42 DER 19. ÖGB-BUNDESKONGRESS NACHBER ICHT © M ic ha el M az oh l ( al le ) Der ÖGB-Bundeskongress brachte mit Wolfgang Katzian einen neuen Präsidenten. Sein Ziel: Das Mitgliederwachstum muss weitergehen. W ir sind eine selbstbewusste Ge- werkschaftsbewegung, und wir werden alles tun, alle unsere Kräfte bündeln, um die Rah- menbedingungen so zu gestalten, dass für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein gutes Leben möglich ist“, sagte Wolf- gang Katzian, gleich nachdem er am 14. Juni zum ÖGB-Präsidenten gewählt worden war. „Wir kämpfen dann, wenn es notwendig ist und wenn es nicht er- wartet wird – und dort, wo es besonders effektiv ist. Wir haben oft genug bewie- sen, dass wir das können!“ Die Mobilisierungsstärke des ÖGB war dann schneller gefragt als erwartet, denn kaum war der 19. ÖGB-Bundes- kongress mit Katzians Wahl abgeschlos- sen, gab die Bundesregierung ihre Inter- pretation von „Arbeitszeitflexibilisie- rung“ bekannt: 12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche waren in einem Ge- setzesantrag vorgesehen. Innerhalb von knapp zwei Wochen stellte der ÖGB eine Großdemonstration auf die Beine, zu der sich mehr als 100.000 Menschen auf dem Wiener Heldenplatz versam- melten. Katzian, bisher Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier, hätte neue Regelungen für die Arbeitszeit lieber auf Ebene der Sozialpartnerschaft verhan- delt, als von der Regierung auf Konfron- tationskurs gezwungen zu werden. „Wir stehen jedenfalls dafür, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen. Wir sind gesprächs- und verhandlungsbereit, aber das funktioniert nur, wenn man mit uns auf Augenhöhe redet. Wenn nicht, müs- sen wir uns anders Gehör verschaffen. Es gibt klare Grenzen der Zumutbar- keit. Weil häkeln können wir uns sel- ber“, so der neue ÖGB-Präsident. Die Ausweitung der Arbeitszeit war nicht der einzige Plan der Regierung, der beim Kongress im Austria Center Vienna von den Delegierten heftig kriti- siert wurde. Katzian erinnerte an die ro- ten Linien, die von Regierungspolitike- rInnen zuletzt überschritten wurden: „Eine leistungsstarke, selbstverwaltete Sozialversicherung, kein Hartz IV, kein genereller 12-Stunden-Tag, die Stär- kung der Kollektivverträge bei der Ge- staltung der Arbeitszeit sowie der Erhalt des Jugendvertrauensrats und der finan- ziellen Ausstattung der Arbeiterkam- mern.“ Auch Katzians Vorgänger Erich Foglar sagte in seiner Rede: „Noch nie gab es in der Zweiten Republik eine Re- gierung, die so klar und ungeniert eine Regierung der Industriebosse und ihrer Wünsche ist und so gar nichts für die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der Sozialpart- nerschaft übrighat.“ Foglar wurde per Akklamation zum Ehrenpräsidenten des ÖGB ernannt. Regierung spärlich vertreten Während es bei früheren ÖGB-Kon- gressen selbstverständlich war, dass ne- ben zahlreichen MinisterInnen auch die Regierungsspitze der Einladung als Eh- rengäste nachgekommen sind, war dies- mal alles anders: Kanzler und Vizekanz- ler ließen sich nicht blicken, zur Eröff- nung kam nur Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck. Inhaltlich woll- te sich nur Sozialministerin Beate Har- tinger-Klein einbringen, die am Tag nach der Eröffnung zum Kongress ge- kommen ist. „Gute Arbeit muss gut be- zahlt und menschengerecht sein, wir brauchen Bildung und Qualifizierung. Arbeit muss tariflich geschützt sein, und sie muss selbst- und mitbestimmt sein“, sagte sie in ihrer Rede. „Wir brauchen Florian Kräftner ÖGB-Kommunikation Gebündelte Kräfte für ein gutes Leben