Gebrauchswerte, so ist es jetzt der subjektive Zweck des Tausches, abstrakten Reichtum zu erhalten. Da der Zugang zu den Gebrauchswer¬ ten nur über Geld möglich ist, fallen Geld und Reichtum zusammen. Waren ursprünglich die Waren als Gebrauchswerte das Wesentliche, Geld nur das vermittelnde Medium, so ist letztlich Geld das Wesentli¬ che; dem einzelnen erscheinen die Waren nur als Repräsentanten des Geldes. Die Untersuchung der Gesellschaft geht bei Marx nicht auf eine Tauschwirtschaft, in der ein Gut Geld ist, sowie in der mikroökono¬ misch fundierten Geldtheorie, sondern Reichtum in der Form des Geldes steht im Mittelpunkt aller ökonomischen Aktivitäten. Dies kontrastiert zwar mit dem „Naturalismus" und „Technizismus" der Werttheorie, ist aber ein wesentlicher Gedankenstrang bei Marx. Ver¬ deutlicht wird diese Verselbständigung des Mittlers - als Produkt der tauschenden Gesellschaft - gegenüber der produzierenden Gesellschaft im Kontrast zum Bild einer von Marx als vernünftig anvisierten Gesellschaft: „Stellen wir uns endlich, zur Abwechslung, einen Verein freier Menschen vor, die mit gemeinschaftlichen Produktionsmitteln arbei¬ ten und ihre vielen individuellen Arbeitskräfte selbstbewußt als gesellschaftliche Arbeitskraft verausgaben. Alle Bestimmungen von Robinsons Arbeit wiederholen sich hier, nur gesellschaftlich statt individuell. Alle Produkte Robinsons waren sein ausschließlich per¬ sönliches Produkt und daher unmittelbar Gebrauchsgegenstände für ihn. Das Gesamtprodukt des Vereins ist ein gesellschaftliches Pro¬ dukt. Ein Teil dieses Produkts dient wieder als Produktionsmittel. Er bleibt gesellschaftlich. Aber ein anderer Teil wird als Lebensmittel von den Vereinsgliedern verzehrt. Er muß daher unter sie verteilt werden. Die Art dieser Verteilung wird wechseln mit der besonderen Art des gesellschaftlichen Produktionsorganismus selbst und der entsprechenden geschichtlichen Entwicklungshöhe der Produzen¬ ten ... Die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen zu ihren Arbeitsprodukten bleiben hier durchsichtig und einfach in der Pro¬ duktion sowohl als in der Distribution." (Kapital Bd. 1, p. 92) Diese und ähnliche Stellen können nicht als analytische Ökonomie gelesen werden, wird doch darin die Gesellschaft einfach als Subjekt gesetzt. Es handelt sich hier um Aufklärung, in dem Sinn, daß denkbare ideale Alternativen aufgezeigt werden17. 2.3 Die Abstraktion von den Gebrauchswerten im Geld ist nun aus drei Gründen für die Weiterführung der Marxschen Ökonomie von Bedeutung. 1) Der einzelne erfährt die Bewertung seiner Arbeit nur indirekt durch den im Geld gemessenen Erfolg. Das Verhältnis der Individuen zueinander wird zu einem Verhältnis von Dingen (Warenfetischismus). Damit ist nicht die Fähigkeit des Individuums, Gebrauchswerte zu erzeugen, das Wesentliche, sondern die Fähigkeit Tauschwerte zu produzieren. Abstrakte Arbeit wird zur sozialen Realität (Entfrem- 23