41Arbeit&Wirtschaft 2/2019 Im ArbeitnehmerInnenschutz sind für mehrere hundert gesundheitsschädigen- de Arbeitsstoe Grenzwerte festgelegt: eine maximale Arbeitsplatzkonzentrati- on (MAK-Werte) für gesundheitsschädi- gende und eine technische Richtkon- zentration (TRK-Werte) für krebserzeu- gende Arbeitsstoe. Diese geltenden Grenzwerte sind für eine Arbeitsschicht von acht Stunden und eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden deniert. Bei den jetzt mög- lichen längeren Arbeitszeiten muss das Gefährdungspotenzial völlig neu beur- teilt werden. Die Grenzwerte dürfen nicht einfach durch Hochrechnung an einen längeren Zeitraum angepasst wer- den. Am Beispiel der Toxinmenge im Blut wurde bereits 1997 wissenschaft- lich nachgewiesen, dass bei länger als acht Stunden dauernden Schichten eine überproportional starke Aufnahme von krebserzeugenden Arbeitsstoen über mehrere Wochen erfolgt ist. Nachdem einige Grenzwerte schon jetzt sehr hoch sind, müssen diese dringend gesenkt werden, um das Gesundheitsrisiko des 12-Stunden-Tages zu minimieren. Die Liste an Beschwerden und Er- krankungen, die im Zusammenhang mit langen Arbeitszeiten stehen, ist lang. Mehrere Studien zeigen deutlich den Zusammenhang zwischen überlangen Arbeitszeiten und dem Risiko für Herz- Kreislauf-Beschwerden bzw. -Erkran- kungen wie Bluthochdruck. Auch das Risiko eines Schlaganfalls steigt: Perso- nen, die 55 Stunden oder länger in der Woche arbeiten, sind davon um 33 Pro- zent häuger betroen als jene, die nur 35 bis 40 Stunden pro Woche arbeiten. Dieser Zusammenhang lässt sich auch für Vorhofflimmern nachweisen. Auch Untersuchungen zum Bereich der Muskel- und Skeletterkrankungen zeigen einen Zusammenhang mit über- langen Arbeitszeiten, dies betrit be- sonders Rückenschmerzen, Muskel- schmerzen im Schulterbereich und den unteren Gliedmaßen. Mit der Arbeits- zeitdauer nehmen Magenbeschwerden zu, so das Ergebnis einer Befragung, allerdings unterschiedlich nach Alters- gruppen. Bei Befragten unter 25 Jah- ren werden diese insgesamt weniger von der Arbeitszeitdauer beeinusst als bei älteren Befragten. Bei Personen über 55  Jahren steigen die Magenbe- schwerden mit zunehmender Wochen- arbeitszeit stark an. Lange Liste Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus weisen ebenfalls einen Zusam- menhang mit langen Arbeitszeiten auf. Eine Studie, in der kanadische Arbeit- nehmerInnen in Ontario über zwölf Jah- re beobachtet wurden, brachte folgendes Ergebnis: Frauen, die 45 oder mehr Stun- den pro Woche arbeiten, haben ein um 63 Prozent höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken, als jene, die nur 35 bis 40 Stunden pro Woche arbeiten. Die Lis- te an Risiken ließe sich lang fortsetzen. Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind das Betriebskapital, das Arbeit- nehmerInnen in den Arbeitsprozess einbringen. Nicht nur unsere Arbeits- fähigkeit, auch unsere Lebensqualität hängt davon ab, dass wir dieses mög- lichst lange erhalten können. Mit der Novelle zum Arbeitszeitgesetz hat es die Bundesregierung ArbeitnehmerIn- nen jedenfalls schwerer gemacht, ihre Gesundheitsinteressen im Betrieb wahrzunehmen. Die Kosten arbeitsbedingter Er- krankungen trägt die Krankenversiche- rung – sie werden somit zu einem gu- ten Teil von den ArbeitnehmerInnen selbst bezahlt. Und sie sind enorm: jährlich 2,8 Milliarden Euro für kör- perliche und 3,3 Milliarden Euro für psychische Belastungen. Im Vergleich dazu sind die Behandlungskosten der AUVA für Freizeitunfälle ein Schnäpp- chen. Doch auch hier stehlen sich die Arbeitgeber aus der Verantwortung. Ab 2023 werden sie jährlich um 500 Milli- onen Euro weniger an die AUVA zah- len. Auf der VerliererInnenseite stehen wieder die Arbeitnehmer und Arbeit- nehmerinnen. Für Prävention wird da nicht viel bleiben. Doch genau das soll- te die Gesundheit der ArbeitnehmerIn- nen wert sein. Weitere Informationen: www.gesundearbeit.at WIFO: „Folgekosten langer Arbeitszeiten“: tinyurl.com/y2rm96r4 Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin ingrid.reifinger@oegb.at oder an die Redaktion aw@oegb.at Kassier 62% Pegeberufe (med. Betreuung) 61% Textilarbeiter 60% Transportwesen 59% Regalbetreuer 59% Am meisten Zeitstress gibt es in folgenden Berufen Quelle: Österreichischer Arbeitsgesundheitsmonitor