46 Arbeit&Wirtschaft 2/2019 Man kann nicht alles wissen ... Altersteilzeit: ArbeitnehmerInnen können bis zu fünf Jahre vor dem Regelpensionsalter ihre Ar- beitszeit um 40 bis 60 Prozent verringern. Für die verringerte Arbeitszeit erhalten sie einen Lohnaus- gleich in der Höhe von 50 Prozent der Differenz zum bisherigen Entgelt. Die Arbeitgeber zahlen die Sozialbeiträge weiter wie bisher. Voraussetzungen: mindestens 15 Jahre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in den letzten 25 Jahren; drei Jahre Mindestbeschäftigungsdauer; das Beschäftigungs- ausmaß im letzten Jahr vor Beginn der Altersteil- zeit darf höchstens 40 Prozent unter der gesetzli- chen bzw. kollektivvertraglichen Arbeitszeit liegen. Somit können auch Teilzeitbeschäftigte eine ge- förderte Altersteilzeit in Anspruch nehmen. Für die Altersteilzeit gibt es keinen Rechtsanspruch, die Arbeitgeber müssen also zustimmen. (Seite 8) basal: fundamental; an der Basis liegend. (Seite 26) Bildungskarenz: Bildungskarenz kann zwischen Arbeitgeber und ArbeitnehmerIn ab dem sieben- ten Arbeitsmonat für die Dauer von mindestens zwei Monaten bis zu maximal einem Jahr verein- bart werden. Während dieser Zeit besteht An- spruch auf Weiterbildungsgeld in Höhe des fikti- ven Arbeitslosengeldes, wenn die Teilnahme an entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen nachgewiesen wird. Ein Zuverdienst aus einer Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber im Ausmaß einer geringfügigen Beschäftigung ist erlaubt. (Seite 13) Dritte Führungsebene: Bezeichnung für die un- terste Führungsebene eines Unternehmens (Büro- und GruppenleiterInnen, MeisterInnen etc.) mit maßgeblicher selbstständiger Entscheidungsbe- fugnis (Lower-Management). Als erste/oberste Führungsebene wird – je nach Geschäftsform – der Geschäftsführer oder Vorstand bezeichnet. Diese TopmanagerInnen widmen sich primär den unter- nehmerischen Zielsetzungen sowie der Entwick- lung und Umsetzung der Unternehmensstrategie. Die mittlere Führungsebene kann sich bei größeren Unternehmen in weitere Hierarchie-Ebenen unter- teilen (BereichsleiterInnen, AbteilungsleiterInnen etc.). Sie setzen die Entscheidungen des Topma- nagements um und haben in der Regel Prokura bzw. Handlungsvollmacht. (Seite 38) Flecker, Jörg: Der 1959 in Graz geborene Wissen- schafter studierte zunächst Handelswissenschaf- ten und gelangte über einen Postgraduate-Lehr- gang am IHS zur Soziologie. 1991–2013 war Fle- cker Wissenschaftlicher Leiter der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA); seitdem ist er Professor für Allgemeine Soziologie am Ins- titut für Soziologie der Universität Wien. Schwer- punkte: Wandel der Beschäftigungssysteme im internationalen Vergleich, dynamische Vernetzun- gen von Organisationen und die Qualität der Ar- beit; Transformation öffentlicher Dienstleistungen in europäischen Wohlfahrtsstaaten und Arbeit in transnationalen Wertschöpfungsketten. (Seite 10) GBH: Gewerkschaft Bau-Holz. (Seite 37) Indirekte Steuerung: Management-Methode, mit der den Beschäftigten vermehrt UnternehmerIn- nenfunktionen überlassen werden. Dabei wird der Druck, der durch sich schnell verändernde Markt- gegebenheiten entsteht, unmittelbar an die Be- schäftigten weitergegeben. Das Management tritt als direkter Befehlsgeber in den Hintergrund und nimmt ArbeitnehmerInnen mehr in die Verantwor- tung für die unternehmerischen Ziele. Durch Team- bildung soll das Wir-Gefühl gestärkt werden, wobei sich die Teams weitgehend selbst kontrollieren und Führungsaufgaben übernehmen (Clan Control). Druck von außen (durch Zielvorgaben, Bonuszah- lungen u. ä.) kann bewirken, dass die Konkurrenz unter KollegInnen ansteigt. Auch daraus entste- hende Probleme soll das Team selbst bearbeiten und lösen. Weitere Kennzeichen indirekter Steue- rung: Präsentismus – Verantwortungsgefühl dem eigenen Team gegenüber ist ein Hauptgrund, dass Beschäftigte trotz gesundheitlicher Probleme oder Krankheit zur Arbeit kommen – und interessierte Selbstgefährdung. So bezeichnen Fachleute das Phänomen, wenn man wider besseres Wissen sei- ne Gesundheit riskiert, weil eine Sache Spaß macht. (Seite 15) MAK-Wert: Der Grenzwert für Maximale Arbeits- platz-Konzentration gibt die maximal zulässige Konzentration eines Stoffes in der (Atem-)Luft am Arbeitsplatz an, unter dem bei gesunden Erwach- senen im Allgemeinen nicht mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen ist. MAK-Werte sind ein Kompromiss in der Abwägung zwischen möglichen Gesundheitsschäden, den Risiken und den Produktionskosten. Sie sind keine Konstanten, mit denen das Eintreten oder Ausbleiben von Wir- kungen je nach Dauer errechnet werden kann. Im Zuge des technischen Fortschritts müssen die Werte immer wieder entsprechend angepasst wer- den. (Seiten 21 und 40) Mangelberufsliste: von Sozialministerium und Wirtschaftsministerium jährlich erstellte Liste von Berufen, für die Jobsuchende aus Drittstaaten die Rot-Weiß-Rot-Karte beantragen können. 2019 wurde die Liste auf bundesweit 45 Mangelberufe ausgeweitet, ergänzend dazu gibt es noch Man- gelberufe für einzelne Bundesländer. (Seite 28) monetär: geldlich, die Finanzen betreffend. (Seite 42) obsolet: hinfällig, nicht mehr gebräuchlich. (Seite 32) Rousseau, Jean-Jacques: französischsprachiger Philosoph, Schriftsteller, Komponist und Forscher (1712–1778), Wegbereiter der Französischen Re- volution. Das meiste Wissen eignete sich der ge- bürtige Genfer autodidaktisch an. Rousseau be- trachtete die menschliche Geschichte als einen Prozess des Niedergangs, der ein in jeder Hinsicht radikal erneuertes Denken und Handeln erfordere. Seine in „Émile oder über die Erziehung“ darge- stellten Theorien beeinflussten viele PädagogIn- nen. Der nach dem (darin propagierten) Prinzip der freien Selbstentfaltung aufgewachsene Mensch würde von sich aus später zum Gemeinwohl bei- tragen, so eine der Thesen seines Werkes „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des politi- schen Rechtes“. (Seite 16) Schimäre (Chimäre): Hirngespinst, Ungeheuer. (Seite 7) SEO (Search Engine Optimization): Suchmaschi- nenoptimierung soll bewirken, dass Webseiten und deren Inhalte unter den Suchergebnissen von Suchmaschinen wie Google an vorderer Stelle ge- reiht werden. (Seite 31) TRK-Wert: Die Technische Richtkonzentration gibt die Konzentration eines Stoffes in der Luft am Ar- beitsplatz an, die nach Stand der Technik maximal erreicht werden darf. Dabei gelten die TRK-Werte für Personen, die gesund und im erwerbsfähigen Alter sind. Sie werden nur für krebserzeugende, -verdächtige und erbgutverändernde Stoffe ange- geben, für die kein MAK-Wert angegeben werden darf. Der TRK-Wert ist lediglich ein Richtwert, der das Risiko eines Gesundheitsschadens minimieren soll, da auch bei eingehaltenem TRK-Wert eine Beeinträchtigung der Gesundheit nicht ausge- schlossen ist. Sämtliche MAK- und TRK-Werte für die rund 800 in Österreich verwendeten gesund- heitsgefährdenden Arbeitsstoffe sind in der Grenz- werteverordnung (GKV 2018) verzeichnet. (Seite 40) Vorhofflimmern: häufigste Form der Herzrhyth- musstörung, bei der atypische elektrische Erre- gungen der Herzvorhöfe zu ungeordneten Bewe- gungen der Herzwände führen. Es kann sich in Form von Herzrasen, Schlafstörungen, Schwindel, Müdigkeit etc. bemerkbar machen, wird aber von vielen Betroffenen überhaupt nicht bemerkt. Durch Vorhofflimmern erhöht sich das Risiko für Schlag- anfälle und Herzinsuffizienz. (Seite 41) Work-Life-Blending: Begriff für den fließenden Übergang von Arbeit und Privatleben; Arbeits- und Privatwelt werden nicht mehr als Gegensätze ge- sehen. Das kann einerseits das optimale Zusam- menspiel zwischen Arbeits- und Privatleben be- deuten, aber andererseits auch dazu führen, dass Beschäftigte nicht nur nach Feierabend Mails bearbeiten, sondern etwa durch von den Unterneh- men empfohlene Fitness-Apps auch ihr Freizeit- verhalten verändern. (Seite 33)