Warenproduzenten oder die Gesellschaft der Kapitalisten. Dabei kann es keine gesamtgesellschaftliche Ordnung geben. So heißt es bei der Darstellung des Akkumulationsprozesses: „Allerdings sieht die Sache ganz anders aus, wenn wir die kapitalisti¬ sche Produktion im ununterbrochenen Fluß ihrer Erneuerung betrachten, und statt des einzelnen Kapitalisten und des einzelnen Arbeiters, die Gesamtheit, die Kapitalistenklasse und ihr gegenüber die Arbeiterklasse ins Auge fassen. Damit aber würden wir einen Maßstab anlegen, der der Warenproduktion total fremd ist." (Kapital, Bd. 1, p. 612) Gesamtgesellschaftliche Begriffe werden hier abgelehnt, da die Gesellschaft nur aus voneinander unabhängigen Individuen besteht. Die Gesellschaft als Subjekt existiert nicht12. Dennoch verwendet Marx ohne weiteres gesamtgesellschaftliche Begriffe, wenn sie ihm für spezifische Probleme adäquat erschienen. So heißt es bei der Untersuchung der Zirkulation, in der Marx gesamte Sektoren einander gegenüberstellt: „Betrachten wir die jährliche Funktion des gesellschaftlichen Kapi¬ tals - also des Gesamtkapitals, wovon die individuellen Kapitale nur Bruchstücke bilden, deren Bewegung sowohl ihre individuelle Bewe¬ gung ist, wie gleichzeitig integrierendes Glied der Bewegung des Gesamtkapitals - in ihrem Resultat, d. h. betrachten wir das Waren¬ produkt, welches die Gesellschaft während des Jahres liefert, so muß sich zeigen, wie der Reproduktionsprozeß des gesellschaftlichen Kapitals vonstatten geht, welche Charaktere diesen Reproduktions¬ prozeß vom Reproduktionsprozeß eines individuellen Kapitals unter¬ scheiden und welche Charaktere beiden gemeinsam sind." (Kapital, Bd. 2, p. 391) Hier wird also das einzelne Kapitel des Kapitalisten nur als Teil des gesamtgesellschaftlichen Kapitals gesehen. Oder aber wenn über Disproportionalitäten in der Produktion gesprochen wird. „Das gesellschaftliche Bedürfnis, d. h. der Gebrauchswert auf gesell¬ schaftlicher Potenz erscheint hier bestimmend für die Quota der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit, die den verschiedenen besond¬ ren Produktionssphären anheimfallen." (Kapital Bd. 3, p. 649) Die Nachfrage kann nicht beschränkt sein, sondern das gesamtgesell¬ schaftliche Bedürfnis. Es ist, als ob die Gesellschaft falsch geplant hätte. Dieser Doppeldeutigkeit des Begriffs Gesellschaft kommt in der Theorie der Werte große Bedeutung zu. Bei der Besprechung des Unterschiedes zwischen dem Wert einer Ware und dem Kostpreis am Anfang des dritten Bandes, wo also die Problematik des Verhältnisses von Arbeitswerten zu relativen Preisen begonnen wird abzuhandeln, heißt es: „Was die Ware dem Kapitalisten kostet, und was die Produktion der Ware selbst kostet, sind allerdings zwei ganz verschiedne Größen. Der aus Mehrwert bestehende Teil des Warenwerts kostet dem Kapitali¬ sten nichts, eben weil er dem Arbeiter unbezahlte Arbeit kostet. Da jedoch auf der Grundlage der kapitalistischen Produktion der Arbei- 15