35Arbeit&Wirtschaft 7/2018 0 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Mehr Gleich viel Weniger über 40h35-40hunter 35h Wunsch nach Arbeitszeitveränderung Wöchentliche Arbeitszeit ten besser einteilen, trifft nicht zu. Jene mit langen Arbeitszeiten sind so- gar noch stärker durch Zeitdruck be- lastet. Wer häufig Überstunden leistet, gibt fünfmal so oft an, bei der Arbeit keine Zeit zum Verschnaufen zu ha- ben. Die Belastung geht aber immer wieder auch über die Arbeitszeit hin- aus. 16 Prozent der Menschen, die oft Mehrarbeit leisten, werden auch in der Freizeit mit beruflichen Anliegen ge- stört. 44 Prozent der Personen, die auch nach Dienstschluss noch arbei- ten, fällt es schwer abzuschalten. Im- mer mehr ArbeitnehmerInnen nutzen Homeoffice oder Teleworking. So wird die Erholung, etwa am Wochenende, zusätzlich unterbrochen. Nicht auf Dauer auszuhalten Auf lange Sicht sind diese langen Ar- beitswochen nicht auszuhalten. Jede/r Fünfte gibt an, den Beruf in der der- zeitigen Form in fünf Jahren nicht mehr ausüben zu können. Über kurze Zeit können die Belastungen ausgegli- chen werden, doch auf Dauer ist das nicht möglich. Dass viele Beschäftigte unter der Mehrfachbelastung leiden, zeigt sich auch an neuen Folgen wie Burn-out. Ein Drittel der Personen sieht sich zumindest leicht gefährdet, besonders häufig ArbeitnehmerInnen mit maximal Pflichtschulabschluss. Das ema wird auch in den Unter- nehmen ernst genommen: In 38 Pro- zent der Betriebe wird von der Beleg- schaft darüber gesprochen, in 19 Pro- zent kümmert sich auch die Unterneh- mensleitung darum. Sogar Medikamente sind manch- mal nötig, um den Arbeitsalltag über- stehen zu können: 44 Prozent der Be- schäftigten greifen „zumindest selten“ zu Schmerz mitteln, um den Arbeitstag durch zuhalten. Sechs von zehn Arbeit- neh merInnen greifen auf Medikamen- te gegen Kopfschmerzen zurück. Und nicht zuletzt gehen 33 Prozent der Men schen sogar krank zur Arbeit – be- son ders häufig jene, die Überstunden leisten. Arbeitszeitverkürzung gewünscht Es ist wenig überraschend, dass Men- schen mit langen Arbeitszeiten ihre Stundenanzahl verkürzen wollen. Be- sonders deutlich wird dieser Wunsch bei Personen, die mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten: 76 Prozent von ihnen wollen ihre Arbeitszeit verkür- zen, weniger als ein Viertel ist mit dem Ausmaß zufrieden. Zum Vergleich: Bei jenen, die zwischen 35 und 40 Stun- den pro Woche arbeiten, wollen nur 15 Prozent kürzere Arbeitszeiten. Noch häufiger wollen Frauen mit vielen Wo- chenstunden das Arbeitsausmaß ver- ringern, und auch junge Menschen wollen Stunden reduzieren. Das ist be- sonders bemerkenswert, weil in der Fragestellung darauf hingewiesen wird, dass eine Reduktion der Stunden auch ein geringeres Einkommen zur Folge hat. Nicht mehr, sondern weniger Ar- beitszeit ist also gefragt. Immer wieder verwenden Befürwor- terInnen längerer Arbeitszeiten das Schlagwort „Flexibilisierung“. Doch eben die ist ohnehin schon für viele Be- schäftigte Alltag. Nur noch etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten hat im- mer gleiche, fixe Arbeitszeiten. Bei der anderen Hälfte sind mit Gleitzeit, Schichtarbeit, Arbeit auf Abruf oder an- deren Formen von unregelmäßiger Ar- beitszeit bereits jetzt schon flexible Re- gelungen in Kraft. Fast ein Viertel der Beschäftigten hat einen sogenannten All-in-Vertrag, bei dem sämtliche Über- stunden pauschal abgegolten werden. Auch die Differenz zwischen vertraglich vereinbarter und tatsächlich geleisteter Arbeitszeit zeigt, dass sich die Beschäf- tigten schon bisher an die Anforderun- gen der Unternehmen angepasst haben. Bei genauerem Hinsehen erkennt man also, dass die Wünsche der Wirt- schaft und der Regierung, also lange Arbeitszeiten und mehr Flexibilität der ArbeitnehmerInnen, bereits erfüllt wurden. Aber auch die Folgen sind für die Beschäftigten schon deutlich spür- bar: weniger Zufriedenheit mit der Ar- beitszeit, Druck am Arbeitsplatz, schlechtere Work-Life-Balance. Statt längeren Arbeitszeiten wünschen sich die Beschäftigten eine Reduktion der Arbeitszeit. Vielleicht auch Günther, der Pflasterer. Wie ist Ihr persönlicher Arbeitsklima Index? Finden Sie es heraus unter: selbsttest.arbeitsklima.at Weitere Informationen unter: arbeitsklima.at Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor Mader.b@akooe.at oder die Redaktion aw@oegb.at © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l