fragt es sich, ob nicht ein anderer Weg in den westlichen entwickelten Indu¬ striestaaten heute gangbarer und leich¬ ter realisierbar ist? Wenn heute in wachsendem Aus¬ maß immer mehr Unternehmen frei¬ willig auf eine Kapitalbeteiligung und Mitbestimmung in der oder jener Form eingehen und in dieser Richtung be¬ reits Hunderte von Experimenten exi¬ stieren, dann ist dies schon an und für sich ein wichtiges Symptom — auch wenn ich mir voll bewußt bin, daß viele Unternehmer damit eher die Er¬ haltung des privaten Kapitaleigentums verfolgen. Daß sie dennoch diese neuen Formen und Wege suchen, zeugt schon davon, daß mit dem alten kapitalisti¬ schen Druck auf die Arbeiter mit Hilfe einer Arbeitslosenarmee langfristig nichts mehr zu erreichen ist. Wenn sich nun die Gewerkschaften und an¬ dereArbeiterorganisationen zielbewußt für eine fortschreitende Kapitalbetei¬ ligung und Mitbestimmung einsetzen würden, mit der klaren Vorstellung vor Augen, daß auch eine demokrati¬ sche Makroplanung und Marktregulie¬ rung eingeführt werden müßten, wenn diese Beteiligungsprozesse in dem alten kapitalistischen Wirtschaftsmechanis¬ mus nicht ihre positive Wirkung ver¬ lieren sollen, dann hätte diese politi¬ sche Entwicklung eine Realisierungs¬ chance. Auf jeden Fall würde ich heute allen Wegen, auf welchen eine demo¬ kratisch entstandene politische Mehr¬ heit gut vorbereitete und durchdachte Systemreformen durchsetzen würde, immer den Vorzug geben gegenüber allen jenen Bestrebungen, bei welchen zwar die Mängel des Kapitalismus radikal angeprangert werden, aber die konkreten Systemreformen, mit wel¬ chen der Kapitalismus zum Vorteil der arbeitenden Menschen ersetzt werden könnte, nicht mehr so wichtig erschei¬ nen und nur mit abstrakten Losungen abgetan werden. 93