Arbeit&Wirtschaft 7/2018 5 Zum Unbequem-Sein ist sie da O b man als Arbeitnehmer oder Ar- beitnehmerin ein Problem am Ar- beitsplatz hat. Ob bei der Miete etwas nicht stimmt. Ob beim Ar- beitslosengeld oder bei Familienleistun- gen etwas nicht stimmt. Ob bei einem Einkauf etwas schiefgelaufen ist. Ob … Die Liste der Leistungen, die man in der AK in Anspruch nehmen kann, ist lang. Aber nicht nur über die Serviceleistungen erhalten die AK-Mitglieder Unterstüt- zung: Die Einrichtung ist deren demo- kratisch gewählte Vertretung. Sie vertritt deren Interessen auf vielerlei Ebenen und hat auch bei der Gesetzgebung ein Auge darauf, dass die Beschäftigten keine Nach- teile erfahren. Finger in die Wunden Somit ist die Arbeiterkammer eine unbe- queme Akteurin für jene, die den Inter- essen von Wirtschaft, GroßverdienerIn- nen und Vermögenden den Vorrang ge- ben wollen. Immer wieder legt die AK ihre Finger in Wunden der Gesellschaft: angefangen mit der völlig inakzeptablen sozialen Selektion im Bildungssystem über die Gestaltung des Sozialstaats bis hin zur gerechten Verteilung von Bud- getmitteln. Der harte Kurs, den die Regierung in den vergangenen Monaten durchge- zogen hat, mag manche überrascht ha- ben. Umso wichtiger ist es, dass sich ArbeiterInnen und Angestellte, aber auch atypisch Beschäftigte darauf verlas- sen können, dass die Arbeiterkammer dagegenhält. Bei ihren Angriffen auf die AK ziehen die Regierung und ihre Ver- bündeten wieder völlig verstaubte Vor- würfe aus dem Hut. Dass etwa der Vor- wurf, die AK sei eine völlig verstaubte Einrichtung, jeglicher Grundlage ent- behrt, weiß jeder und jede, der/die ein- mal bei der Beratung war, bei einer Ver- anstaltung, in der Bibliothek, oder der/ die von der AK gegenüber Arbeitgebern, Behörden oder Gericht vertreten wurde. Die AK beweist immer und immer wie- der, dass sie sich aktuellen Entwicklun- gen stellt und Debatten vorantreibt. Das war bei den bereits erwähnten atypi- schen Beschäftigungen der Fall. Das ist bei der Digitalisierung der Fall. Und dann ist da noch ein Vorwurf: Die AK sei eine Krake, die sich unge- fragt überall einmische. Ja, sie erdreiste sich gar, den Fortschritt zu hemmen. Erstens: Sie mischt sich keineswegs un- gefragt ein, wie der Leitende ÖGB-Se- kretär Bernhard Achitz in seinem sehr lesenswerten Beitrag ausführt. Zweitens: Was als Fortschritt angesehen wird, ist eine Frage der Perspektive. Die AK ver- steht jedenfalls nicht darunter, dass man zu allem, was die Wirtschaft will, ja und amen zu sagen hat. Von der Basis her wissen die ExpertInnen und Funktionä- rInnen der AK sehr gut darüber Be- scheid, wo den ArbeitnehmerInnen der Schuh drückt. Auch in der A&W haben wir etwa wiederholt thematisiert, dass die Beschäftigten unter dem Druck der Arbeitswelt ächzen und bisweilen zu- sammenzubrechen drohen. Von der AK zu verlangen, dass sie dies ignoriert und die neuen Arbeitszeitregeln einfach so akzeptiert, hieße von ihr zu verlangen, eben jene Menschen und ihre Bedürf- nisse zu ignorieren, von denen sie ge- wählt wurde. Und die von ihr auch legi- timerweise erwarten, dass sie ihre In- teres sen vertritt und im Zweifel auch für sie kämpft. Für die Menschen gut Für mein Empfinden könnte die AK gerne einen Tick kämpferischer sein, aber vielleicht hat sie ja durchaus recht mit ihrem pragmatischeren Kurs. Im- merhin ist auch Österreich in der Ver- gangenheit deutlich besser damit gefah- ren, Konflikte sozialpartnerschaftlich zu lösen. So gut sogar, dass die Sozialpart- nerschaft als positiver Standortfaktor ge- sehen wird. Voraussetzung dafür, dass man dies auch so sieht, ist freilich, dass der Standort nicht nur für die Unterneh- men gut sein soll, sondern auch für die Menschen, die tagtäglich ihre Arbeits- kraft einsetzen. Dem Trend entgegenzu- halten war für die AK schon bisher nicht leicht, und es wird noch herausfordern- der werden. Dranbleiben muss sie aber. Dazu wird sie von den Beschäftigten ge- wählt. Dazu ist sie da. Standpunkt Sonja Fercher Chefin vom Dienst Arbeit&Wirtschaft