Deshalb sollten sich auch die verteilungspolitischen Bemühungen auf die primäre Einkommensverteilung konzentrieren. »Eine Umverteilung der primären Einkommen nimmt von denjenigen, die durch außergewöhn¬ lich viel Glück oder Fähigkeit ausgestattet sind, Einkommen, noch bevor sie eine präzise Vorstellung davon haben, was ihnen gerechterweise >gebührt<.«29 • Angesichts der gesellschaftspolitischen Situation in Österreich müßte eine »Umverteilung« der Primäreinkommen sowohl staatlicherseits als auch von Seiten der Gewerkschaften ausgehen. Was den Staat betrifft, so könnte dieser einerseits bei der Gehaltspolitik im öffentlichen Sektor im engeren Sinn, anderseits bezüglich der Managergehälter im gesamten verstaatlichten Bereich einen beispielgebenden Einfluß ausüben. Die Ge¬ werkschaften wieder könnten sowohl anläßlich der Kollektivvertragsver¬ handlungen als auch im Rahmen der betrieblichen Mitbestimmung die hohen, insbesondere die Spitzengehälter stärker einer Diskussion unter¬ ziehen. Als erster Schritt könnte im Sinne vermehrter Transparenz die Veröffentlichung der Gehälter verlangt werden. Auch wenn aus den Diskussionen unmittelbar keine Umverteilung der Primäreinkommen erfolgt, so könnte dennoch die Selbstverständlichkeit, mit der hohe Einkommensunterschiede zur Kenntnis genommen und mit der Eingriffe in ein »gerechtes« Entlohnungssystem abgewehrt werden, ins Wackeln gebracht werden. Damit erhielten auch Umverteilungsbestre¬ bungen eine größere Chance auf Verwirklichung. 2. Die Analysen der VerteilungsWirkungen der Staatseinnahmen haben im großen und ganzen eine nur leicht progressive Belastung der Einkom¬ men gezeigt. Umverteilungen haben sich zwischen den Spitzeneinkommen und den untersten Einkommen ergeben. Der mittlere Bereich zeichnet sich durch eine proportionale Belastung aus. Allerdings ist dies ein Ergebnis einer progressiven Belastung durch die Einkommensteuer und einer regressiven Belastung durch die indirekten Steuern. Es ist interes¬ sant, daß die die Untersuchungen durchführenden Wissenschafter — zum Unterschied von vielen Politikern — keinen Grund sahen, von den her¬ kömmlichen Inzidenzannahmen abzugehen. Als Schlußfolgerung ergibt sich nun folgendes: • Das Verhältnis von indirekten zu direkten Steuern scheint nach wie vor für die verteilungspolitischen Auswirkungen der Staatseinnahmen von Bedeutung. • Eine progressive Gestaltung der Einkommensteuer muß nicht so sehr von der Tarifgestaltung ausgehen. Durch einen Verzicht von nicht mehr gerechtfertigten Steuerbegünstigungen könnten die theoretischen Steuersätze mit den effektiven Belastungen der mittleren und oberen Einkommen stärker in Einklang gebracht werden. • Auch bezüglich der indirekten Steuern, insbesondere der Umsatz¬ steuer, ist die nähere Ausgestaltung von Bedeutung. So kann ein niederer Steuersatz für die Güter des täglichen Bedarfs die regressive Wirkung der Umsatzsteuer nicht unbedeutend vermindern. • In bezug auf die Einnahmenseite der Sozialversicherung sind vor allem zwei Überlegungen anzustellen. Erstens ist die Frage zu stellen, ob 56