Subjekte gehen nicht mit produzierten Gebrauchswerten in die Zirkula¬ tion, um mit anderen aus ihr herauszukommen, sondern sie gehen mit Tauschwerten in die Zirkulation, um mit einem größeren Tauschwert herauszukommen. Der subjektive Zweck der Zirkulation ist nicht die Erlangung eines Gebrauchswertes im Tausch gegen einen anderen, sondern die Vergrößerung von Reichtum als Summe von Tauschwer¬ ten. Da nur Gebrauchswerte Träger von Tauschwerten sein können, Gebrauchswerte aber nur in der Produktion entstehen können, ver¬ weist Marx auf die Produktion zurück. Produktion ist dann aber nicht mehr die Produktion voneinander unabhängiger Produzenten, sondern die Produktion einer in Klassen gespaltenen Gesellschaft. Die ökonomischen Subjekte sind jetzt nicht mehr Produzenten, die mit ihren Waren auf den Markt gehen. Die eigentlichen Produzenten bieten keine im Produktionsprozeß produ¬ zierten Waren an, sondern nur die Arbeitskraft; die einzige Ware, die diejenigen haben, die sonst nichts haben. Die Marxsche Analyse des Geldes beginnt mit dem Tausch voneinan¬ der unabhängiger Produzenten und endet mit der kapitalistischen Gesellschaft, in der es Krisen gibt. Sie ist, wenn auch sowohl in der späteren marxistischen als auch akademischen Ökonomie wenig beach¬ tet, sicherlich einer der interessantesten Teile der Analyse. Die Unter¬ scheidung zwischen der Produktion von Gebrauchswerten und der Vermittlung von Gebrauchswerten durch den Tausch, und die Beto¬ nung der gegenseitigen Zusammenhänge ermöglicht es Marx Geld als soziale Institution zu erfaßen. Daß die Gesellschaft durch diese soziale Institution geprägt wird, war Marx' zentrale Aussage gegenüber Proud- hon und den Anhängern des Sayschen Gesetzes. Die Behauptung, daß monetäre Institutionen und deren Veränderung diese Gesellschaft verändern, gäbe auch heute ein interessantes Forschungsprogramm. Die akademische Ökonomie versucht zwar seit Wicksell reale Effekte monetärer Veränderungen zu bestimmen oder zu leugnen - je nach politischem Vorurteil - aber zur Veränderung der Gesellschaft durch Geld hat sie nicht viel mehr zu sagen, als die Zitierung eines nicht nachweisbaren Leninzitates, nach dem die bürgerliche Gesellschaft bekämpft werden kann, in dem man ihr Geldsystem durch Inflation zerstört. Wie wenig davon Thema der akademischen Ökonomie ist, zeigt sich an der weitgehenden Trennung von monetärer und realer Ökonomie in der Theorie. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, daß zwei derart zentrale Gebiete zu beherrschen heute nicht mehr möglich ist21. Es ist aber auch vorweg gar nicht klar, ob reale Ökonomie, in der Gesetze der Produktion - heute würde man auch Präferenzen hinzufügen - eine entscheidende Rolle spielen, und monetäre Ökonomie, in der gesell¬ schaftliche Veränderungen über den Finanzsektor wirken, mit einer einheitlichen Theorie behandelt werden können. 26