Folgejähren können die vollen Normalabschreibungen abgesetzt werden, insgesamt ergibt sich damit eine Abschreibung von 120 Prozent der An¬ schaffungskosten. Der Investitionsfreibetrag hat damit geringere Aus¬ wirkungen auf die Kostenstruktur des Unternehmens im Anschaffungs¬ jahr als die vorzeitige Abschreibung, er tendiert jedoch ebenso zur Ver¬ stärkung der konjunkturellen Investitionsschwankungen und führt über¬ dies zu direkten fiskalischen Einbußen. Bei anderen steuerlichen Begünstigungen wird keine unmittelbare Wirkung auf das Investitionsverhalten der Unternehmen angestrebt; die betriebliche Kapitalbildung soll durch die Möglichkeit der Bildung einer steuerfreien Rücklage in Personengesellschaften und Einzelfirmen erleich¬ tert werden. Wesentlichere Bedeutung kommt der Rücklage für künftige Abfertigungen zu, deren steuerfreie Bildung von der Unternehmensform unabhängig ist. Die Dotierung dieser Rücklage kann als gewinnmindernd bis zum Ausmaß von 80 Prozent aller künftigen Abfertigungen geltend gemacht werden. Faktisch steht dieses Kapital dem Unternehmen lang¬ fristig zur Verfügung, es wird daher in den meisten Untersuchungen dem Eigenkapital zugeschlagen beziehungsweise ihm »Eigenkapitalcharakter« bescheinigt.9 Dem gegenteiligen Zweck — einer Erhöhung der Ausschüt¬ tung von Unternehmen — sollte die Einführung des »gespaltenen Körper¬ schaftsteuersatzes« dienen. Eines der Motive für diese Förderungsma߬ nahme war die Erwartung, dadurch zu einer Änderung der Ausschüttungs¬ politik von Großunternehmen und damit wieder zu einer Mobilisierung von Beteiligungskapital beizutragen. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, daß sich wenig an der Dividendenpolitik der österreichischen Aktiengesell¬ schaften geändert hat; auf die dadurch geänderte Finanzierungspolitik auf Konzernebene (Schütt aus-Hol zurück-Verfahren) wurde bereits hin¬ gewiesen. Das Strukturverbesserungsgesetz Eine Problematik besonderer Art bringt das sogenannte »Strukturver¬ besserungsgesetz« mit sich, auf das bereits im Zusammenhang mit der Offenlegung stiller Reserven hingewiesen wurde. Dieses Gesetz wurde im Jahre 1969 beschlossen, um steuerliche Hindernisse für Fusionen und für Änderungen der Rechtsformen von Kapitalgesellschaften, Personen¬ gesellschaften und Einzelunternehmen abzubauen und damit Strukturan¬ passungen zu erleichtern. Neben einer Reduktion beziehungsweise einem Wegfall der Kapitalverkehr- und Grunderwerbsteuern liegt der Vorteil vor allem in der Möglichkeit, bereits abgeschriebene Anlagegüter neu zu bewerten und von diesen erhöhten Teilwerten in den Folgejähren wieder Abschreibungen vornehmen zu können. Am Beispiel der Ganahl AG kann demonstriert werden, welche Ausmaße diese Aufwertungen annehmen. Die Einbringungsbilanz zweier Betriebe dieses Unternehmens aus dem Jahre 1975 weist ein ursprüngliches Anlagevermögen von 172 Millionen Schilling aus, durch Aufwertungen von 270 Millionen Schilling ergibt sich das Anlagevermögen der neuen Aktiengesellschaft mit 442 Millionen Schilling. Dieses Beispiel stellt keinen Sonderfall dar, in nahezu allen 14