Auch die Verstaatlichung bzw. die gemeinwirtschaftlichen Unterneh¬ mungen gelten überall als Quelle der Mißwirtschaft und Verschwen¬ dung, wobei selten bedacht wird, daß es oft gerade gemeinwirtschaftli¬ che Erfordernisse waren, die zur Verstaatlichung oder Kommunalisie- rung geführt haben (Bahnen, Energieversorgung usw.). Es ist bezeich¬ nend für den Erfolg der konservativen Propaganda, daß selbst die Labour-Wähler in Umfragen vor den jüngsten Unterhauswahlen sich gegen jegliche Ausweitung der Verstaatlichung aussprachen, obwohl sämtliche verstaatlichten Industrien Großbritanniens (mit Ausnahme der Stahlindustrie, die — egal ob privat oder staatlich geführt — weltweit in einer Strukturkrise steckt) seit langem überwiegend sehr positiv abschnitten. Übrigens fanden die Befragten auch, daß die (eigenen!) Gewerkschaften zuviel Macht haben! Und schließlich: Wo eine immer breitere Schicht von Werktätigen sich allmählich zu kleinen Besitzbürgern wandelt — oder es zu werden hofft, wo immer mehr Leute in diesem Sinn was zu verlieren haben, werden allfällige Traditionen solidarischen Verhaltens von ganz andern Verhaltensmustern überlagert. „Schuld" an „Sozialparasiten", Gast¬ arbeitern, Wohlstands- und sonstiger Verwahrlosung und Kriminalität ist aber immer und vor allem die „laxe" Staatsführung, also reformerische Parteien und ihre Regierungen. Für law and order, Ruhe und Ordnung sorgen immer die Konservativen am besten... Die Massenmedien, die überall in fast totaler Verfügungsgewalt konservativer Kräfte stehen, tun das ihre, um die entsprechenden Grundhaltungen zu produzieren und zu festigen. Dem wird seitens der sozialdemokratischen oder reformerischen Parteien nur selten syste¬ matisch entgegengewirkt, vielfach gibt es auch hier opportunistische Anpassung. Vorteile ziehen daraus in kritischen Situationen immer die „anderen". Stagnation und Rechtstrend Die auslaufenden sechziger Jahre waren noch vielfach durch wachsende Militanz in den Betrieben und an den Hochschulen gekennzeichnet: Mai 1968 in Paris, heißer Sommer in Italien, Revolte gegen das Fließband in den Autofabriken der USA, Großbritanniens, Italiens und anderswo. Die an der Wende der Dekade einsetzende Stagnation und (nach dem Ölpreisschock in der Mitte der siebziger Jahre) beginnende neue Massenarbeitslosigkeit traf die Arbeiterbewegung jedoch weitgehend unvorbereitet, restriktive Wirtschaftskonzepte und Maßnahmen stießen auf wenig Widerstand und wurden auch von reformerischen Parteien und Regierungen praktiziert — wobei die Rechte die eigentliche vorwärtsdrängende oder besser rückwärtsdrängende Kraft war. Trotz steter Bemühungen um „flankierende Maßnahmen" für die sozial Schlechtergestellten: Haben Labour Party oder sozialliberale Koalition in der Bundesrepublik viel anders reagiert als unverfälscht 280