41Arbeit&Wirtschaft 7/2018 ner der jeweiligen Dependancen in Deutschland, Luxemburg oder Öster- reich der Internationale Arbeiterkam- mertag (IAKT) statt. Ziel des Treffens ist es, sich über aktuelle politische Fra- gen, die in allen drei Ländern für Ar- beitnehmerInnen von Bedeutung sind, auszutauschen, Schnittstellen zu iden- tifizieren und dann konkret an e- men zu arbeiten. Südkorea plant Arbeiterkammer Internationale Delegationen zeigten in den letzten Jahren immer wieder Inte- resse am österreichischen Modell, er- zählt Valentin Wedl, Leiter der Abtei- lung „EU und Internationales“ in der AK Wien, doch bisher gab es noch kei- ne konkreten Initiativen, auch in ande- ren Ländern Arbeiterkammern einzu- führen – bis auf Südkorea. Seit den Prä- sidentschaftswahlen im Mai 2017 stellt dort die sozialliberale Minju-Partei den Präsidenten. Außenpolitisch setzt sie auf Diplo- matie mit Nordkorea mit dem Ziel ei- ner Wiedervereinigung der beiden ko- reanischen Staaten. Innenpolitisch ist die Einführung eines sozialen Siche- rungssystems geplant. Denn in Südko- rea gibt es einen extrem hohen Anteil an prekär Beschäftigten. Schätzungen gehen davon aus, dass ein Gutteil der Erwerbstätigen über keinen unbefriste- ten Vollzeitarbeitsvertrag verfügt. Eines der Ziele der Regierung ist deshalb die Regularisierung der Privat- wirtschaft und die Stärkung von Ar- beitsrechten. In diesem Zusammen- hang steht auch die geplante Einfüh- rung von Arbeiterkammern nach öster- reichischem Vorbild. Insang Han vom wissenschaftli- chen Dienst des südkoreanischen Par- laments hielt sich deshalb von Juli bis September dieses Jahres in der AK Wien auf, um das österreichische Mo- dell zu studieren. Der Schwerpunkt seiner Forschungstätigkeit lag dabei auf der Rolle der AK in der Gesetzge- bung und ihrem Einfluss auf den Ar- beitsmarkt. „Wir stehen noch am An- fang des Prozesses“, so Han. „Bevor wir in Südkorea ein AK- und Betriebs- ratssystem einführen können, muss noch studiert werden, wie das hier in Österreich funktioniert.“ Die geplante Einführung bis 2022 hält er deshalb für schwierig: „Es wird vermutlich län- ger dauern. Das ist nicht so einfach. Korea ist anders.“ Problematische Rivalität Hindernisse auf dem Weg zur Einfüh- rung einer südkoreanischen Arbeiter- kammer sieht auch Valentin Wedl. Während sich die dialogorientierte Federation of Korean Trade Unions (FKTU) für eine südkoreanische AK starkmacht, spricht sich der zweite Ge- werkschaftsdachverband, die kämpferi- sche Korean Confederation of Trade Unions (KCTU), dagegen aus. „Dies muss man aus der Rivalität der beiden Dachverbände verstehen, aber auch aus einer grundsätzlichen Positionierung, was das Wechselverhältnis von Gewerk- schaften und Arbeiterkammern betrifft. Während in Österreich die politische Führung der AK in Händen der Ge- werkschaften ist, hätte man in Korea diese Garantie nicht. Insofern fürchtet die KCTU nicht zu Unrecht, dass eine Arbeiterkammer völlig gegen ihre Interessen agieren könnte“, erläutert Wedl. „Im schlimmsten Fall wäre die südkoreanische AK ein trojanisches Pferd, mit dem (zukünftige) Machtha- ber Gewerkschaften und Arbeitneh- merInnen kontrollieren könnten. Dies gilt es mit allen Mitteln zu verhindern“, betont Wedl. Kooperation zentral Das sieht auch Peer Rosenthal von der AK Bremen so: „Ich unterstreiche den Aspekt, dass es absolut notwendig ist, die Arbeiterkammern in einem Kooperationsverhältnis zu den Ge- werkschaften zu etablieren. Arbeiter- kammern dürfen nicht installiert wer- den, um ein Konkurrenzverhältnis zu den Gewerkschaften zu schaffen.“ Grundsätzlich zeigt sich Wedl aber er- freut, dass das österreichische System der Arbeiterkammern in Südkorea Nachahmer findet. Arbeitnehmerkammer Bremen www.arbeitnehmerkammer.de www.akhb.de Arbeitskammer des Saarlandes www.arbeitskammer.de Arbeiterkammer Luxemburg www.csl.lu Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor michael.woegerer@oegb.at oder die Redaktion aw@oegb.at © S eo ng bi n Ka ng / Ac tio n Pr es s / p ic tu re de sk .c om International werden Österreichs Beschäftigte immer wieder mal darum beneidet, dass sie eine so starke Organisation wie die Arbeiterkammer haben. In Südkorea überlegt man nun sogar, eine solche Interessenvertretung einzurichten.