Die österreichischen Industrieunternehmungen von 1973 bis 1979 im Spiegel ihrer Bilanzen Franz Richter und Roland Müllner 1. Einleitung Wie haben die österreichischen Industrieunternehmungen die Jahre' 1973 bis 1979 überstanden? Die siebziger Jahre sind durch einen einschneidenden Strukturwan¬ del der gesamten Weltwirtschaft charakterisiert. Die Rezession der Jahre 1974 und 1975 bildete den Auftakt zu einer Absenkung des allgemeinen Wachstumstrends, unter deren Eindruck die wirtschaftli¬ che Entwicklung der westlichen Industriestaaten bis heute steht. Auch Österreich blieb von diesen Einflüssen nicht verschont, obwohl wir, wie in so vielen Fällen, nur in abgeschwächter Form davon betroffen waren. So gelang es bis jetzt, die Arbeitslosigkeit, verglichen mit den übrigen westeuropäischen Ländern, auf einem niedrigen Pro¬ zentsatz zu halten. Dennoch treten heute im verstärkten Maße struktu¬ relle Schwierigkeiten in der österreichischen Industrie auf. Die erfor¬ derlichen Anpassungen einzuleiten und zu fördern, wird die Hauptauf¬ gabe der achtziger Jahre sein. Für die Unternehmungen folgten ab 1973 nach etlichen „fetten" Jahren „sieben magere Jahre", die, wie es den Anschein hat, auch in den achtziger Jahren kaum fetter zu werden versprechen. Die bisherigen Folgen dieser Entwicklung fanden im Jahre 1981 vorerst ihren traurigen Höhepunkt in einer Rekordzahl von Insolvenzen. Steigende Fremdkapitalanteile, gekoppelt mit einem hohen Zinsni¬ veau und einer seit den Jahren 1974/1975 permanenten Aufzehrung der Betriebssubstanz, zeigen ihre Langzeitwirkung. Die Aufzehrung der Betriebssubstanz bedeutet wiederum verdeckte Auflösung stiller Rücklagen und sinkende Eigenkapitalanteile an der Bilanzsumme der Betriebe. 99