Verstärkung der destabilisierenden Wirkung von Investitionsanreizen zu befürchten. Versuchen, das derzeit bestehende Investitionsförderungssystem, die indirekte Investitionsförderung, durch Gewährung direkter Prämien zu ersetzen, steht das Argument einer wesentlichen Erhöhung des admini¬ strativen Aufwandes und der begrenzten Steuerungskapazität des admini¬ strativen Apparates gegenüber (ganz abgesehen von den »ordnungspoli¬ tischen« Einwänden, die von Unternehmerseite gegen eine solche Ände¬ rung erhoben werden). Ein System steuerfreier Rücklagenbildung, der Thesaurierung von Gewinnen in Zeiten der Hochkonjunktur und der Freigabe von Mitteln in der Rezession, würde dagegen einen relativ geringfügigen administrativen Mehraufwand erfordern. Der Vorteil dieser Maßnahme liegt, wie bereits ausgeführt wurde, in der Möglichkeit, einen Teil der privaten Investitions¬ tätigkeit in die antizyklische Konjunkturpolitik zu integrieren und damit zumindest zu einer Milderung der konjunkturellen Schwankungen von Anlageinvestitionen beizutragen.29 Der Umbau der derzeitigen steuerlichen Investitionsförderung, ein vollständiger beziehungsweise teilweiser Ersatz des derzeitigen Systems durch Förderung der Bildung von Investitionsrücklagen und des Einsatzes der thesaurierten Mittel zum wirtschaftspolitisch erwünschten Zeitpunkt würde nicht nur die destabilisierenden Effekte vermeiden, sondern auch gegensteuernde Maßnahmen des Staates komplementär ergänzen. Darüber hinaus bietet ein solches System Möglichkeiten für eine Einbeziehung strukturpolitischer und regionalpolitischer Zielsetzungen durch Freigabe von Mitteln für bestimmte Investitionszwecke (beispielsweise Investitionen für den Umweltschutz, in energiesparende Anlagen und so weiter) oder für Investitionen in strukturschwachen Gebieten. Überdies würde sich auch der Druck auf den Staatshaushalt in Rezessionsphasen verringern, durch massive Erhöhung der öffentlichen Investitionen und direkte Sub¬ ventionierung von Unternehmerinvestitionen zur Konjunkturstabilisie¬ rung beizutragen. Selbst wenn man also annehmen würde, daß ein solches Konzept öffentliche Förderungsmittel in derselben Höhe wie jetzt bean¬ spruchen würde, ergäbe sich dennoch eine Entlastung des Staatshaushalts. 23