46 Arbeit&Wirtschaft 9/2018 Man kann nicht alles wissen ... Akademische Legion: im März 1848 durch den Zusammenschluss von Wiener Studenten entstan- dener bewaffneter Freikorps, der Teil der National- garde war, die ebenfalls zu Beginn der Märzrevo- lution entstand und zu der Männer zwischen 19 und 50 Jahren zugelassen waren. (Seite 12) Arbeiterkammergesetz: Schon im 19. Jahrhun- dert gab es die Forderung nach einer gesetzlichen Interessenvertretung der ArbeitnehmerInnen nach dem Vorbild anderer Kammern. 1920 beschloss der Nationalrat das von Sozialminister Ferdinand Hanusch initiierte Arbeiterkammergesetz, nach welchem in jedem Bundesland eine Kammer ein- gerichtet werden konnte; 1954 Neufassung nach NS-Zeit; mit der AK-Reform 1992 entstand auch ein neues Gesetz. (Seite 43) Betriebsrätegesetz: Im Mai 1919 wurde von der konstituierenden Nationalversammlung für Deutschösterreich das Gesetz zur Errichtung von Betriebsräten beschlossen. Das Gesetz, an dem Otto Bauer, damals Außenminister, federführend beteiligt war, war aufgrund der brisanten politi- schen und sozialen Zustände rund um das Kriegs- ende sehr rasch zustande gekommen. (Seite 43) Breitner, Hugo: österreichischer SP-Politiker (1873–1946); als Finanzstadtrat in Wien (1919– 1932) gelang es ihm, die Kreditfähigkeit der Stadt wiederherzustellen. Bekannt wurde er vor allem durch die Einführung sogenannter „Breitner- Steuern“, mit denen die Vermögenden zur Kasse gebeten wurden: Wohnbausteuer zur Etablierung des sozialen Wohnbaus, Hausgehilfinnensteuer für alle, die Hausangestellte beschäftigten etc. Breitner war jüdischer Abstammung und flüchte- te 1938 aus Österreich. Er starb 1946 in den USA, kurz vor seiner geplanten Rückkehr. (Seite 33) Brown, Gordon: britischer Politiker der Labour- Party, geb. 1951; 1997 bis 2007 Schatzkanzler der Regierung Tony Blair, 2007–2010 Premierminister, dzt. UN-Sondergesandter für Bildung. (Seite 40) Domes, Franz: österreichischer Gewerkschafter und sozialdemokratischer Politiker (1863–1930); ab 1920 Präsident der AK für Wien und Niederös- terreich sowie Nationalratsabgeordneter. (Seite 4) Friedensvertrag (von Saint-Germain): Nach dem Ersten Weltkrieg wurden mehrere Verträge zwi- schen den Siegermächten (Frankreich, Großbri- tannien, USA und Italien) und den unterlegenen Mittelmächten (Deutsches Reich, Österreich-Un- garn geschlossen). Die Verträge wurden von den Siegermächten einseitig aufgesetzt und mussten dann „nur“ unterschrieben werden. Die Auflösung der österreichischen Reichshälfte der Doppelmo- narchie und die Bedingungen für die neue Repu- blik Österreich regelte im September 1919 der Vertrag von Saint-Germain. Er enthielt auch das Anschlussverbot, denn Österreich hatte sich, nachdem die Doppelmonarchie kurz vor Kriegsen- de zerfallen war, nach dem Krieg als Deutschös- terreich dem Deutschen Reich angeschlossen. Otto Bauer, Außenminister von Deutschösterreich und ein Verfechter des Anschlusses, trat im Juli 1919 zurück und Staatskanzler Renner übernahm seine Agenden. (Seite 14) Gründungsregierung: erste Regierung nach/wäh- rend der (Neu-)Gründung eines Staates. (Seite 22) Hanusch, Ferdinand: österreichischer sozialde- mokratischer Politiker (1866–1923); 1918–1920 Minister für soziale Fürsorge/Verwaltung: Grün- dung der Arbeiterkammer, moderne Sozialgesetz- gebung mit Krankenkassen, 48-Stunden-Woche, Verbot von Kinderarbeit, Arbeitslosenversiche- rung, Betriebsrätegesetz etc. (Seite 4) Hueber, Anton: österreichischer SP-Politiker und Gewerkschafter (1861–1935), Mitbegründer und erster Vorsitzender des 1928 gebildeten Bundes Freier Gewerkschaften. (Seite 23) inhärent: an etwas haftend, innewohnend. (Sei- te 40) Kandelaber: mehrarmiger Leuchter bzw. Ständer für Straßenbeleuchtung. (Seite 12) Kisch, Egon Erwin: deutschsprachiger Schriftstel- ler und Journalist jüdischer Herkunft (1885–1948 in Prag); nach dem Titel eines seiner Werke auch als „Rasender Reporter“ bekannt. 1915 im Ersten Weltkrieg schwer verwundet, wandte sich danach verstärkt dem Kommunismus zu und war an vielen bedeutenden Ereignissen rund um Kriegsende und Republikgründung in Wien beteiligt. Danach folg- ten zahlreiche Reisereportagen, 1933 Flucht vor den Nazis (aus Berlin), engagierte sich u. a. in der Antikriegsbewegung; bis 1946 im Exil in den USA und Mexiko. (Seite 32) Krähwinkel: fiktiver Ortsname, der für kleinstädti- sche, spießbürgerliche Beschränktheit steht (ähn- lich „Hintertupfing“). Der Name kam bereits kurz nach 1800 erstmals in der Literatur vor, später u. a. auch 1848 bei Johann Nestroy in der Posse Freiheit in Krähwinkel. (Seite 39) martialisch: kriegerisch, verwegen. (Seite 26) Popp, Adelheid: Frauenrechtlerin und Sozialistin (1869–1939); weil ihr Vater, ein Weber, nach dem Aufkommen der mechanischen Webstühle seine Familie kaum ernähren konnte und Alkoholiker war, arbeitete sie schon als Kind zwölf Stunden täglich in der Fabrik, bis sie – erschöpft und un- terernährt – ohnmächtig wurde, phantasierte und in die Psychiatrie kam. Das Personal dort versorg- te sie auch mit Büchern. Mit nur drei Jahren Volks- schule erwarb sich Popp ihre Bildung weitgehend selbst, war später u. a. Mitbegründerin und Her- ausgeberin der Arbeiterinnen-Zeitung. 1918– 1923 war Popp Abgeordnete im Wiener Gemein- derat, 1919–1934 auch Parlamentsabgeordnete. (Seite 13) RAF (Rote Armee Fraktion): linksextremistische terroristische Vereinigung, gegründet 1970 u. a. von Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ens- slin und Horst Mahler; verantwortlich für 33 Mor- de sowie mehr als 200 Verletzte durch Attentate, Geiselnahmen und Banküberfälle. (Seite 38) Renner, Karl: österreichischer sozialdemokrati- scher Politiker (1870–1950), 1918–1920 Staats- kanzler, danach NR-Abgeordneter, 1933 legte er aus abstimmungstechnischen Gründen sein Amt als NR-Präsident zurück, was letztendlich zum Staatsstreich von Engelbert Dollfuß führte. Ren- ner, der sich schon 1918 für den Anschluss an das Deutsche Reich eingesetzt hatte, war auch 1938 dafür. Die NS-Zeit verbrachte er unter Hausarrest, 1945 wurde Renner erster Bundespräsident der Zweiten Republik. (Seite 23) Reumann, Jakob: österreichischer Politiker (1853– 1925); 1919 bis 1923 als erster sozialdemokrati- scher Bürgermeister von Wien wesentlich verant- wortlich für zahlreiche Reformen. 1923 wurde ein großes Wohnbauprogramm beschlossen, mit dem 25.000 Gemeindewohnungen bis 1918 errichtet werden sollten. (Seite 23) Rote Garde: 1918 u. a. von Egon Erwin Kisch gegründete radikal linke Wehrtruppe, die eine Rätediktatur nach russischem Vorbild anstrebte. (Seite 32) Schindel, Robert: österreichischer Lyriker, Regis- seur und Autor, geb. 1944; Sohn jüdischer Kom- munisten, 1967 Mitbegründer der linken Studen- tenbewegung „Kommune Wien“. Sein ambivalen- tes Verhältnis zu Wien und die Shoa sind zentrale Elemente seines Schaffens. Romane: Kassandra, Gebürtig. (Seite 39) Schorsch, Johann: österreichischer sozialdemo- kratischer Politiker und Gewerkschafter (1874– 1952); 1919–27 Landtagsabgeordneter in Wien, 1930 bis 1934 NR-Abgeordneter, 1945–48 Ob- mann der Wiener Gebietskrankenkasse. (Seite 23) Spira, Leopold: österreichischer Publizist und po- litischer Autor (1913–1997), Vater von Elizabeth T. Spira; er nahm auf der Seite der Interbrigaden am Spanischen Bürgerkrieg teil, ab 1939 im Exil in Großbritannien. Zurück in Österreich wurde er zu einem der führenden Intellektuellen der KPÖ, 1969 aber aus der Partei gedrängt. Bücher: Ein gescheiterter Versuch: Der Austro-Eurokommu- nismus; Feindbild Jud. (Seite 34) Verband Sozialistischer Mittelschüler (VSM): war von 1925 bis 1934 sowie von 1953 bis 1973 die GymnasiastInnenorganisation der SPÖ; 1971 lös- te er sich unter trotzkistischer Führung von der Mutterpartei; 1976 entstand quasi als Nachfolge- rin die Aktion kritischer SchülerInnen. (Seite 38) Zionismus: 1. nach dem Tempelberg Zion in Jeru- salem Ende des 19. Jahrhunderts entstandene jüdische Bewegung mit dem Ziel, einen Staat für Juden in Palästina zu schaffen. 2. politische Strö- mung, die eine Stärkung Israels befürwortet. (Seite 33)