16 Arbeit&Wirtschaft 3/2019 17Arbeit&Wirtschaft 3/2019 D ie Kommunikation mit den Be- schäftigten ist eine der wichtigsten Aufgaben von BetriebsrätInnen. Um sich als Bindeglied zwischen der Belegschaft und der Betriebsleitung für die Interessen der ArbeitnehmerInnen bestmöglich einsetzen zu können, sind sie auf eine gute Kommunikation ange- wiesen. Doch auf welchen Wegen findet diese statt? Eine Frage, die Reinhold Binder, Bundessekretär der PRO-GE, beant- worten kann. Das Hauptaugenmerk sei- ner Arbeit liegt auf der Betreuung und Servicierung von BetriebsrätInnen. Er betont: „Im Zentrum der Betriebsrats- kommunikation stehen immer noch die persönliche Ansprache bzw. das persön- liche Gespräch. Direkt mit der Beleg- schaft in Kontakt zu treten ist nach wie vor das A und O.“ Gutes altes Schwarzes Brett Ebenfalls häufig von BetriebsrätInnen genutzte Kommunikationswege sind ihm zufolge Anschlagtafeln und schwarze Bretter im Unternehmen beziehungswei- se – dort, wo sie vorhanden sind – Be- triebsratszeitungen. All diese Möglichkei- ten, mit der Belegschaft in Kontakt zu treten, sind ausschlaggebend für die öf- fentliche Wahrnehmung der betriebsrät- lichen Bemühungen und Leistungen. Ebenso gibt es viele Unternehmen, in denen die Kultur von Betriebsversamm- lungen eine hohe Priorität hat. Und das ist laut Binder auch gut so. All diese Kom- munikationswege werden auch zukünftig wichtig bleiben und daher auch weiterhin bestehen. Dennoch gibt bei Gewerkschaft und BetriebsrätInnen das Bestreben, dieses bestehende Kommunikationsnetz zu er- gänzen. Denn nicht in jedem Unterneh- men können alle MitarbeiterInnen da- mit erreicht werden. Im Rahmen der Digitalisierung sind beispielsweise neue Arbeitsmodelle entstanden wie Remote oder Teleworking sowie das Arbeiten im Home-Office. „Hier braucht es eine an- dere Ebene für den Kontakt“, merkt Reinhold Binder an. Ein erster Schritt dahin, auch Mitar- beiterInnen zu erreichen, die nicht tag- täglich im Betrieb sind, wurde 2003 mit der Betriebsrats-Homepage gesetzt. Da- bei handelt es sich um einen Web-Auf- tritt von BetriebsrätInnen, über den der Belegschaft Informationen zugänglich gemacht werden können. Im Rahmen eines VÖGB-Seminars werden sie da- hingehend von Wolfgang Brandl ge- schult, der im Bereich Web-Konzeption und -Produktion im ÖGB Verlag tätig ist. Sie haben die Möglichkeit, eine vor- definierte Website auf ihre individuellen Bedürfnisse sowohl inhaltlich als auch grafisch anzupassen. Erleichterungen Eine noch relativ neue Entwicklung ist die Betriebsrats-App (kurz BR-App). Diese wurde vom ÖGB Verlag in Koope- ration mit der Fachgewerkschaft PRO- GE entwickelt. Im Vorfeld wurde erho- ben, was BetriebsrätInnen brauchen und wo sie sich Unterstützung wünschen. Gefragt war ein stabiles und datenschutz- konformes Kommunikations-Tool mit dem Ziel, die Kommunikation mit der Belegschaft zu erleichtern. Denn diese wird vor allem in solchen Unternehmen zur Herausforderung, in denen Mitarbei- terInnen im Außendienst beschäftigt sind, auf Montage arbeiten oder viele KundInnentermine auswärts wahrneh- men müssen. Neue Arbeitswelt Die Erfahrung hat gezeigt: Je geringer die Anwesenheitszeiten im Betrieb, desto schwieriger ist es für BetriebsrätInnen, direkt mit den MitarbeiterInnen in Kon- takt zu treten. Alle zu einem bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig zu erreichen wird da fast zur Unmöglichkeit. Und genau da kommt die BR-App ins Spiel. Kurz zusammengefasst, handelt es sich dabei um ein Kommunikations- Tool, bei dem die Informationen der BetriebsrätInnen direkt auf die mobilen Geräte der KollegInnen kommen – und das zeitnah, ortsunabhängig und per- sönlich. „Das Einzige, was jeder hat, ist ein Handy“, so Reinhold Binder. Gera- de deshalb ist für ihn die BR-App das geeignete Kommunikations-Tool für den Betriebsrat. Die erste Erstellung ist relativ einfach: Die App verfügt über ein Grundgerüst, das sich rasch nach den Bedürfnissen der einzelnen BetriebsrätInnen individuali- sieren und adaptieren lässt. Angeboten werden die unterschiedlichsten Features: Es können News veröffentlicht und Ver- anstaltungen promotet werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, Push-Notifications zu versenden. Bei individuellen Fragen können die MitarbeiterInnen des Unter- nehmens direkt mit dem Betriebsrat über ein Kontaktformular in Kontakt treten. Hierbei ist die Vertraulichkeit der Anfra- ge von großer Bedeutung, die Kommu- nikation findet dann nicht öffentlich, sondern per E-Mail statt. Datensicherheit hat generell einen sehr hohen Stellenwert: Der ÖGB legt großen Wert auf die Sicherheit der ihm anvertrauten Daten. Daher sind sensible Informationen durch einen Log-in ge- schützt. Es handelt sich um eine stabile technische Basis, die mit Transparenz, Effizienz, Qualität und Sicherheit punk- tet. Neben der App ist auch eine Desk- top-Variante verfügbar. Seit Kurzem ist die App bereits im Einsatz: „Die ersten Betriebe nutzen die App schon, und einige weitere sind be- reits in der Vorbereitungsphase“, berich- tet Binder. Die Rückmeldungen fasst er folgendermaßen zusammen: „Betriebs- rätInnen schätzen die Realisierung einer raschen Kommunikation, die einfache Handhabung und den guten Marketing- auftritt der Betriebsratskörperschaft.“ Social Media unausweichlich Wenn man von modernen Kommunika- tionsmedien spricht, kommt man in der heutigen Zeit kaum an Social-Media-Ka- nälen vorbei. Doch eignen sich diese auch für BetriebsrätInnen, und werden sie von ihnen genutzt? Reinhold Binders Ein- schätzung: Eher nicht. Zwar nutzen Ge- werkschaften den Kanal Facebook, um Informationen unter die Leute zu brin- gen, aber auf Betriebsratsebene ist dies häufig schwierig. Ein Betriebsrat hat zwar die Aufgabe, Informationen an die Be- legschaft weiterzureichen, ist aber auch zur Verschwiegenheit verpflichtet. Aktu- elle Probleme innerhalb des Unterneh- mens auf einer öffentlichen Plattform zu diskutieren ist deshalb heikel. Sicherer Ort der Kommunikation Die BR-App stellt da einen sichereren Ort für diese Art von Kommunikation zur Verfügung. Eines sollte man aber auch hier nicht vergessen: Social Media haben die Art und Weise, wie Menschen heutzutage Informationen konsumie- ren, grundlegend verändert. Wenn also Informationen in Form von News über die App verfügbar gemacht werden, soll- te man laut Binder Folgendes beachten: „Die Bildsprache ist enorm wichtig ge- worden. Sie ruft Emotionen hervor und zielt auf das Bauchgefühl von Menschen ab. Niemand liest sich gerne einen end- los langen Beitrag durch. Ja, Informati- onen sind wichtig, aber am leichtesten konsumierbar, wenn sie knackig und fetzig sind.“ Fallweise finden auch WhatsApp- Gruppen Verwendung unter den Be- triebsrätInnen. „Vor allem dann, wenn MitarbeiterInnen dezentral tätig sind“, weiß Wolfgang Brandl vom ÖGB Ver- lag. Öfters wird zudem das Firmen- Intranet genützt, um für die Belange der Betriebsratskörperschaft einen eige- nen Bereich zu erstellen. Viele Betriebs- rätInnen haben jedoch festgestellt, dass sie dabei von der Firma abhängig sind, die jederzeit Zugriff auf diese Seite hat. Daher ist der Wunsch entstanden, et- was Eigenständiges zu haben, wie eben die BR-Homepage oder die BR-App. Schon vor der Einführung der BR- App konnte er einen Trend weg von der Website und hin zu einer App feststel- len. „Mit der App hat man die Infor- mationen direkt in der Hosentasche“, fasst Brandl den großen Vorteil zusam- men. „Damit muss man nicht erst aktiv auf eine Website gehen. Statt der Hol- schuld der MitarbeiterInnen kann der Betriebsrat oder die Betriebsrätin mit- hilfe von Push-Nachrichten Informati- onen direkt aufs Handy senden. Und ein Handy hat heutzutage wirklich schon jeder.“ Analog bleibt wichtig Auch Brandl bestätigt, dass viel noch über analoge Wege funktioniert – das persön- liche Gespräch sowie Anschläge auf schwarzen Brettern werden für Betriebs- rätInnen nie komplett wegfallen. Aber mithilfe der neuen technologischen Mög- lichkeiten lässt sich die Kommunikation dennoch vereinfachen und auf Personen ausdehnen, die auf anderen Wegen nicht erreicht werden können. Interesse an der App? Anmeldung: www.meinbr.online VÖGB-Seminar „Die Betriebsratswebsite“ tinyurl.com/y6joe8rf Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin beatrix.mittermann@oegbverlag.at oder an die Redaktion aw@oegb.at Kommunikation mit App Die Veränderungen der Arbeitswelt machen es für BetriebsrätInnen oft schwierig, mit den KollegInnen in Kontakt zu treten. Eine App soll Abhilfe schaffen. Beatrix Mittermann Redakteurin des ÖGB-Verlags © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l Im VÖGB-Seminar können BetriebsrätInnen bei Wolfgang Brandl ihre eigene Homepage an ihre Bedürfnisse anpassen. Ein neues Service ist die Betriebsrats-App.