Dinge: Weder eine Überdramatisierung noch Patentrezepte sind am Platz. Beides hängt zusammen: Wenn die konservative Opposition im Eigen¬ interesse von einer Wirtschaftskrise, verursacht durch eine sozialistische Mißwirtschaft, spricht, dann darf man sich kaum wundern, daß sich die Parteien mit Patentrezepten überbieten. Es ist schon erstaunlich, welchen Einfluß gerade konservative Parteien dem Staat auf die Wirtschaft zutrauen. 3. Als es darum ging, in der Nachkriegszeit die zerstörte Wirtschaft wieder aufzubauen, da waren jedem die Prioritäten klar. Die Ziele der Langfristpolitik waren außerhalb jeder Diskussion: Durch Kooperation zu Wachstum und Beschäftigung. Die Ökonomen irrten, als sie das zum generellen Ziel erhoben. Der Verteilungskampf ist ein Kind einer ausweg¬ losen Situation und der Wohlstandsgesellschaft. Heute läßt er sich nicht mehr mit Wachstum überspielen. 4. Natürlich werden diejenigen, die in Verbänden und Parteien Ver¬ antwortung ausüben, angesichts der Arbeitslosigkeit handeln müssen. Sie werden auf dem Register der kurzfristigen Globalsteuerung spielen: ihre »give-away«-Budgets und internationalen Konferenzen sind ein¬ drucksvoll. Jedoch wird der Katzenjammer nicht ausbleiben, wenn eine Steuersenkung in Milliardenhöhe auf den Einzelnen umgerechnet wird. — Doch selbst wenn im Herbst 1978 oder im Frühjahr 1979 sich die Konjunktur wegen oder trotz dieser Aktivitäten belebt, so bleiben die beschriebenen Langfristprobleme. 5. Nun sehe ich durchaus eine Chance, daß die Angebotsprobleme, bevor es zu spät ist, in Angriff genommen werden. Unser jetziger Finanz¬ minister war zuvor Forschungsminister. Dieses spricht dafür, daß die Fiskalpolitik in der Zukunft angebotsorientierter wird. Darüber hinaus hat gerade die Arbeit in der Kommission gezeigt, daß die Tarifparteien bei allen Differenzen und Konflikten in der Lage sind, sich auf eine qualitative Angebotspolitik zu einigen. Dieses über¬ rascht in Österreich nicht. In der Bundesrepublik Deutschland sieht dies für Fachkollegen leider anders aus. Sie würden den Verteilungskonflikt gern modellkonform auf die Lohnquote zugespitzt haben. Aber im eigenen Interesse werden die Arbeitgebervertreter diese Unterstützung nur partiell akzeptieren. In gutem Pfadfindergeist formulierte die Kommission gemeinsam: »Die relativ große Stabilität unseres Gesellschaftssystems ist die wichtigste Rahmenbedingung für die weitere Entwicklung und Modernisierung unserer Volkswirtschaft. Von der Existenz des Basiskonsenses legt auch die Arbeit der Kommission ein Zeugnis ab.« 340