stark überschätzt hatte. Nicht nur haben sich Richtung und Ausmaß des technischen Fortschritts in der längeren Frist als unvoraussehbar erwiesen, selbst die Konjunktur¬ prognose, das Lieblingskind der »Modellbastler«, hat die markanten Wendepunkte der Konjunktur meist verfehlt. Total versagt hat sie in der Einschätzung der Lage vor dem scharfen Entwicklungsbruch der Jahre 1974/75, der nicht vorausgesehen wurde. Diese Fehlschläge haben sich auch in einer »Tendenzwende« der Theorie ausgewirkt. Einige der prominentesten Vertreter der Prognosetechnik warnen seither vor einer Überschätzung der Leistungs¬ fähigkeit ökonometrischer Modelle zur Erklärung tief¬ greifender sozio-ökonomischer Wandlungen. Ganz all¬ gemein hat sich gezeigt, daß auch zwischen dem Grad der technischen Verfeinerung von Prognosemethoden und der Treffsicherheit der Voraussagen kein signifikanter Zusammenhang besteht. Zweitens ist auch die Art der Planerstellung und der Festlegung von Planungszielen zunehmend Gegenstand der Kritik geworden. Selbst wenn die oben angeführten Prognosemethoden erlaubt hätten, ökonomisch relevante Wandlungen des gesellschaftlichen Bewußtseins voraus¬ zusagen, wären die existierenden Planungssysteme nicht flexibel genug gewesen, um den notwendigen Anpassungs¬ prozeß an die geänderten Erfordernisse in die Wege zu leiten. Dies mag zum Teil daran liegen, daß — wie im System der französischen »planification« — bedeutende gesellschaftliche Kräfte auf die Erstellung von Planzielen und die Instrumente der Planerfüllung keinerlei Einfluß ausüben können. Darauf haben in der Planungsdiskussion der sechziger Jahre in Österreich gerade die Gewerk¬ schafter, die in der Rahmenplanung ein taugliches Instru¬ ment der Wirtschaftslenkung sahen, immer wieder hin¬ gewiesen. Auch die französische Planung hat aus diesem grund¬ sätzlichen Mangel zu lernen versucht, die jüngsten »Pläne« haben der sozialen Dimension bedeutend breiteren Raum gegeben. Das Planungskommissariat wurde darauf¬ hin zumindest von einigen Kommentatoren geradezu zum Hort einer linken Planungsbürokratie hochstilisiert. Frei¬ lich verlor damit die planification nicht ihren grund¬ sätzlich technokratischen Charakter, durch die Verfeine¬ rung der Planungstechniken wurden im Gegenteil noch die Möglichkeiten des Zugangs, der Überschaubarkeit und Kontrolle für die von der Planung Betroffenen verringert. Gerade aus dem letztgenannten Grund kann Skepsis gegenüber der Vorstellung angemeldet werden, daß allein durch Beiziehung von Experten aus der Arbeiterbewegung 324