duktionsverfahren entwickelt und zweitens die Arbeiter zwingt, ratio¬ nell zu arbeiten. Demgegenüber zeichnet die Neoklassik ein Bild, in dem der Kapita¬ list auf den Kapitaleigentümer reduziert wird. Dieser macht nichts anderes als Preisdifferenzen auszunutzen und dabei den Gleichge¬ wichtspreis herbeizuführen. Der neoklassische Kapitalist ist im Grunde genommen Spekulant25. Seine entscheidende Aufgabe in der Neoklassik ist es, Risken zu tragen. Genau in dieser Funktion schien er aber Marx und den politi¬ schen Parteien, die sich auf ihn beriefen, unnötig: durch Planung lassen sich die Risken erstens verringern und zweitens in einer Versicherung auf die gesamte Gesellschaft aufteilen. Das Bild des Marktes, das Marx zeichnet, ist grundsätzlich anders, als das der Neoklassik. Während in der Neoklassik der Markt dadurch gekennzeichnet ist, daß bei Konkurrenz ein einheitlicher Preis vorhan¬ den ist und jener einzelne nur Preisnehmer, sodaß am Markt Ruhe herrscht, ist für Marx der Markt ein Ort des Kampfes: die Kapitalisten bekämpfen einander durch immer bessere Produktionsmethoden, was auch verstärkte Ausbeutung durch neue Techniken heißt. Weil die Unternehmer einander dauernd bekriegen, weil sie dauernd kurzfri¬ stige Monopolrenten erhalten wollen, entsteht technischer Fortschritt. Marxisten haben es daher wesentlich leichter technischen Fortschritt zu erfassen, als die weitgehend statische Neoklassik. Verbesserte Produktionsmethoden heißt dabei zweierlei: Verände¬ rungen der Technologie im Sinne einer besseren Beherrschung der Natur und eine geänderte Organisierung des Arbeitsprozesses. Wäh¬ rend der Arbeiter am Arbeitsmarkt als freies Individuum betrachtet wird, daher nicht grundsätzlich anders als in der akademischen Ökono¬ mie, hat der Arbeiter für Marx, sobald er die Fabrik betritt, alle Freiheiten aufgegeben. Der Arbeiter verkauft am Arbeitsmarkt die Arbeitskraft, nie die Arbeit. Gearbeitet wird in der Fabrik. „Der ehemalige Geldbesitzer schreitet voran als Kapitalist, der Arbeitskraftbesitzer folgt ihm nach als sein Arbeiter; der eine bedeu¬ tungsvoll schmunzelnd und geschäftseifrig, der andere scheu, wider¬ strebsam, wie jemand der seine eigne Haut zu Markt getragen und nun nichts andres zu erwarten hat als die - Gerberei." (Kapital Bd. 1, p. 191) Organisierung der Produktion heißt mehr als das Hinstellen der richtigen Maschinen, es heißt den Arbeiter zur Arbeit zu zwingen. Dieses HerrschaftsVerhältnis in der Fabrik entspringt nicht der Böswil¬ ligkeit des Kapitalisten, auch nicht der Faulheit der Arbeiter, sondern dem ökonomischen Verhalten aller Beteiligten: der Kapitalist muß Profit machen, will er nicht untergehen; der Arbeiter muß sich dagegen wehren, da er bei gegebenem Lohn möglichst wenig arbeiten möchte. Da die Gesellschaft aber nicht auf politischer Herrschaft aufgebaut ist, kann das betriebliche Herrschaftsverhältnis nicht das des Sklaventrei¬ bers oder des Fußballtrainers sein: es muß durch die Produktionstech¬ nologie und Organisation vermittelt sein. Der kapitalistische Betrieb, in 30