21Arbeit&Wirtschaft 1/2019 Faktor ist die Qualität und Motivation des Lehrpersonals, angefangen von der Elementarpädagogik bis hinauf zur Ma- tura. Dazu ist natürlich auch die Ausstat- tung der Schulen entscheidend. Wie steht es um die Frauenerwerbsquo- te Österreichs im internationalen Ver- gleich? Die Erwerbsquote in Österreich ist gene- rell relativ hoch und liegt bei 75 Prozent, also über dem EU-Durchschnitt von 71 Prozent. Auch die Frauenerwerbsquote liegt mit etwa 68 Prozent über dem Schnitt der Eurozone. Klar ist, dass es immer Potenzial nach oben gibt. Was je- doch dazukommt, ist, dass sehr viele Jobs Teilzeitarbeit oder prekär bezahlt sind. Hier ist die Politik gefordert, das Preka- riat hintanzuhalten. Wie sieht es mit der hohen Teilzeitquo- te vor allem bei Frauen aus? Für Personen, die Teilzeit arbeiten wol- len, ist Flexibilität gut und schön. Es gibt aber sehr viele Personen, die eben nicht Teilzeit arbeiten wollen, aber dazu ge- zwungen sind und bei denen das Ein- kommen eventuell nicht ausreicht, um eine Familie zu erhalten. Die Unterbe- schäftigungsquote – also wenn man das Ausmaß der Teilzeitbeschäftigung und die nicht arbeitswilligen Arbeitslosen be- rücksichtigt – liegt ja wesentlich höher als die Arbeitslosenquote. Im Prinzip soll- te jeder, der Vollzeit arbeiten möchte, das auch tun können. Maßnahmen sowohl von Angebots- als auch Nachfrageseite sind hier ein wichtiger Faktor. Wie wirken sich Investitionen in sozi- ale Dienstleistungen auf den Wirt- schaftsstandort aus? „Soziale Dienstleistungen“ umfassen vie- le Bereiche. Hinsichtlich des Wirtschafts- standorts Österreich wäre ein Aspekt der Ausbau von Kinderbetreuung. Es bräuch- te aber nicht nur mehr Kindergärten, sondern auch längere Öffnungszeiten, etwa von 8 bis 17 Uhr, und nicht be- schränkt, wie es anscheinend in manchen ländlichen Gebieten der Fall ist, wo sie nur von 8 bis 12 Uhr geöffnet sind. Ich glaube, diese flächendeckende Öffnung und die Ganztagesbetreuung von Kin- dern in Kindergärten würde Jobs schaffen und gleichzeitig den Müttern ermögli- chen, selbst wieder berufstätig zu werden. Das wäre auch längerfristig aufgrund der demografischen Entwicklung wichtig. Die Anzahl der Arbeitskräfte im er- werbsfähigen Alter beginnt – nach den derzeitigen Prognosen – langsam zu sin- ken, und man muss das Potenzial auf- rechterhalten. Nach dem Kindergarten müsste man an Volksschulen die Nach- mittagsbetreuung ausbauen. Diesbezüg- lich wäre es sinnvoll, über ein größeres Angebot an Ganztagsschulen oder zu- mindest Ganztagesbetreuung nachzu- denken. Was müsste sich in Sachen Digitalisie- rung verbessern? Das führt vielleicht wieder zurück zur Bildung. Was an den Schulen, sowohl an Gymnasien als auch NMS, zu kurz kommt, ist der Fokus auf neue Techno- logien, Digitalisierung oder Umgang mit neuen Medien. Es gab ja einmal den Vor- schlag, jedes Schulkind mit einem Com- puter auszustatten. Wichtiger fände ich, dass Kinder den Umgang mit diesen neu- en Technologien frühzeitig lernen. Das sind Basisfähigkeiten wie das Zehnfinger- system: der Umgang mit Gestaltungs- oder Textsoftware, einfache Program- miersprachen und so weiter. Das müsste in allen Schulen genauso Schwerpunkt sein wie andere Fächer. Hier gibt es, glaube ich, Aufholbe- darf. Derartige Grundfertigkeiten lassen sich ja dann auch in anderen Fächern einbauen und verwenden. Das setzt na- türlich voraus, dass die Schulen mit ent- sprechender Hard- und Software ausge- stattet sind. Das sehe ich als einen wich- tigen Zukunftsaspekt. Vor welchen Herausforderungen steht der österreichische Wirtschaftsstandort derzeit im internationalen Vergleich und wie kann Österreich ihnen begegnen? Ich glaube, dass das die neuen Technolo- gien und die Digitalisierung sind, also das „Zeitalter 4.0“. Das setzt eben ent- sprechende Bildung und Unterstützung der Innovationstätigkeit voraus, die Ös- terreich braucht, um auf diesem hohen Niveau bleiben zu können. Und somit das Mantra der Ökonomen: Bildung, Bil- dung, Bildung. Schreiben Sie Ihre Meinung an die AutorInnen sandra.knopp@gmx.at udoseelhofer426@msn.com oder die Redaktion aw@oegb.at „Österreich könnte sich ein bisschen höheres Reallohnwachstum leisten“, meint Ökonom Robert Stehrer.