dem freie Arbeiter arbeiten, darf nicht darauf beruhen, daß der Kapita¬ list oder sein Agent den Arbeitern befiehlt, schnell und gut zu arbeiten. Die Produktionstechnologie muß derart sein, daß der Arbeiter den Zwang als sachliches Verhältnis erlebt. Dazu müssen die Arbeitsver¬ hältnisse versachlicht und objektiviert werden, was durch die Entwick¬ lung der Maschinerie und Organisationsstrukturen geschieht. Die „lebendige" Arbeitskraft wird zum Anhängsel der Maschinerie. Technik ist nicht nur eine Frage der relativen Preise, ebensowenig bloß eine Auseinandersetzung mit der Natur, sie ist ebensosehr ein soziales Verhältnis. Dieses soziale Verhältnis ist kein Verhältnis des Marktes, sondern ein herrschaftliches. Dies wurde fast vollkommen aus der akademischen Ökonomie verdrängt, wenn man von der Diskussion, die auf Coase (1937) zurückgeht, absieht. Darin und etwa bei Williamson würde sich die innerbetriebliche Organisation als das Effizientere gegenüber einer reinen Marktbeziehung erweisen, aber die spezifische soziale Problematik des Herrschaftsverhältnisses geht dabei ebenso verloren, wie in der Produktionstheorie der Lehrbücher. Über die Organisation des Arbeitsprozesses ist es Marx möglich, die Arbeiter als Klasse, als Proletariat zu fassen, und damit auch die Kapitalisten als Klasse253. Der ökonomische Prozeß, der über Märkte abläuft, zwingt zu einem spezifischen Herrschaftsverhältnis und zur Organisierung im Kampf gegen das Herrschaftsverhältnis. Die Arbeiter sind nicht nur Teilneh¬ mer am Markt, sondern auch die Klasse der Arbeiter, die die Ausbeu¬ tung akzeptiert, sabotiert oder durch politische Aktion zu verändern versucht. Wie schwer sich das in die akademische Ökonomie einfügen läßt, kann man an der Schwierigkeit der ökonomischen Theorie mit der berühmten Geldillusion der Arbeiter erkennen: betrachtet man die Arbeiter nur als Marktteilnehmer ist es sicherlich nicht ohne weiteres einsichtig, warum sie sich gegen Lohnkürzungen wehren, nicht aber gegen Preiserhöhungen. Die simple Tatsache, daß die meisten Arbeiter besser als Arbeiter denn als Konsumenten organisiert sind, sie daher leichter Aktionen gegen Lohnkürzungen als gegen steigende Preise unternehmen können, bleibt der Ökonomie verborgen. Natürlich wäre es ein Unsinn die Analyse von Märkten gegenüber der von sozialen Kämpfen zurückzustellen. Die Einbeziehung von Kämpfen in die ökonomische Analyse scheint auch kaum möglich zu sein, da dabei die Klasse, oder Teile der Klasse, als handelndes Subjekt aufge¬ faßt werden muß. Marx war sich dessen sehr bewußt, wenn er die Kapitalisten als „falsche Brüder" bezeichnet, da sie zwar gemeinsame Klasseninteressen haben, gleichzeitig aber Konkurrenten sind. Daher kann „das Kapital" als Klasse weder politisch noch ökonomisch han¬ deln, wie es immer wieder in marxistischen Schriften - aber nie bei Marx - behauptet wird. „Das Kapital" kann nicht rationalisieren, um die Löhne zu senken, es kann sich auch nicht diese oder jene Staatsform geben. Die ökonomische Analyse im Sinne der Untersuchung von Zusammenhängen über den Markt kann nicht ersetzt werden, auch wenn aus ökonomischen Prozessen Klassenkämpfe folgen26. 31