36 Arbeit&Wirtschaft 2/2019 © M ic ha el M az oh l / Ö GB -V er la g Befürchtungen bewahrheitet Schon vor dem 12-Stunden-Tag beschäftigten Probleme mit der Arbeitszeit die Beratungsstellen in Arbeiterkammern und Gewerkschaften. W er schon einmal in der AK vor- beigeschaut hat, weiß: Es ist immer etwas los. Vor allem die Rechtsberatung wird vielfach nachgefragt. Aus dem Berufsleben lohn- abhängig beschäftigter Menschen ist sie schon längst nicht mehr wegzudenken. Dabei gibt es sie noch gar nicht so lange. 1992 wurde sie als Teil des AK-Gesetzes eingeführt. In Paragraf 7 heißt es: „Die Arbeiterkammern haben kammerzuge- hörige Arbeitnehmer in arbeits- und so- zialrechtlichen Angelegenheiten zu be- raten und ihnen insbesondere Rechts- schutz durch gerichtliche Vertretung in arbeits- und sozialrechtlichen Angele- genheiten nach Maßgabe eines von der Hauptversammlung der Bundesarbeits- kammer zu beschließenden Rahmen- Regulativs zu gewähren.“ Einer, der am Aufbau des Rechts- schutzes der Arbeiterkammer direkt be- teiligt war, ist Hans Trenner. Inzwischen ist er Leiter des Bereichs Beratung, in dem die Abteilung für Arbeitsrecht an- gesiedelt ist. „Früher haben hauptsäch- lich Angestellte gegen ihre Arbeitgeber Klage geführt“, erinnert er sich. „Heute sind es meistens ArbeiterInnen. Das Bau- und das Gastgewerbe führen das Branchenranking bei den Klagen an. In den allermeisten Fällen geht es um nicht ausbezahlte Löhne.“ Hier zeige sich, wie nötig der Rechtsschutz der Arbeiterkam- mer sei. „Wir prozessieren weitgehend am unteren Rand des Arbeitsmarktes. Mehr Probleme Für jene, die sich selber nicht helfen kön- nen, sind wir dringend notwendig“, so Trenner. Ein wichtiges Thema dabei ist die Arbeitszeit. Schon bevor der 12-Stun- den-Tag beschlossen wurde, gab es hier nämlich Probleme. Mit dem neuen Ge- setz haben sie zugenommen. Fehlende Arbeitsstunden Wenn Einzelpersonen klagen, dann oft nach Ende ihres Beschäftigungsverhält- nisses. Aus Niederösterreich kommt das Beispiel eines Bauarbeiters, dem nach seiner Kündigung plötzlich 71 Arbeits- stunden auf seiner Endabrechnung fehl- ten. Die AK Niederösterreich forschte nach und konnte erreichen, dass dem betroffenen Arbeiter 2.800 Euro nach- gezahlt wurden. Die 2016 erschienene Broschüre „Schwarzbuch Arbeitswelt“ der Arbei- terkammer Oberösterreich gibt Ein- blick in die von Arbeitgebern ange- wandten Dreistigkeiten lange vor Ein- führung des 12-Stunden-Tages. Die systematische Nichtbezahlung von ge- Christian Bunke Freier Journalist