von (Digitalisierungs-)Gewinnen zusätz- liche Steuereinnahmen für das Bildungssystem generiert werden“, hält Streissler-Führer fest. Angesichts der negativen Entwicklungen in der Arbeits- welt zeigt sich die Streissler-Führer kämpferisch. Gewerk- schaften müssten alle „Mittel des Arbeitsrechts, der Kollek- tivverträge und der betrieblichen Mitbestimmung dazu nut- zen, Digitalisierung mitzugestalten“. Dafür definiert sie vier Ziele: Digitalisierung muss human und sozial erfolgen; der Mensch muss die Technik bestimmen und nicht umgekehrt; für alle Menschen, „die mit Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen“, muss es, „ein gutes Mindestmaß an Arbeits-, So- zial- und Koalitionsrechten“ geben; all jene, die mit dem Wandel nicht mithalten können, müssen „noch immer sinn- stiftende und adäquat abgesicherte Beschäftigung haben“. 8