Wiles 73), oder aber: Gewisse Branchen (z. B. solche mit oligopolisti- scher Struktur, mit guter Nachfrageentwicklung) sind bereit, die höheren Löhne zu zahlen — inflationärer Effekt —, andere Branchen beschäftigen zu den höheren Löhnen weniger Leute — Arbeitslosig¬ keitseffekt (vgl. z. B.: Johnston 75). Das überhöht steigende Lohnniveau seinerseits wird erklärt durch steigende soziale Ansprüche, Orientie¬ rung des Lohnniveaus am .führenden' Sektor, Expansion und steigende Militanz der Gewerkschaften. 2. gegenläufige Nachfrageentwicklung: Diese führt nach dem Kon¬ zept der strukturellen Arbeitslosigkeit zu Arbeitslosigkeit, nach dem Konzept der strukturellen Inflation zu Inflation, und zwar gemäß folgendem Argumentationsschema. Nachfrageexpansion in gewissen Branchen führt zu einem allgemeinen Lohn- und Preisniveauanstieg — dies erklärt Inflation —, Nachfragerückgang in anderen Branchen führt zu Arbeitslosigkeit, allerdings nur solange, bis sich die Struktur des Arbeitskräftepotentials an die geänderte Nachfragestruktur ange¬ paßt hat. Änderungen der Nachfragestruktur und Anpassungsprobleme (Immobilität) des Faktors Arbeit erklären Stagflation. 3. starker Nachfragerückgang: Dieser führt gemäß dem keynesiani- schen Argument zu Arbeitslosigkeit, andererseits über unausgelastete Kapazitäten zu steigenden Gesamtstückkosten, die gemäß den .alterna¬ tiven Preistheorien' vor allem in oligopolistischen Branchen auf die Preise übergewälzt werden. Nachfragerückgang in einer oligipolisti- schen Wirtschaftsstruktur erklärt somit Stagflation. Bedingte Stagflationserklärungen Sich nicht widersprechende Inflations-Arbeitslosigkeits-Ursachenpaa- re, deren gleichzeitiges Auftreten Stagflation erklären würde, sind entsprechend den behandelten Theorien: 4. (hohe Geldmengenexpansion, überhöhte Mindestreallöhne), (hohe Geldmengenexpansion, niedriges Niveau der aggregierten Nachfrage), (hohe Geldmengenexpansion, nachfrageinadäquate Struktur des Ar¬ beitskräftepotentials), (hohe Geldmengenexpansion, nachfrageinadä¬ quate Struktur des Arbeitskräftepotentials), (hohe Geldmengenexpan¬ sion, nachfrageinadäquate Struktur des Kapitalstocks). Geldmengenexpansion führt gemäß quantitätstheoretischen Argu¬ menten zu Inflation ohne reale Effekte. Zu Arbeitslosigkeit kommt es, wenn Firmen nicht bereit sind, Arbeitskräfte zu Reallöhnen, die über ihrer Produktivität liegen, zu beschäftigen (vorkeynesianische Gleich¬ gewichtstheorie), oder die aggregierte Nachfrage nicht ausreicht, um alle Arbeitskräfte beschäftigen zu können (keynesianische Unterbe¬ schäftigungstheorie), oder das Arbeitskräfteangebot zwar quantitativ, aber nicht qualitativ der Nachfrage entspricht (strukturelle Arbeitslo¬ sigkeit; Arbeitskräftepotentialstruktur), oder die Arbeitsplätze im technischen Sinn fehlen (strukturelle Arbeitslosigkeit; Kapitalstock¬ struktur). 289