tieren jedoch nicht oder nur unwesentlich in Veränderungen der öffent¬ lichen Einnahmen oder Ausgaben. Auch solche Entscheidungen, seien sie ihrem Ursprung nach wirtschafts-, sozial- oder rechtspolitischer Natur, belasten aber die einzelnen Einkommensschichten unterschiedlich. Ein Bereich, der bereits durch einige Untersuchungen näher erforscht wurde, ist der umweltpolitische.27 Als erster Schritt muß dabei die räum¬ liche Verteilung der Umweltverschmutzung (generell oder einer gewis¬ sen Verschmutzungsquelle) festgestellt werden. Damit wird dann die räumliche Verteilung der Bevölkerung — gegliedert nach Einkommen und so weiter — verglichen. Nach der Feststellung der Belastungen — gegliedert nach sozialen Merkmalen — müssen die Kosten und Nutzen der Umweltschutzmaßnahmen eruiert werden, um letztlich zu einer Ver¬ teilung der Nettonutzen beziehungsweise -kosten zu kommen. Aber auch bestehende gesetzliche Regelungen (beziehungsweise »Nicht- regelungen«) könnten auf ihre verteilungspolitischen Konsequenzen un¬ tersucht werden. Insbesondere das Zusammenspiel einer bestimmten Rechtssituation und einer spezifischen wirtschaftlichen und sozialen Ent¬ wicklung kann zu deutlichen Umverteilungen führen. Hier soll nur auf die Spekulationsgewinne bei einem freien Bodenmarkt und immer knapper werdendem Boden verwiesen werden. Es wäre sicherlich interessant, Näheres über die Umverteilung von Mietern, Konsumenten und so weiter zu den Grundbesitzern zu erfahren. • Man sieht also deutlich, daß nicht nur eine Verfeinerung der Metho¬ dik der »traditionellen« Verteilungsuntersuchungen notwendig ist. Von zu¬ mindest ebensolcher Bedeutung ist es, die verteilungspolitischen Folgen der übrigen staatlichen Tätigkeit — beziehungsweise Absenz — theore¬ tisch in den Griff zu bekommen. Für verteilungspolitisch interessierte Ökonomen gibt es also genug Arbeit. Aber man muß sich im klaren sein, daß selbst dann über die Verteilung von abgeleiteten »immateriellen« Gütern wie Macht, Zufriedenheit und so weiter noch keine unmittelbaren Aussagen möglich sind. Auch diesbezüg¬ lich sollten sich Ökonomen und andere Sozialwissenschafter bemühen. Letztlich können nur auf Grund einer Analyse aller Ebenen Aussagen über Verteilung und Umverteilung von Lebenslagen gemacht werden. III. Wirtschaftspolitische Schlußfolgerungen 1. Die Schwierigkeiten, denen sich der Staat bei seinen Versuchen umzuverteilen gegenübersieht, resultieren sowohl aus den Interessen jener gesellschaftlichen Gruppen, die dadurch verlieren würden, als auch aus der allgemein verbreiteten Ideologie einer leistungsgerechten Entlohnung. Was Ch. Jenks für die Amerikaner sagt, gilt sicherlich ebenso, wenn auch in abgeschwächter Form, für andere Industriestaaten: »Die Amerikaner haben ein starkes Gefühl, daß, wenn sie einmal eine gewisse Summe Geld verdient haben, dieses Einkommen ihnen gehört, damit sie sie so verwen¬ den können, wie sie es für richtig halten. Sie betrachten Steuern als ein notwendiges Übel und keineswegs als ein Instrument zur Beeinflussung der Einkommensverteilung.«28 55