kation des Kapitals ist der Kapitalist respektabel." (Kapital Bd. 1, p. 618) Die Versachlichung des Ausbeutungsverhältnisses kann nicht bloß als Verschleierung gegenüber den Ausgebeuteten gesehen werden. Die Ausbeutung wird nicht hinter einem technischen Arbeitsverhältnis versteckt, sondern der technisch organisierte Arbeitsprozeß ist Ausbeu¬ tung, solange die Kapitalisten diesen Prozeß organisieren. Sie selbst sind dabei nicht frei, nicht die eigentlichen Herren: sie müssen - bei Strafe des eigenen Untergangs - die Produktion immer besser organi¬ sieren, sie müssen immer mehr ausbeuten. Nicht die Kapitalisten sind die Subjekte, sondern das Kapital als eine alle beherrschende und allen entfremdete Macht. Das Kapital - aufge¬ spalten in viele Kapitalien - als der Herr der Welt ist bei Marx die eigentliche Gesellschaft. Diese Verselbständigung des Kapitals auch gegenüber den Kapitali¬ sten, die reale Abstraktion des Kapitals gegenüber der Gesellschaft, ist in die akademische Ökonomie nicht zu integrieren: ist doch die Ökono¬ mie schlechthin die Theorie von individuellem Handeln unter bestimm¬ ten Bedingungen. Diese Denkvoraussetzung der theoretischen Ökono¬ mie - eng mit dem Rationalitätspostulat verknüpft - setzt die Indivi¬ duen voraus. Daß die Produktionsmöglichkeiten und Präferenzen der Individuen z. B. etwas mit gesellschaftlicher Stellung zu tun haben, wird zwar von ihr nicht bestritten, aber als Forschungsprogramm in die Soziologie und verwandte Wissenschaften abgedrängt. Theoretische Ökonomie hört dadurch auf Sozialwissenschaft zu sein, bzw. reduziert diesen Anspruch auf interdisziplinäre Veranstaltungen, in denen Öko¬ nomen, Soziologen etc. - in dem sie sich dauernd der gegenseitigen Hochachtung versichern, ohne auch nur in der Lage zu sein, die Fachkompetenz des Gesprächspartners zu beurteilen - auf dem jeweils anderen Gebiet dilettieren. Der emphatische Begriff von Gesellschaft, wie er der Marxschen Theorie des Kapitalismus zugrunde liegt, kann aber der einzelnen Gesellschaftswissenschaft in ihrer Arbeitsteilung und Spezialisierung nicht ohne weiteres entgegengehalten werden. Nirgends ist das so gut zu sehen wie am Begriff des Kapitals: Reduziert man Akkumulation auf individuelles gegebenes Verhalten, so muß doch etwa verborgen blei¬ ben, wieso in einer reichen Welt die Steigerung der Produktivität als wichtiges Problem erscheint; läßt man aber individuelles Handeln außer Betracht, reduziert man Kapital auf den Begriff des „sich verwer¬ tenden Wertes", so wird aus der politischen Ökonomie eine Mythologie. 3.4 Eine Funktion hat der Unternehmer bei Marx nicht: das Aufsu¬ chen neuer Bedürfnisse und deren Befriedigung28. Das ist nicht einfach ein Übersehen einer sicherlich langfristig wichtigen Funktion von Unternehmern, sondern entspricht dem Grundproblem der Marxschen Ökonomie. Da der Lohn der Arbeiter einem irgendwie bestimmten sozialen Minimum entspricht, sind die Arbeiter im großen und ganzen vom produzierten Reichtum der Gesellschaft ausgeschlossen. Die Kapi- 33