Investitionen etc. übernehmen. In der Vergangenheit haben wir es häufig erlebt, daß gerade solche Aufgaben aus konjunktureller Rücksichtnahme vernachlässigt werden. Wenn staatliche Instanzen ihre Güter- und Dienst¬ leistungen auch (i. d. R.) nicht zu Marktpreisen anbieten, so wäre es völlig verfehlt, den Staat lediglich als Anbieter von Konsumgütern zu begreifen, die im Zweifel so ineffizient erstellt werden können, daß die öffentlichen Hände zum Arbeitgeber für diejenigen werden können, die sonst keinen Job finden. Solche Fehlentwicklungen waren zu beobachten. Sie haben mit zur Staatsverdrossenheit geführt. Ein Argument für die staatliche Wahrnehmung von Aufgaben war immer, daß investive Aufgaben mit langem Zeithorizont, großem Risiko und erheblichen externen Effekten von der Privatwirtschaft nicht genügend durchgeführt werden. Hier ist es an der Zeit, daß der Staat seine Anbieterrolle ernster nimmt. Der Staat gehört zum tertiären Sektor. Nach der Dreisektorenhypothese wird nun häufig argumentiert, daß wegen der Tendenz zur Dienstleistungs¬ gesellschaft die Verschlechterung der Angebotsbedingungen im privaten und vor allem im industriellen Sektor unbedenklich sei. Diese Inter¬ pretation der Dreisektorenhypothese ist irreführend. Aus ihr können nämlich nur zwei Trends abgelesen werden: Im staatlichen Bereich steigt der Preisindex überproportional; im privaten Bereich sinkt das Beschäftigungsvolumen überproportional. Um demnach eine befriedigende Mischung von Mengen- und Preisniveauwachstum in der Gesamtwirtschaft beibehalten zu können, bedarf es eines starken privaten Sektors. Was kann der Staat hier tun? Es ist ein Merkmal des Verteilungskampfes, daß gegenwärtige An¬ sprüche eher als zukünftige durchgesetzt werden. Dieser Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse kann neben der Einkommenspolitik die gesamt¬ wirtschaftliche Angebotspolitik entgegentreten, indem sie zunächst von der Produktivitätsseite dem Kostendruck entgegenwirkt. Eine solche Politik fördert das Mengen- und reduziert das Preisniveauwachstum. Sie bezieht sich konkret auf die Förderung privater FuE-Aufwendungen und Investitionen. Ausgehend von dem Prinzip, daß die gesamtwirtschaftliche Steuerung zwischen Konsum- und Investitionsausgaben diskriminieren müsse, hat die Kommission bei voller Zustimmung beider Tarifparteien die Prinzipien und Differenzierungen einer solchen Politik im Detail geprüft und einen solchen Kurs empfohlen. Es ist unmöglich, die not¬ wendigen Einzelheiten dieser Angebotspolitik in diesem kurzen Beitrag darzustellen. Hier muß auf das Gutachten verwiesen werden. Angebots- und Strukturpolitik Jede langfristige Angebotspolitik ist Strukturpolitik. Obgleich das eigentlich selbstverständlich ist, ist dieses Thema in der Bundesrepublik Deutschland heftig umstritten. Viele sehen in der Strukturpolitik eine Abkehr von der sozialen Marktwirtschaft. Angesichts eines solchen Diskussionsstandes war es zunächst nicht leicht, über dieses Thema mit den Vertretern der Tarifparteien zu sprechen. Ein Dialog kam erst 338