161  Erwerbsarbeitsmarkt oder den informellen und/oder Haushaltssektor. Diese Unterschiede lassen sich  u.a. auf kulturelle und politische historische Entwicklungen zurückführen.   Das  System  des  formalen  Betreuungswesens  besteht  in  der  Folge  aus  drei  unterschiedlichen  Kategorien:  (1)  Varianten  der  Arbeitszeitgestaltung  bzw.  Arbeitsfreistellung  wie  Mutterschutz,  Karenzzeiten,  Möglichkeiten  zur  Teilzeitarbeit,  (2)  monetäre  Unterstützungsleistungen  inklusive  Steuererleichterungen und (3) Sachleistungen wie Kinderbetreuungseinrichtungen und Heimhilfe für  ältere Menschen.   Die Rolle des informellen Betreuungssektors kann in erster Linie aus Erhebungen der Zeitverwendung  erfasst  werden  (Haushaltsbefragung),  die  anderen  Aspekte  aus  administrativen  Statistiken  oder  Erhebungen. (vgl. Bettio/Plantenga 2004: 86ff)   Im  Folgenden wird  auf die Organisationsstruktur und  Finanzierung der Kinderbetreuung  sowie der  Altenbetreuung und Pflege eingegangen, den beiden wesentlichen Bereichen der Betreuungsarbeit in  der Sozialwirtschaft. Länder, die im Vergleich mit Österreich dargestellt werden, sind die Niederlande,  Dänemark, Schweden und Frankreich.   4.1. Niederlande  Die Niederlande haben  eine  lange  Phase der Reform des  Sozialstaates hinter  sich.  Sie hatte  ihren  Ausgangspunkt in der Krise der frühen 1980er Jahre, als die Arbeitslosenquote knapp 20 % erreichte,  das Budgetdefizit explodierte und das Wirtschaftswachstum darnieder lag. (Visser/Hemmerijck 1998)  Die  Antwort  auf  die  Krise  war  das  Abkommen  von  Wassenaar  (1982)  zwischen  Arbeitgebern,  Gewerkschaften  und  dem  Staat.  Es  brachte  eine Verringerung  der Arbeitszeit  auf  36  Stunden  pro  Woche,  eine  Flexibilisierung der Arbeit,  Lohnzurückhaltung der Gewerkschaften,  eine  Senkung der  Steuern  und  Sozialabgaben  und  einen  Ausbau  der  sozialen Dienste.  In  der  Folge  erholte  sich  das  Wirtschaftswachstum wieder, die Arbeit wurde auf mehr Köpfe verteilt, vor allem Frauen strömten  verstärkt  auf  den  Arbeitsmarkt.  Sie waren  die  Ressource  an  qualifizierten  Arbeitskräften,  die  die  Niederlande  brauchten,  um  aus  der  Krise  heraus  zu  kommen.  Lebensphasengerechte  Arbeitszeitmodelle wurden  forciert;  das  bedeutet,  dass  in  der  Phase  der Mutter?  und  Vaterschaft  nicht nur Frauen sondern auch Männer  ihre Arbeitszeit verkürzen  (um 20?30 %), um  ihre Kinder zu  betreuen, eine Notwendigkeit angesichts der Knappheit an Kinderbetreuungseinrichtungen.  In der jüngsten Wirtschaftskrise wurden auch die Niederlande getroffen. Die Beschäftigungsziele der  Lissabon?Strategie konnten aber erfüllt werden. Die Frauenerwerbsquote lag schon im Jahr 2007 mit  69,6 % deutlich über den vorgegebenen 60 %. Allerdings ist die Beschäftigung auf Teilzeit bei Frauen  sehr  häufig,  insbesondere  auch  in  höherem  Alter:  bei  einer  Betrachtung  von  Vollzeitäquivalenten  sinkt die Frauenerwerbsquote auf 44,4 %.   Die Arbeitslosenquote ist im europäischen Vergleich sehr niedrig; sie ist auch in der Wirtschaftskrise  nur  leicht  auf  etwa  3,7%  2009  angestiegen  und  hält  bei  derzeit  4,3%.  Besonders  niedrig  ist  die  Arbeitslosenquote  der  15  bis  24?Jährigen,  nicht  zuletzt  weil  Jugendliche  unter  18  ein  Recht  auf  Bildung  und/oder  Arbeit  haben.  Ethnische  Minderheiten  sind  unter  den  Arbeitslosen  überrepräsentiert,  und  zwar  in  allen  Alterskategorien.  Nicht?Westliche  Minderheiten  sind  am  häufigsten  von  Armut  betroffen,  aber  auch  AlleinerzieherInnen?Haushalte  und  Haushalte,  die  auf  Transferleistungen  (außer Pensionen) angewiesen sind. Die Niederlande sind eines  jener EU?Länder