GELDTHEORIE UND GELDPOLITIK Rezension von: Otmar Issing, Einführung in die Geldtheorie; WiSo-Kurzlehrbücher, Reihe Volkswirtschaft, Verlag Vahlen, München 1981 (4. Auflage). Otmar Issing, Einführung in die Geldpolitik; WiSo-Kurzlehrbücher, Reihe Volkswirtschaft, Verlag Vahlen, München 1981. Der Autor betont im Vorwort zu seiner neuen „Einführung in die Geld¬ politik", daß es Aufgabe eines solchen Buches sei, „den studentischen Leser zwar an den Stand der Diskussion heranzuführen, ihn aber nicht durch eine Fülle kontroversieller Meinungen in einen Zustand der Ratlosigkeit zu versetzen". Die monetäre Theorie - und im besonderen die Theorie der Geldpolitik - ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten einem starken Wan¬ del unterworfen gewesen, dessen Ent¬ wicklungsrichtung nicht immer ein¬ deutig war; bisweilen schien es, als würden längst in der Versenkung ver¬ schwundene Theoriengebäude nur für die Gegenwart neu adaptiert. In einem solchen wissenschaftlichen Umfeld ist es für einschlägige Autoren meist be¬ quemer, sich an der einen oder ande¬ ren Verästelung der Diskussion ge¬ zielt zu beteiligen, als sich der Mühe zu unterziehen, die auseinanderstre¬ benden und teilweise widersprüchli¬ chen Diskussionsbereiche lehrbuch¬ mäßig aufzuarbeiten. Issing unterzieht sich dieser mühe¬ vollen Aufgabe mit der Herausgabe seiner „Einführung in die Geldtheo¬ rie" (1. Auflage 1974) schon seit länge¬ rer Zeit. Dieses Werk ist in den letzten Jahren vielfach als ein besonders stu¬ diengerechtes Lehrbuch gewürdigt worden, weil in ihm die theoretischen Zusammenhänge an Hand von praxis¬ bezogenen Erläuterungen anschaulich dargestellt werden. Die große Nachfrage nach diesem Werk zeigt sich schon darin, daß es nun in seiner 4. Auflage erschien; sie ist inhaltlich gegenüber der vorherge¬ henden Auflage praktisch nicht verän¬ dert worden. Issing bearbeitet darin zunächst die Frage der Gelddefinitio¬ nen, daran schließt sich im Sinne der traditionellen Gleichgewichtsbetrach¬ tung die Analyse von Geldnachfrage und -angebot sowie die Zinstheorie. In einem zweiten Teil werden dann eini¬ ge wichtige gesamtwirtschaftliche Wirkungen, die von Veränderungen auf dem Geldmarkt ausgehen, abge¬ handelt. Der Schwerpunkt liegt hier auf der dogmengeschichtlich geordne¬ ten Analyse der Quantitätstheorie und ihrer Kritiker sowie der Inflations¬ theorie (einschließlich wichtiger nichtmonetärer Inflationserklärun¬ gen). Etwas unmotiviert ist in diesen zweiten Teil eine Besprechung von Liquiditätskonzepten eingebettet; die¬ se hätten ihren Platz wohl eher in der Nähe der Geldmarkt- und Gelddefini¬ tionskapitel gehabt. Der Neuauflage der „Geldtheorie" ist nun auch die von Issing seit langem geplante „Einführung in die Geldpoli¬ tik" gefolgt. Ihre Herausgabe verzö¬ gerte sich offensichtlich wegen der eingangs erwähnten Schwierigkeiten. Als Ergebnis liegt dafür nun ein sehr sorgfältig erstelltes zweibändiges Lehrbuch der monetären Ökonomie für den deutschen Sprachraum vor, das zwar in erster Linie für die Studie¬ renden jüngerer Semester geschrie¬ ben ist, das aber als Nachschlagewerk auch höhere Semester ansprechen wird. Dabei findet Issing eine leicht leserliche Sprache, die sich von der unnötigen Kompliziertheit mancher anderen deutschsprachigen Lehrbü¬ cher wohltuend abhebt. In der „Geldpolitik" analysiert Is¬ sing in einem ersten Teil die „Grundla¬ gen" der monetären Politik, zu denen 123