langfristiger Entwicklung entspricht das im Vordergrund stehende Interesse an technischen und sozialen Veränderungen. Die Auswirkun¬ gen eines monetären Sektors auf die reale Ökonomie werden zwar immer wieder angedeutet, aber nicht wirklich untersucht. Dies hat noch eine zweite Ursache: der monetäre Sektor als Produkt einer Marktwirtschaft schien Marx der unproduktive Sektor schlecht¬ hin. Da in einer freien Gesellschaft die ökonomischen Beziehungen der Individuen „einfach und durchsichtig" seien, bedarf es daher keines monetären Sektors20. Die im Kapitalismus darauf angewandte Arbeit ist verschwendete Arbeitskraft, die entweder den gesellschaftlichen Reich¬ tum an Gebrauchswerten beeinträchtigt oder die gesellschaftlich not¬ wendige Arbeitszeit verlängert. Dieser implizite Vergleich zu einer sozialistischen Gesellschaft, der wie oben bereits angeführt, sich durch das ganze Werk von Marx zieht, verhindert die Analyse der produktiven Aspekte des monetären Sektors. Mit Marx kann man sich hier kritisch gegen den herrschenden Begriff des Volkseinkommens wenden, in dem jedes Einkommen, das am Markt erzielt wird, einen positiven Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum darstellt. Einkommen, die auf Grund von Arbeit entstehen, die bei alternativer gesellschaftlicher Organisation nicht notwendig sind, müssen als Verschwendung betrachtet werden. Klar ist, daß diese Idee nicht als analytische Ökonomie, sondern als Aufklärung im oben angedeuteten Sinn zu verstehen ist. Bedauerlich ist, daß die bei Marx vorhandenen Ansätze einer Krisen¬ theorie und einer Theorie monetärer Institutionen nicht weitergeführt wurden. Die Wertformanalyse wurde lange Zeit übersehen. Zwar berief man sich auf Marx, wenn man die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus anführte, übersah jedoch, wie Marx argumentierte. 1.1. Rubin, der diese Ansätze aufgriff, konnte daran nicht weiterarbeiten, da er bald in den Stalinschen Lagern verschwand. Die neuaufgelebte Diskussion um die Wertform anfangs der 70er Jahre flaute bald wieder ab, da sie anstatt zu einer Untersuchung von Finanzinstitutionen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft fortzuschreiten, in philosophischen Spitzfindigkei¬ ten sich verlief. Tragisch ist es aber, daß die Sozialdemokratie, die das Schicksal der Arbeiter schon im Kapitalismus verbessern wollte und daher zur Analyse kurzfristiger Probleme vorstoßen sollte, lange Zeit dazu sehr wenig zu sagen gehabt hat. Ihr Festhalten an den langfristigen Aspekten des Kapitalismus, so wie sie sich bei Marx finden, mußte wirtschaftspolitische Überlegungen zur Bekämpfung der Wirtschafts¬ krise erschweren. Bei Hilferding ist der Bankensektor nicht monetärer Sektor, sondern Beherrscher der Industrie. Das ist zwar ein wichtiger Aspekt, reicht aber nicht aus Finanzinstitutionen zu verstehen. Eine bei Marx anknüpfende Theorie monetärer Institutionen und deren Auswir¬ kungen auf die Gesellschaft - ein „linker Monetarismus" - hätte vieles leichter gemacht. 3) Die für Marx wichtigste Folgerung aus der Tatsache der Abstrakt¬ heit des Reichtums im Geld ist das Zurücktreten des Interesses am Gebrauchswert gegenüber dem am Tauschwert. Die ökonomischen 25