3. Erscheinungsbild der Diskrimination 3.1 Geschlechtsspezifische Entlohnungsunterschiede nach Wirtschaftszweigen Besonders hohe Unterschiede in der Durchschnittsentlohnung zwi¬ schen (ganzjährig unselbständig beschäftigten) Männern und Frauen traten 1976 in folgenden Wirtschaftsbereichen auf: Geld-, Kredit- und Versicherungswesen (Männereinkommen in Prozent der Frauen: 178 Prozent), Handel (180 Prozent), Realitätenwesen und Rechtsdienste (185 Prozent), Textilindustrie (176 Prozent) und Chemische Industrie (167 Prozent). Die Spitzenwerte wurden in der Bekleidungsindustrie (189 Prozent) und im Bereich Haushaltung und Hauswartung (243 Pro¬ zent) erreicht. Diese Aufstellung enthält recht verschiedenartige Wirtschaftsberei¬ che. Der Grund für die beträchtlichen Unterschiede bleibt indes immer gleich: Frauen füllen vor allem die untersten Ränge der Arbeitsplatz¬ pyramide aus. Die angeführten Einkommendifferenzen finden sich daher sowohl in Branchen mit hohem Frauenanteil wie in Wirtschafts¬ zweigen mit hoher Männerquote10. Im Bereich Haushaltung, Hauswarte" stellen etwa Frauen das Hauptkontingent der Arbeitskräfte; sie füllen die vielen mäßig und unterbezahlten Positionen aus. Die gut remunerierten Stellen (wie etwa große moderne Siedlungsanlagen) bleiben dagegen Männersache. Ähn¬ lich liegt der Fall auch in der Bekleidungsindustrie. Frauen „verdrän¬ gen" Männer aus den untergeordneten Tätigkeitsbereichen. Dadurch nimmt der Anteil der Männer in den schlechterbezahlten Positionen ab; das hebt (statistisch gesehen) die Durchschnittsentlohnung von Män¬ nern in der betreffenden Branche. Im industriellen Bekleidungsbereich beispielsweise stellten die Frauen 1976 rund 83 Prozent der ungelernten Arbeiter, 93 Prozent der angelernten und 84 Prozent der Facharbeiter; aber nur 62 Prozent der (im Durchschnitt) relativ besser bezahlten Angestellten. In der Metallindustrie liegt der Frauenanteil mit 19 Prozent aller Beschäftigten unter dem Gesamtdurchschnitt der Industrie (1976: 32,3 Prozent). Trotzdem zeigt sich ein ähnlicher hoher Entlohnungsun¬ terschied wie in der Textilindustrie; denn auch hier sind Frauen auf untergeordnete Bereiche beschränkt: Frauen stellten 1976 zwar 30 Pro¬ zent der Hilfsarbeiter, aber nur 0,4 Prozent der Facharbeiter. Das Ausmaß der geschlechtsspezifischen Unterschiede in einzelnen Wirtschaftsbereichen hängt eng mit deren Arbeitsorganisation zusam¬ men. Je nach dem Verhältnis von untergeordneter und qualifizierter Tätigkeit schwankt die Differenz in der Durchschnittsentlohnung zwi¬ schen den verschiedenen Branchen. Der Beherbergungs- und Gaststät¬ tenbereich weist deshalb eine unterdurchschnittliche Benachteiligung der Frau auf (Entlohnungsvorsprung der Männer: 22 Prozent), weil die Betriebseinheiten meist nur eine schwache Gliederung des beschäftig- 87