EDITORIAL „Perspektiven für die achtziger Jahre" — Von den Schwierigkeiten wirtschaftspolitischer Programmatik Seit den späten sechziger Jahren hat es eine wahre Inflation an Programmen aller Art gegeben. Die Partei¬ en sind immer häufiger dazu übergegangen, nicht nur aus Anlaß bundesweiter Wahlen, sondern auch vor Landtags- oder sogar Gemeindewahlen Plattformen, Konzepte, Pläne etc. für die verschiedensten Pojitikbe- reiche zu präsentieren, die nicht selten durch längere analytische Ausführungen fachwissenschaftlich fundiert oder zumindest drapiert sind. Daß es bei der stattgefun¬ denen Intensivierung des Programmwettbewerbs zu¬ nehmend schwieriger geworden ist, originell zu sein, daß der Alterungsprozeß von Schlüsselbegriffen, die Zeit ihres Herabsinkens zur oder in der Nähe der bloßen Phrase erheblich verkürzt wurde, war eine notwendige Begleiterscheinung dieses zu Beginn von vielen enthusiastisch als „Versachlichung der Politik" gepriesenen Prozesses. Wer durch den immer dichter gewordenen Pro¬ gramm-Nebel zu blicken versucht, dem wird nicht verborgen bleiben, daß die programmatische Grundsub¬ stanz eher einer gewissen Verdünnung unterworfen war. Soweit dies die ursprünglichen ordnungspoliti¬ schen Gegenpositionen betrifft, wird dies von manchen begrüßt und von anderen bedauert werden, und dies aus höchst unterschiedlichen Motiven. Noch in einer anderen Hinsicht ist eine Veränderung an der Substanz von Programmen unverkennbar: der Verlust einer generell formulierbaren obersten Zielset¬ zung für die Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsentwick¬ lung schlechthin, zumindest in dem Sinne, wie dies in den fünfziger und sechziger Jahren der Fall war. „Füll Employment in a Free Society" hatte Lord Beveridge seinen Entwurf einer Wirtschaftspolitik für die Nachkriegszeit übertitelt. Diese Verbindung einer wirtschaftspolitischen mit einer ethisch-politischen Ziel¬ setzung ist kennzeichnend für die Aufbruchstimmung der Nachkriegszeit. 263